Formel E: Startschuss für die Elektro-Elite
Formel E unter Starkstrom

Die Formel E startet in Brasilien in die neue Saison. Es ist die letzte mit den Gen3-E-Flitzern. Danach kommen 816 PS!
Bild: 2025 Getty Images
- Michael Zeitler
- Bianca Garloff
Wenn die Formel-E-WM am 6. Dezember in São Paulo in die neue Saison startet, wird das wohl eine der spannendsten der Geschichte: „Die Teams kennen die Autos jetzt immer besser. Ich rechne damit, dass das Feld daher zusammenrückt“, sagt Pascal Wehrlein (31). Der Porsche-Star will sich den Titel zurückholen, nachdem ihn Oliver Rowland (33/Nissan) in der Vorsaison entthront hat.
Zehn Teams, 20 Fahrer – und alle großen Namen sind dabei. Lucas di Grassi (41) zum Beispiel, der 148 Rennen gefahren ist und nur bei einem gefehlt hat. Er startet
für das Lola-Yamaha-Abt-Team. Oder Mitch Evans (31/Jaguar) und Sébastien Buemi (37/Envision--Jaguar), die mit 14 Erfolgen siegreichsten Fahrer. Jean-Éric Vergne (35), der bisher einzige Doppelchampion, fährt für den neuen Hersteller Citroën, der den Platz von Maserati übernimmt.
Neben Wehrlein, der mit Nico Müller (33) aus der Schweiz einen neuen Teamkollegen hat, ist noch ein zweiter Deutscher am Start: Maximilian Günther (28). Er hat sieben seiner 100 Formel-E-Rennen gewonnen und hofft in der kommenden Saison auf mehr: „Wichtig ist“, betont er, „dass man sich in der Formel E wohlfühlt. Nur dann kannst du gut performen.“ Ein Vorteil ist dabei, dass Günther im DS-Penske-Team bleibt, nachdem er bereits vier Teamwechsel hinter sich hat.

Das Formel-E-Auto der vierten Generation wirkt wieder mehr wie ein echter Formel-Renner.
Bild: FIA Formula E
So spannend die kommende Saison auch werden mag: Alle Augen sind längst auf die nachfolgende Saison 2026/2027 gerichtet. Dann kommen neue Autos – und die haben es in sich, wie Formel-E-Chef Jeff Dodds das Gen4-Auto bescheiden beschreibt: „Es ist die fortschrittlichste, anspruchsvollste und nachhaltigste Maschine, die wir je gebaut haben.“
Noch nie hat die Formel E einen solchen Leistungsschub vollzogen. Im Qualifying werden künftig
600 kW mobilisiert – das sind etwa 816 PS. Bisher waren die Schritte viel kleiner: Vom Gen1 (2014–2017, 200 kW) auf Gen2 (2018–2022, 250 kW) waren es etwa 70 PS mehr, von Gen2 auf Gen3 (2022–2026, 350 kW) 136 PS mehr. Jetzt kommen noch mal 340 PS drauf. Im Rennen stehen den Autos dann 450 kW (612 PS) zur Verfügung.
Für diese Leistung müssen die Batterien größer werden, haben dann eine Kapazität von 55 kWh statt bisher 38,5 kWh. Dazu kommt eine neue Zellchemie in den Lithium-Ionen-Akkus. Die Autos (aktuell 854 kg) werden mehr als eine Tonne Gewicht auf die Waage bringen. Neu auch: Formel-E-Renner werden Allradler, die Reifen kommen von Bridgestone statt Hankook, die E-Flitzer haben eine neue Aerodynamik, und es gibt mehr Freiheiten für Hersteller im Bereich Traktionskontrolle und Bremsstabilität. Und: Die Chassis sind zu 100 Prozent aus recycelbarem Material und zu 20 Prozent aus Recyclingmaterial gebaut – ein Novum im Motorsport.

Porsche zeigt, wie die Gen4-Autos ab 2026/27 lackiert aussehen könnten.
Bild: Porsche
Das ist genau nach dem Geschmack von Porsche. Der deutsche Premiumhersteller stockt sein Aufgebot auf: 2026/2027 werden vier Werksautos aus Weissach eingesetzt, wobei das zweite Team
als Porsche-Junior-Rennstall fungieren wird. Nicht nur Fahrer wie höchstwahrscheinlich DTM-Meister Ayhancan Güven (27) sollen da ausgebildet werden, sondern auch Ingenieure, Mechaniker, Strategie-Köpfe. „Der konventionelle Motorsport spiegelt sich in jedem Porsche wider. Und das wollen wir auch mit Blick auf den elektrischen Motorsport behaupten können“, begründet Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach.
Es läuft damit in der Gen4-Ära auf einen Zweikampf zwischen Porsche und Stellantis hinaus. Voraussichtlich steigt neben den Stellantismarken Citroën und DS auch noch die deutsche Marke Opel ein. Dazu kommen Jaguar und Nissan sowie Lola/Yamaha. Es ist angerichtet – für die letzte Gen3- und die erste Gen4-Saison.
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