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Formel E: Andere Hersteller im Formel E-Look

Formel E: Frauen-Revolution in Riad

Instrumentalisierung oder Fortschritt?

In Riad testen am Sonntag neun Rennfahrerinnen einen Formel-E-Rennwagen. Damit will man ein Zeichen für Emanzipation in Saudi-Arabien setzen. Carrie Schreiner ist dabei.
Jetzt steht auch die neunte und letzte Frau fest, die am Sonntag nach dem Formel-E-Auftakt in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad einen der bis zu 340 PS starken Formel-E-Rennwagen testen darf: IndyCar-Pilotin Pippa Mann kommt bei Dragon zum Zug. 
Sinn und Zweck der Veranstaltung sind aber als fragwürdig einzustufen. Hintergrund: In Saudi-Arabien ist die Stellung der Frau noch immer ein Problem. Erst seit diesem Jahr dürfen Frauen überhaupt Auto fahren. Trotzdem sitzen ausgerechnet jene Damen, die sich jahrelang dafür eingesetzt haben, seit Mai im Gefängnis. Begründung: Sie seien eine Bedrohung für die soziale Stabilität des Landes.

Diese Damen durften sich in Riad mal ausprobieren

Überhaupt erntet die Formel E wegen der eingeschränkten Menschenrechte und die Verstrickung in den Mord des Regimekritikers Jamal Kashoggi viel Kritik für das Rennen in Riad. Mit dem Mädels-Test will sie nun – so heißt es offiziell – dazu beitragen, die Stellung des weiblichen Geschlechts zu verbessern. Alle Teams, die bei dem Test eine Frau ans Steuer lassen, dürfen zwei statt nur ein Auto einsetzen. 
Für Ex-DTM-Siegerin Ellen Lohr ist das ein No-go. "FIA, Formel E und Teams lassen sich zum Werkzeug von Mohammed bin Salman (saudischer Kronprinz; d. Red.) machen", kritisiert sie im Spiegel. "Für mich ist das maximal zynisch. In Wahrheit steht jede Frau in Saudi-Arabien weiterhin unter männlicher Vormundschaft und wird damit ihrer Menschenrechte beraubt."
Immerhin: Audi Sport Abt Schaeffler und Jaguar verzichten auf den Frauen-Test. Sie haben den Mechanismus offenbar durchschaut, mit dem sie sich von einem Schurkenstaat instrumentalisieren lassen sollten. Richtig so. 

Auch Carrie Schreiner ist beim Formel-E-Test dabei

Leider haben nicht alle den PR-Coup durchschaut. Eine der neun Damen, die einen Formel-E-Renner ausprobieren dürfen, kommt aus Deutschland: Carrie Schreiner wird für HWA testen und damit Sophia Flörsch ersetzen, die sich noch von ihrem schweren Macau-Crash erholen muss. „Ich bin super gespannt auf meinen ersten Test in einem Formel-E-Auto“, erklärt die 20-Jährige, die gemeinsam mit Axcil Jefferies aus Simbabwe den Titel in der Lamborghini Super Tropfe Middle East gewonnen hat – also öfter im arabischen Raum fährt.
Für das Virgin-Team, das mit Audi-Kundenmotoren antritt, fährt sogar ein Mädchen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten – Amna Al Qubaisi. Auch sie freut sich auf den Test: „Ich bin sehr stolz darauf, Frauen im Allgemeinen und insbesondere arabische Frauen zu vertreten.“
Die Schweizerin Simona de Silvestro, die in der Formel E bereits zwölf Rennen für Andretti bestritt, wird für Venturi ausrücken, ist dort sogar für die gesamte Saison als Testfahrerin an Bord.
Bei DS Techeetah greift Formel-1-Testerin Tatiana Calderón ins Steuer, bei Nio Jamie Chadwick, die 2018 als erste Frau ein Rennen in der britischen Formel 3 gewinnen konnte. BMW lässt die eigene Juniorin Beitske Visser ans Steuer. Mahindra rückt mit Katherine Legge aus, die im Formel-E-Rahmenprogramm auch in der Jaguar iPace-Trophy starten wird. Und für Nissan fährt Carmen Jordà.
Die Frauen beim Formel-E-Test
Tatiana Calderón (DS Techeetah)
Amna Al Qubaisi (Virgin)
Katherine Legge (Mahindra)
Carmen Jordà (Nissan e.dams)
Simona de Silvestro (Venturi)
Jamie Chadwick (Nio)
Pippa Mann (Dragon)
Beitske Visser (BMW Andretti)
Carrie Schreiner (HWA)

Autoren: Michael Zeitler, Bianca Garloff

Fotos: Hersteller / Formel E

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