Formel E: Sophia Flörsch über ihren neuen Opel
„Dieses Auto ist wirklich blitzschnell"

Neues Kapitel für Sophia Flörsch: Die Deutsche steigt mit Opel in die Formel E ein und will mehr als nur testen.
Bild: Opel
Mit Opel kehrt ein weiterer deutscher Hersteller in den internationalen Motorsport zurück. Ab der Saison 2026/27 steigt die Marke in die Formel E ein und greift damit erstmals in der vollelektrischen Weltmeisterschaft an. Eine zentrale Rolle beim Aufbau des Programms übernimmt dabei Sophia Flörsch.
Die deutsche Rennfahrerin wird als Test- und Entwicklungsfahrerin Teil des Projekts sein und soll Opel beim Einstieg in die neue Gen4-Ära mit rund 800 PS starken Elektroflitzern unterstützen.
Im Gespräch mit AUTO BILD spricht Flörsch über ihre neue Rolle, ihre Ziele in der Formel E und darüber, warum sie sich den Sprung ins Elektro-Racing absolut zutraut.
Sophia Flörsch im Interview
AUTO BILD: Sophia Flörsch, Opel steigt zur Saison 2026/27 in die Formel E ein und Sie sind als Entwicklungsfahrerin an Bord. Wie kommt’s?Sophia Flörsch: Ich fand das von Anfang an extrem spannend – als deutsche Fahrerin mit einem deutschen Hersteller in einer Weltmeisterschaft dabei zu sein. Außerdem ist die Formel E aus meiner Sicht aktuell eine der Serien mit dem höchsten Fahrerniveau, gerade in Kombination mit den Teams und Herstellern. Ich glaube auch, dass man den Zeitpunkt kaum besser hätte wählen können – mit der neuen Gen4-Generation. Das Auto ist wirklich beeindruckend.
Sie sind Test- und Entwicklungsfahrerin. Was genau ist Ihr Job?Flörsch: Im ersten Schritt geht es darum, den Einstieg von Opel zum Start der Gen4-Generation vorzubereiten. Ich werde viel im Simulator arbeiten und an Testtagen teilnehmen, zunächst mit älteren Autos wie Gen2 und Gen3, später dann auch mit dem Gen4. Darauf freue ich mich besonders, weil es für mich eine neue Herausforderung ist. Es geht darum, Leistung zu bringen, mich zu beweisen und meine Fähigkeiten zu zeigen.

