Gebrauchter VW Phaeton W12: Ehemaliger Neupreis von knapp 140.000 Euro
Dieser gebrauchte Phaeton kostet so viel wie ein neuer Dacia Duster

6,0-Liter-W12 mit 450 PS und eine extrem umfangreiche Ausstattung: Neu hat dieser VW Phaeton knapp 140.000 Euro gekostet, jetzt gibt es ihn zum Schnäppchenpreis!
Bild: Toms Youngtimer
Der günstigste Dacia Duster kostet als Neuwagen 16.900 Euro! Dafür gibt es ein praktisches SUV mit einem 100 PS starken Dreizylinder und überschaubarer Ausstattung. Oder Sie legen noch 1000 Euro drauf und erhalten eine Luxuslimousine mit zwölf Zylindern, 450 PS und Extras in Hülle und Fülle. Geht nicht? Geht doch! Allerdings sollte der Kauf eines gebrauchten VW Phaeton wohl überlegt sein!
Als der VW Phaeton 2001 auf den Markt kam, waren die Erwartungen bei VW hoch. Um gegen die Mercedes S-Klasse und den BMW 7er zu bestehen, wurde er bis unters Dach mit Technik vollgestopft. Besonders stolz waren die Wolfsburger auf die Klimaanlage, die zugfrei arbeiten sollte. Doch die Verkaufszahlen blieben von Beginn an deutlich hinter den Erwartungen zurück, sodass der Phaeton in den USA bereits 2006 eingestellt wurde. Der teuerste VW aller Zeiten war ein Flop!
VW hat mit jedem Phaeton Verlust eingefahren
In Deutschland wurde er mit insgesamt vier Modellpflegen noch bis 2016 am Leben erhalten, trotzdem konnte VW weltweit in insgesamt 15 Jahren nicht mal 85.000 Phaeton absetzen. Zu allem Überfluss vermuten Experten, dass VW an jedem Exemplar rund 28.000 Euro Verlust eingefahren hat. Der Phaeton war das Leuchtturm-Projekt von Ferdinand Piëch, wurde von den Kunden jedoch verschmäht.
Sein unbeliebtes Image hat der Phaeton auch als Gebrauchter nicht abgelegt. In den vergangenen Jahren gab es gebrauchte Phaeton zu absoluten Spottpreisen. Sechsstellige Wertverluste waren keine Ausnahme. Zuletzt haben sich die Preise auf dem Gebrauchtwagenmarkt zumindest etwas stabilisiert, was auch daran liegt, dass das Angebot kleiner geworden ist.
Bei den deutschen Kunden ist der Dreiliter-Diesel, der je nach Baujahr zwischen 225 und 245 PS leistet, besonders beliebt. Die großen V8-, V10- und W12-Motoren sind seltener zu finden und stehen oft länger, da die meisten Kunden die hohen Unterhaltskosten scheuen.

Vom mächtigen 6,0-Liter-W12 ist praktisch nichts zu sehen. Anfänglich leistete er 420, ab Mitte 2005 dann 450 PS. Zum Modelljahr 2011 wurde er ganz gestrichen.
Bild: Toms Youngtimer
Doch die laufenden Kosten sind beim Phaeton sowieso hoch und so kann es sich lohnen auch mal etwas zu träumen. Zum Beispiel von einem feinen Zwölfzylinder mit 450 PS. Beim Händler "Toms Youngtimer" in Erfurt wird aktuell ein besonders interessanter VW Phaeton W12 zum Kauf angeboten.
6,0-Liter-W12 mit 450 PS
Die Luxuslimousine wurde erstmals im Juli 2006 zugelassen. Somit sprechen wir hier über die allererste Ausbaustufe des Phaeton – zumindest was die Optik angeht, denn die GP1 (große Produktpflege) wurde erst im Frühjahr 2007 eingeführt. Motorentechnisch haben wie Wolfsburger aber schon vorher nachgelegt, da ständig versucht wurde den Phaeton zu verbessern. So flog der seit Ende 2002 angebotene V10-Diesel zum Modelljahr 2007 aus dem Programm, während das W12-Topmodell bereits Mitte 2005 von 420 auf 450 PS erstarkte.
Bei dem hier gezeigten Phaeton in der Farbe "Reflexsilber Metallic" handelt es sich somit bereits um die 450 PS und 560 Nm starke Version des EA398 genannten Zwölfzylinders. Anders als bei allen anderen Phaeton (Ausnahme der 3.2 V6) kam im W12 keine Sechsgang-, sondern eine Fünfgangautomatik zum Einsatz. Den Sprint auf 100 km/h erledigt die rund 2,3 Tonnen schwere Luxuslimousine in 6,1 Sekunden, was ihn zum schnellsten Phaeton macht.

