Maximilian Günther, was ist Ihre erste Erinnerung an einen fahrbaren Untersatz?
Maximilian Günther (24): Das war ein Elektroauto! Ein bisschen größer als ein Bobbycar. Da war ich drei oder vier Jahre alt. Mit sechs bin ich dann aufs Kart umgestiegen – damals natürlich mit Verbrenner. Mit 17 Jahren durfte ich dank einer Sondergenehmigung ohne Begleitperson Auto fahren. Der Dienstwagen war noch kein Nissan (lacht), aber ähnlich groß wie mein aktueller Leaf. Und er war natürlich nicht elektrisch.
Wie sind Sie zum Rennsport gekommen?
Als Kind habe ich mit meinem Vater Formel 1 geschaut. Ich erinnere mich an das Duell Kimi Räikkönen gegen Michael Schumacher. Ich darf es als Deutscher gar nicht laut sagen: Ich war Kimi-Fan. Später war Michael Schumacher natürlich trotzdem meine Inspiration. Ich bin wie er sehr perfektionistisch und arbeite hart für den Erfolg.
Max Günther ist nicht nur Formel- E-Pilot, sondern auch Markenbotschafter für Nissan.

Was fasziniert Sie am meisten am Rennautofahren?
Zum einen der Speed, der Glücksgefühle in mir auslöst. Zum anderen das Thema Präzision – so schnelle Fahrzeuge am Limit extrem präzise bewegen zu können. Und dann natürlich der Kampf Mann gegen Mann, der in der Formel E besonders ausgeprägt ist.
Sie sind mit Verbrennern aufgewachsen. Was begeistert Sie nun an der Formel E?
Dass man Technologien entwickelt, die man auf die Straße transferieren kann. Die Synergien gab es immer schon, aber jetzt kann ich Elektro-Pionier sein. Das lautlose und gleichzeitig kraftvolle Rennfahren fasziniert mich genauso wie Lautstärke und Geruch eines Verbrenners. Es ist wirklich schwierig und komplex, diese Autos zu bewegen. Der Grip der Allwetterreifen ist gering, und selbst im Duell denkst du immer daran, wie du Energie sparen kannst. Ein tolles Spielfeld, die Zukunft zu erfahren.
Schauen Sie dennoch manchmal mit einem weinenden Auge Richtung Formel 1?
Für mich war die Formel 1 anfangs das ganz große Ziel. Ich habe aber realisiert, dass dafür andere Faktoren entscheidend sind. Der Weg in die Königsklasse ist meist nur noch mit Geld möglich und nicht mehr nur über Erfolg. Die Formel E ist die höchste Serie, die du allein mit deinem Talent erreichen kannst. Sie ist eine FIA-Weltmeisterschaft, und einer meiner großen Träume ist, Weltmeister zu werden.
Zur Person: Maximilian Günther
2016 Vize-meister in der Formel 3, 2018 ein Sieg in der Formel 2. 2018 Formel-E-Einstieg mit Dragon, 2019 Wechsel zu BMW, jetzt bei Nissan.
Nächstes Rennen: 4. Juni in Jakarta (Indonesien).

Von

Bianca Garloff