Die Formel-1-WM 2026 ist rechnerisch noch lange nicht entschieden. Doch nach 14 Grands Prix braucht es schon einiges an Fantasie, um noch an eine große Aufholjagd gegen Kimi Antonelli zu glauben.
Der erst 20 Jahre alte Mercedes-Pilot führt die Fahrer-WM nach seinem Madrid-Sieg mit 81 Punkten Vorsprung auf Teamkollege George Russell an. Lewis Hamilton fehlen bereits 101 Punkte, Titelverteidiger Lando Norris sogar 106.
Dabei könnte ausgerechnet Norris derzeit noch der gefährlichste Verfolger sein. Der McLaren-Pilot gewann in Budapest und Zandvoort und hätte ohne Pech mit dem Virtual Safety Car auch in Madrid um den Sieg kämpfen können. Doch selbst eine nahezu perfekte Aufholjagd könnte zu wenig sein.

Selbst vierte Plätze könnten Antonelli reichen

Sollten wie derzeit erwartet nur noch acht Rennwochenenden stattfinden, wären maximal 208 Punkte zu holen: 200 für acht Grand-Prix-Siege und weitere acht beim Sprint in Singapur.
Selbst wenn Norris tatsächlich sämtliche dieser 208 Punkte einsammeln würde, müsste Antonelli keineswegs ebenfalls Rennen gewinnen. 103 weitere Punkte würden ihm reichen, um vor Norris zu bleiben.
Kimi Antonelli rast seinem ersten Formel-1-WM-Titel entgegen.
Bild: Jiri Krenek / Active Pictures
Und genau hier wird die Statistik bemerkenswert: Selbst wenn man nur Antonellis acht schlechteste Grand-Prix-Ergebnisse der bisherigen Saison zusammenzählt, kommt der Mercedes-Pilot auf 116 Punkte.
Mit anderen Worten: Fährt Antonelli im Saisonendspurt lediglich auf dem Niveau seiner bislang schlechtesten Rennen weiter, könnte das bereits zum WM-Titel reichen.
Selbst eine Serie von vierten Plätzen würde fast genügen. Nur ein einziges zusätzliches Podium wäre in diesem Extrem-Szenario nötig.

Verstappen schwärmt von Antonelli

Auch Max Verstappen glaubt offenbar nicht mehr an einen großen Einbruch des Italieners. „Kimi muss einfach das weitermachen, was er macht. Es ist fantastisch“, lobt der viermalige Weltmeister. „Er liefert einfach ab, er ist selbstbewusst und sammelt immer mehr Erfahrung. Er ist noch jung und steht ganz am Anfang seiner Karriere, aber er fliegt gerade.“
Auch Norris zeigt sich beeindruckt. Antonelli mache einen „unglaublichen Job“ und schlage mit Russell einen wesentlich erfahreneren Teamkollegen. „Er fährt einfach nicht so, als wäre es erst sein zweites Jahr in der Formel 1“, sagt der amtierende Weltmeister. „Ziemlich phänomenal.“
Russell selbst klingt inzwischen kaum optimistischer. Nach Platz fünf in Madrid sagt Antonellis erster Verfolger: „Ich werde nicht sagen, dass es vorbei ist. Aber es ist extrem unwahrscheinlich, dass ich noch in diesem Kampf bin.“
Rechnerisch ist die WM also noch offen. Doch Antonelli müsste inzwischen vor allem eines tun, um sie noch zu verlieren: deutlich schlechter fahren als bisher.