Schon die kurze Version (hier zu sehen) des VW Phaeton misst 5,06 Meter. Die Langversion bringt es auf 5,18 Meter.
Bild: Toms Youngtimer
In den letzten knapp 17 Jahren wurde der Phaeton 177.000 Kilometer gefahren, was einer überschaubaren Fahrleistung von 10.000 Kilometern pro Jahr entspricht. Positiv hervorzuheben ist, dass sich der silberne VW im absoluten Originalzustand befindet. Nicht ganz so schön: Im Brief stehen bereits fünf Vorbesitzer. Immerhin scheinen sich alle gut um den Phaeton gekümmert zu haben, denn der W12 wurde regelmäßig gewartet.
Das Scheckheft weist neun Services auf, von denen der letzte im September 2022 durchgeführt wurde. TÜV und AU sind noch bis Dezember 2023 gültig und der Händler verspricht, dass der Phaeton einen tadellosen Pflegezustand aufweist und keine größeren Kratzer, Dellen oder gar Rost hat. Zudem sollen alle Komfortfeatures wie Softclose und Keyless funktionieren, was bei einem Phaeton diesen Baujahres die absolute Ausnahme wäre.
Der ehemalige Neupreis lag bei etwa 137.000 Euro
Hinzu kommt, dass der Erstbesitzer nicht nur bei der Motorisierung das große Kreuz gesetzt hat, sondern auch bei den Extras nicht gespart hat. Zu der ohnehin schon üppigen Serienausstattung des W12 bestellte er: High-End Audiosystem (1170 Euro), Alcantara-Paket (2800 Euro), Navi mit TV-Funktion (4230 Euro), ACC (2430 Euro), 18-Zoll-Felgen Aristoteles (260 Euro), PDC vorne und hinten (810 Euro), Schiebedach (1790 Euro), Keyless (1220 Euro), Auto-Telefon (1220 Euro), Softclose (620 Euro), Volllederausstattung "Sensitive Classic Style" in Kristallgrau (4030 Euro), Hutablage in Leder (830 Euro) plus Individual-Ausstattungen wie Alcantara-Dachhimmel und Vmax-Aufhebung ab Werk.

Die Volllederausstattung in der Farbe "Kristallgrau" mit Kedern in anthrazit ist eine Individual-Ausstattung.
Bild: Toms Youngtimer
In Summe standen am Ende rund 137.000 Euro auf der Rechnung, mehr als doppelt so viel wie ein Basis-Phaeton zu der Zeit gekostet hat und das obwohl es sich bei diesem Exemplar nicht um die Langversion handelt und besonders teure Ausstattungen wie das Individual Multimedia-System mit Bildschirmen in den Kopfstützen (7500 Euro) nicht geordert wurden.
Jetzt kostet der Phaeton 17.990 Euro
17 Jahre und 177.000 Kilometer später soll der edle Phaeton mit dem mächtigen W12 noch 17.990 Euro kosten, hat also etwa 120.000 Euro an Wert verloren.
Doch auch wenn dieser Phaeton einen sehr gepflegten Eindruck macht, dürfen sich Interessenten vom günstigen Einstiegspreis nicht blenden lassen. Schon die Unterhaltskosten sind enorm hoch, noch teurer wird es wenn der Phaeton unplanmäßig in die Werkstatt muss. Im AUTO BILD-Gebrauchtwagentest von 2021 heißt es dazu folgendes: "Die komplexe Konstruktion macht geschulte Experten erforderlich: (...) Spezialwerkstätten wie Rapacho in Lüdinghausen (NRW) werden mittlerweile von Phaeton-Fahrern aus halb Europa angefahren: "Wer billig einkauft, investiert danach in der Regel locker 4000 bis 5000 Euro in die Mängelbeseitigung", sagt Rapacho-Geschäftsführer Yusuf Idin. Daher empfiehlt es sich, nach dem besseren und nicht nach dem billigeren Auto zu suchen. Ein lückenloses Scheckheft ist ein wichtiges Kaufargument."
Wer jedoch ein gepflegtes Exemplar mit durchgestempeltem Scheckheft findet und etwas Geld in der Hinterhand hat, erhält mit dem Phaeton eines der komfortabelsten Autos, das in den letzten Jahrzehnten gebaut wurde. Und den größten Wertverlust hat die Luxuslimousine mittlerweile auch hinter sich.
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