Formel E: Kolumne von Bianca Garloff
Die Formel E hat Zukunft

Die AUTO BILD MOTORSPORT Reporterin berichtet vom Geschehen im Fahrerlager: In Peking war sie bei der Premiere der neuen Formel E dabei.
Bild: BG / Sky
Ich gebe zu: Auch ich gehörte zu den Zweiflerinnen. Ich habe milde gelächelt über die Serie mit den Elektromotoren, den Ex-Stars, dem Fanboost und dem fliegenden Autowechsel. Berichterstattung über den Versuch Motorsport umweltfreundlich wirken zu lassen? Naja. Heute muss ich zugeben: Ich lag falsch. Meine eher unfreiwillige Reise zur Premiere nach Peking hat mich vom Gegenteil überzeugt. Die Formel E hat Zukunft, und zwar große! Was Serienpromoter Alejandro Agag und seine Leute in weniger als zwei Jahren auf die Beine gestellt haben, verdient Anerkennung. Bis auf ein instabiles Internet und ausbleibendes TV-Signal im Pressezentrum ging das Formel-E-Debüt ohne gravierende Mängel über die Bühne. Im Gegenteil: Der Renntag elektrisierte!
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Die Strecke in Peking – und es sollen ja alle Läufe in Städten ausgetragen werden – erinnerte an einen Straßenkurs aus der guten alten ChampCar-Zeit. Long Beach oder Surfers Paradise lassen grüßen. Damals schaltete ich regelmäßig ein. Enge Schikanen und nahestehende Mauern sorgten dafür, dass die nur mäßig schnellen Formel E gar nicht so langsam aussahen. Als Heidfeld und Co über die provisorisch angebrachten Plastik-Randsteine räuberten, war das Action pur. „Die Autos sind auf diesen Strecken zu fahren wir normale Rennwagen“, sagte mir der Mönchengladbacher später, „am Limit gar nicht so leicht zu beherrschen.“ Bruno Senna, Lucas di Grassi und Jarno Trulli; sie alle wirken gar nicht mehr wie aussortierte Formel-1-Loser. Die Formel E macht sie wieder zu Stars!
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Reporterin Bianca Garloff berichtet von den Rennstrecken dieser Welt
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Eigentlich kann es auch nicht sein, dass eine Serie, die sich grün schimpft, mit zwei Autos pro Fahrer anreisen muss. Zusätzlicher Ballast kostet mehr Kerosin. Aber Kompromisse muss man – zumindest jetzt noch – eingehen. Die Batterien halten derzeit eben nur eine halbe Stunde. Egal. Die Formel E hat bereits in Peking bewiesen: Sie ist nicht nur eine technologische Demonstration, dass Motorsport auch ökologisch sein kann. Sie ist eine sinnvolle Alternative zur Formel 1 – solange Elektromotoren und Batterien deren Level noch nicht erreichen können. Interessierten Automobilherstellern rate ich: Einsteigen, bevor man den Anschluss verpasst. Und ich? Ich werde mich freuen, wenn ich mal wieder zur Formel E geschickt werde. Los Angeles oder Miami? Ein Luxusproblem.
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