Formel E

Formel E: Audi, Wehrlein

Audi-Doppelsieg, Drama um Wehrlein

Lucas di Grassi beendet seine Durststrecke mit einem Sieg in Mexiko. Pascal Wehrlein wird durch Disqualifikation um den Erfolg gebracht.
Lucas di Grassi ist zurück in der Erfolgsspur: In Puebla (Mexiko) gelang dem Brasilianer sein elfter Sieg in der Formel E, Teamkollege René Rast komplettierte das starke Audi-Resultat mit Rang zwei.
Allein: Dieser Doppelsieg war nur deshalb möglich, weil Pascal Wehrlein disqualifiziert wurde (genauso wie der zweite Porsche-Fahrer André Lotterer). Grund: Porsche hat der Rennleitung die Reifennummern nicht rechtzeitig mitgeteilt. Dadurch konnte Reifenlieferant Michelin die Reifendrücke nicht überprüfen – ein Verstoß gegen Artikel 36.5 des Sportlichen Reglements.
Ex-Formel-E-Fahrer und Sat.1-Experte Daniel Abt kann nur den Kopf schütteln: „Die Fans werden sich fragen: Sind wie hier im Irrenhaus? Da wird ein Fahrer um den Sieg gebracht, der das Rennen klar bestimmt hat, nur weil einer bei Porsche den Knopf nicht gedrückt hat. Natürlich ist das ein Formfehler, aber da muss man sich auch mal was überlegen. Denn war die Strafe so notwendig? Mein gesunder Verstand sagt mir, nein. Das kannst du so nicht nach außen an die Fans bringen. Die verstehen das nicht.“
Formel E mit zu vielen Disqualifikationen

Pascal Wehrlein kam als erstes ins Ziel, wurde aber disqualifiziert

©Picture-alliance

Tatsächlich hat die Formel E ein Disqualifikationsproblem: Allein in dieser Saison hagelte es schon zehn Disqualifikationen, seit dem ersten Rennen 2014 sind es schon 28! Zum Vergleich: In der Formel 1 wurden seit 2014 gerade mal sieben Disqualifikationen ausgesprochen, viermal weniger als in der Formel E.
Porsche-Projektleiter Amiel Lindesay erklärt: „Unglücklicherweise waren die Reifen so (mit falschen Nummern) im System. Ein Knopf wurde nicht gedrückt, um sie (die korrekten Daten) für das Rennen zu übermitteln. Nun ja… Wir gewinnen gemeinsam als Team und wir verlieren gemeinsam als Team. Wir sind ziemlich am Boden. Es war ein fantastisches Rennen von Pascal – eine absolut fehlerfreie Leistung vom Start bis ins Ziel.“
Wehrlein würde Strafe gern selbst zahlen
Auf Instagram lässt Wehrlein seinen Emotionen indes freien Lauf: "Heute hätte ein großartiger Tag für uns sein sollen: Pole-Position und ein dominanter Sieg im Rennen. Aber wir wurden disqualifiziert, weil wir die Reifen vor dem Rennen nicht deklariert hatten - drei andere Fahrer übrigens auch nicht." 
Der Porsche-Star an die Regelhüter der FIA: "Ihr gebt uns drei Sätze Reifen für das Wochenende. Ich würde eine Strafe verstehen, wenn etwas illegal gewesen wäre oder wir einen Vorteil erlangt hätten, weil etwas nicht korrekt war. Aber nicht für eine Formalität. Ich stehe voll und ganz hinter meinem Team: Wir haben einen großartigen Job gemacht heute. Wenn es so wichtig für euch ist, welchen der drei Reifensätze wir im Rennen verwenden, dann checkt es verdammt noch mal selbst während der halben Stunde, wenn die Reifen in der Startaufstellung montiert werden."
Wehrlein würde eine Geldstrafe sogar selbst zahlen, wenn er den Sieg so zurückbekäme. "Es ist eine Schande, dass all die harte Arbeit und Vorbereitung so vieler Leute wegen einer Formalität in die Tonne getreten wird. Es tut weh. Und wie sollen wir das den Fans und Zuschauern vermitteln? Wenn ihr meint, dass wir eine Strafe verdient haben, dann gebt uns eine Geldstrafe. Es wurden schon für schlimmere Vergehen Strafen ausgesprochen, und ich zahle sie gern aus meiner eigenen Tasche."
Di Grassi mit Titelambitionen
Porsche also im Pech, aber Audi hatte nicht nur Glück. Auf der Strecke von Puebla ist Effizienz wichtig – und hier schlug Audi richtig zu. „Einen Doppelsieg gibt es in der Formel E nicht allzu oft. Das zeigt, was für eine großartige Leistung das war“, sagt Abt. Es war der dritte Audi-Doppelsieg in der Formel E, der sechste Doppelerfolg eines Teams überhaupt in der Elektroformel.
Und für di Grassi geht endlich der Knoten auf: Sein letzter Triumph war 2019 in Berlin. In der letzten Saison blieb er ganz ohne Sieg, dieses Jahr kam er sogar noch nie über Rang sieben hinaus. Trotz Sieg liegt er daher mit nur 39 Punkten auf WM-Rang elf. Doch der Audi-E-Motor hat bisher durchaus gezeigt, wie gut er ist: Robin Frijns aus dem Kundenteam Virgin führt nach wie vor die Tabelle an – auch wenn er in Puebla punktlos blieb.
Di Grassi will jetzt den Titel: „Es sind noch viele Punkte zu vergeben“, ist er zuversichtlich. Denn: Auch wenn er nur WM-Elfter ist – sein Rückstand auf Frijns beträgt nur 23 Punkte. Das kann er theoretisch beim zweiten Lauf heute Abend schon aufholen. Allein: Sein Teamkollege René Rast hat nur vier Punkte Rückstand auf WM-Leader Robin Frijns. Heißt auch: Seine Chancen sind noch größer. Sat.1 überträgt ab 23 Uhr.

