Mercedes verabschiedet sich mit zwei WM-Titeln aus der Formel E. Wie schon im Vorjahr holen die Silberpfeile beim großen Saisonfinale am Sonntag in Südkorea die Team- und Fahrermeisterschaft. Nach Nyck de Vries 2021 krönt sich dieses Jahr auch Teamkollege Stoffel Vandoorne erstmals zum Formel-E-Weltmeister.
Dem 30-jährigen Belgier reicht beim Sieg von Venturi-Pilot Edoardo Mortara ein zweiter Platz, um die Meisterschaft ungefährdet in trockene Tücher zu bringen. Vandoornes einzig verbliebener WM-Konkurrent Mitch Evans kommt nach schwachem Qualifying (nur Startplatz 13) zwar noch auf die siebte Position nach vorne, der Jaguar-Pilot hätte das Rennen allerdings gewinnen müssen, um Vandoorne zu gefährden.
Faire Gratulation: Evans (links) neben Meister Vandoorne (rechts)

Der neue Weltmeister hält sich indes von Platz vier aus gestartet aus allem Ärger raus und stets in der Spitzengruppe, lässt somit im 100. Rennen der Formel-E-Geschichte nur noch wenig Spannung in Sachen Titelkampf aufkommen.
"Weltmeister, wow! Es ist das beste Gefühl überhaupt. Das Auto und das Team waren wunderbar, jeder hier hat das verdient. Ein toller Tag", jubelt Vandoorne nach der Zieldurchfahrt. Für den frischgebackenen Meister ist klar: "Wir haben da etwas Besonderes geschafft. Was für eine Saison, wir waren so konstant. Die anderen haben alle mehr Siege als ich, aber ich habe die meisten Podiums."
In der Tat ist Vandoorne in Saison acht der Formel E Mister Konstanz: Bei acht von 16 Rennen landet er auf dem Podest, unglaubliche 15 Mal in den Punkten. Da macht es auch nichts, dass mit Monaco nur ein einziger Saisonsieg zu Buche steht. Am Ende beträgt sein Vorsprung auf Evans 33 Punkte.
Großer Jubel: Stoffel Vandoorne heißt der neue Formel-E-Champion

Für Vandoorne ist es der größte Erfolg seiner Karriere: Als hochdekorierter McLaren-Junior kommt er mit dem GP2-Titel im Gepäck 2017 als Stammfahrer in die Formel 1, allerdings in einer extremen Schwächephase des Traditionsrennstalls aus Woking. Zudem hat er keinen Geringeren als Fernando Alonso zum Teamkollegen, der den Neuling zeitweise vorführt.
Ende 2018 wechselt Vandoorne in die Formel E, dort läuft es für ihn deutlich besser: Bereits in seiner zweiten Saison wird er Vizemeister, nach Gesamtrang neun im Vorjahr folgt 2022 nun die Krönung.
Etwas knapper als in der Fahrer-WM fällt am Sonntag die Entscheidung bei den Konstrukteuren aus, weil Venturi mit dem Tagessieg noch einmal Druck auf Mercedes macht: Bereits in der Anfangsphase schnappt sich Mortara mit einem beherzten Manöver die Führung von Pole-Mann Antonio Felix da Costa und gibt diese bis ins Ziel nicht mehr ab. Am Ende aber fehlen seiner Truppe trotzdem 24 Punkte auf die Silberpfeile.
Für die Deutschen, wie hier bei Maxi Günther, lief es ganz schlecht

Ein Debakel ist das Formel-E-Finale am Sonntag für die Deutschen: André Lotterer muss seinen Porsche bereits nach wenigen Minuten abstellen und scheidet als erster Fahrer im Feld aus, wenig später tut es ihm Teamkollege Pascal Wehrlein nach Kontakt mit Mercedes-Pilot De Vries gleich. Das Trio Infernale komplettiert schließlich Nissan-Fahrer Maxi Günther, der ebenfalls am Streckenrand strandet.
Weiter geht die Formel E Mitte Januar mit dem Auftakt zu Saison neun in Mexiko City - dann mit dem neuen Gen3-Auto und auf jeden Fall einem neuen Team-Weltmeister, da Mercedes seinen Titel kommendes Jahr nicht mehr verteidigt.

Ergebnis: Formel E in Seoul, 16. von 16 Saisonläufen

1. Edoardo Mortara (Venturi) 34 Runden
2. Stoffel Vandoorne (Mercedes) +3,756 Sekunden
3. Jake Dennis (Andretti) +6,649
4. Robin Frijns (Envision) +7,021
5. Oliver Askew (Andretti) +7,850
6. Jean-Eric Vergne (DS Techeetah) +9,471
7. Mitch Evans (Jaguar) +10,243
8. Nick Cassidy (Envision) +14,208
9. Sébastien Buemi (Nissan) +16,629
10. Antonio Felix da Costa (DS Techeetah) +22,226

Endstand: Fahrer-WM, Formel E 2022

1. Stoffel Vandoorne (Mercedes) 213 Punkte
2. Mitch Evans (Jaguar) 180
3. Edoardo Mortara (Venturi) 169
4. Jean-Eric Vergne (DS Techeetah) 144
5. Lucas di Grassi (Venturi) 126

Endstand: Team-WM, Formel E 2022

1. Mercedes 319 Punkte
2. Venturi 295
3. DS Techeetah 266
4. Jaguar 231
5. Envision 194

Von

Frederik Hackbarth