Sophia Flörsch wird als Test- und Entwicklungsfahrerin Teil des Projekts sein und soll Opel beim Einstieg in die neue Gen4-Ära mit rund 800 PS starken Elektroflitzern unterstützen.
Bild: Opel
Um dann irgendwann Stammpilotin zu werden?Flörsch: Definitiv. Natürlich ist die Formel E für mich Neuland, gerade was das komplexe Energiemanagement angeht. Aber am Ende geht es immer darum, ein Auto schnell zu bewegen. Ich will mich Schritt für Schritt reinfinden. Mein Ziel ist klar: Stammfahrerin werden. Wenn die Leistung stimmt, spricht nichts dagegen.
Wie stehen Sie zur Elektromobilität – auf der Straße und im Motorsport?Flörsch: Ich finde es wichtig, offen zu sein. Für mich als Rennfahrerin ist entscheidend, dass es gutes Racing gibt und die Autos Spaß machen. Und genau das bietet die Formel E. Auch auf der Straße hat jeder unterschiedliche Anforderungen. Es gibt mittlerweile viele sportliche Elektroautos, die richtig Spaß machen. Die Entwicklung ist auch in der Formel E enorm: Wenn man Gen1 mit Gen4 vergleicht, ist das ein riesiger Schritt in nur zehn Jahren. Motorsport muss sich anpassen, und die Formel E ist da Vorreiter.
Die neuen Formel-E-Autos haben Servolenkung. Wird die Formel E dadurch auch für Frauen zugänglicher?Flörsch: Ich sehe das ehrlich gesagt anders. Frauen können genauso trainieren wie Männer und so genügend Muskeln aufbauen. Ich bin selbst Formel 2 gefahren; das war körperlich extrem anspruchsvoll. Mit Servolenkung wird es für alle Fahrer leichter, das hat auch Sicherheitsgründe. Am Ende zählt die Leistung. Wenn eine Frau schnell genug ist, sollte sie auch ihre Chance bekommen.
„Frauen können genauso gut fahren wie Männer"
Öffnen sich jetzt grundsätzlich mehr Türen für Frauen im Motorsport?Flörsch: Teilweise schon. Viele haben verstanden, dass Frauen genauso Rennwagen fahren können wie Männer. Gleichzeitig wird das Thema aber auch manchmal zu einseitig für Marketingzwecke genutzt. Ich finde, es sollte immer zuerst um sportliche Leistung gehen.
Was müsste passieren, damit Frauen wirklich dauerhaft eine Chance bekommen?Flörsch: Es beginnt schon im Nachwuchs. Rund 97 Prozent der Lizenzfahrer sind männlich. Das ist ein strukturelles Problem. Wenn eine Frau in einer Weltmeisterschaft erfolgreich ist und so zum Vorbild für junge Mädchen wird, würde das viel verändern.
Hat die Formel 1 das Thema verschlafen?Flörsch: Vieles, was dort aktuell auch mit der F1 Academy passiert, ist aus meiner Sicht eher Marketing und hilft den Frauen und dem Sport nicht wirklich weiter. Frauen müssen nicht dankbar sein, ihre Chance zu bekommen. Wir sind ganz normale Athleten, wie die Männer auch.

Ab der Saison 2026/27 steigt Opel in die Formel E ein und greift damit erstmals in der vollelektrischen Weltmeisterschaft an.
Bild: Opel
Kann die Formel E langfristig zur echten Konkurrenz für die Formel 1 werden?Flörsch: Die Formel E ist extrem durchdacht und entwickelt sich schnell weiter. Die Gen4-Autos sind mit über 800 PS im Qualifying und ihrem Allradantrieb wirklich beeindruckend und blitzschnell. Die Formel 1 verfolgt einen anderen Ansatz, hat aber aktuell mit der Technik ihre Herausforderungen. Während einzelne Teams dominieren, geht es in der Formel E oft um kleinste Unterschiede, um echtes Racing – das ist für Fans sehr attraktiv.
Flörsch über Angriffe: „Man gewöhnt sich dran"
Als Frau im Rampenlicht einer männlich geprägten Sportart zu stehen, bedeutet oft auch Kritik und persönliche Angriffe. Wie gehen Sie damit um?Flörsch: Man gewöhnt sich daran. Auch ein Lewis Hamilton hat nicht nur Fans. Mich muss nicht jeder mögen. Problematisch wird es, wenn Leute meinen Namen nutzen, um Reichweite zu generieren oder falsche Geschichten erzählen.
Müssen Frauen im Motorsport mehr leisten als Männer?Flörsch: Ja, ich glaube schon. Man muss sich mehr beweisen, mehr kämpfen. Aber wenn man den Respekt hat und das richtige Team um sich herum, funktioniert es. Am Ende zählt, was man auf der Strecke zeigt.
Was bedeutet Ihnen der Schritt zu Opel?Flörsch: Sehr viel. Opel hat eine große Motorsport-Historie, gerade in Deutschland. Wenn man die Fahrzeuge sieht, die dort in der historischen Sammlung stehen, ist das emotional. Teil dieser Geschichte zu werden, ist etwas Besonderes. Unsere sportlichen Ambitionen und der Blick auf Themen wie Chancengleichheit und Talentförderung passen perfekt zusammen. Auch deshalb fühlt es sich für mich richtig an.
Fahren Sie privat auch schon einen Opel?Flörsch (lacht): Ich bekomme in den nächsten Tagen meinen Opel Mokka GSE in Grau. Er steht schon in Rüsselsheim bereit. Ich bin ihn bereits Probe gefahren und freue mich sehr darauf.
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