Ergebnis Puebla 1

1. Lucas di Grassi (Audi Sport Abt Schaeffler)
2. René Rast (Audi Sport Abt Schaeffler)
3. Edoardo Mortara (Venturi-Mercedes)
4. Alexander Sims (Mahindra)
5. Jake Dennis (BMW-Andretti)
6. Antonio Felix da Costa (DS Techeetah)
7. Stoffel Vandoorne (Mercedes)
8. Mitch Evans (Jaguar)
9. Nyck de Vries (Mercedes)
10. Alexander Lynn (Mahindra)

Fahrer-WM

1. Robin Frijns 62
2. Antonio Felix da Costa 60
3. Nyck de Vries 59
4. René Rast 58
5. Mitch Evans 58
6. Stoffel Vandoorne 54
7. Sam Bird 49
8. Edoardo Mortara 47
9. Jean-Eric Vergne 46
10. Jake Dennis 43
11. Lucas di Grassi 39
12. Alexander Sims 36
13. Pascal Wehrlein 36
14. Oliver Rowland 35
15. Nico Müller 30
16. Alexander Lynn 24
17. Maximilian Günther 22
18. Nick Cassidy 19
19. André Lotterer 18
20. Oliver Turvey 13
21. Sergio Sette Câmara 12
22. Sébastien Buemi 11
23. Norman Nato 11
24. Tom Blomqvist 5
25. Joel Eriksson 0

Teamwertung

1. Mercedes 113
2. Jaguar 107
3. DS Techeetah 106
4. Audi Sport Abt Schaeffler 97
5. Virgin-Audi 81
6. BMW-Andretti 65
7. Mahindra 60
8. Venturi-Mercedes 58
9. Porsche 54
10. Nissan e.dams 46
11. Dragon 42
12. Nio333 18
 

Fotos: Picture-alliance

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