Meine Nachbarn haben schon gewählt: Der von gegenüber hat sich für den Ford Mondeo entschieden, der von nebenan für den Opel Vectra, und eine Straße weiter parkt ein VW Passat. Doch nicht alle sind zufrieden mit ihrem persönlichen Spitzenkandidaten. Weil auch Vertreter des konservativen Lagers nicht immer ihr größtes Versprechen halten: Fahren ohne Probleme. Schön wär's ja. Wie im wirklichen Leben steckt hinter mancher schicken Fassade ein Blender. Der Ford beispielsweise neigt schon in jugendlichem Alter zum Rosten, wie beim Taunus oder Granada in den siebziger Jahren. Der Gammel blüht an unlackierten Trägern im Innenraum, an den Türunterkanten, aber auch an tragenden Teilen unter dem Bodenblech. Und zwar so stark, dass der TÜV bisweilen schon bei der zweiten Hauptuntersuchung nach fünf Jahren die Plakette verweigert. Das passiert rein statistisch zwar nur jedem tausendsten Mondeo-Besitzer, ist aber trotzdem nicht tragbar.
Außerdem lässt gern auch die Hinterachse von sich hören – Knackgeräusche sind ein Alarmsignal. An der vorderen Radaufhängung neigen die Spurstangen zu übergroßem Spiel, auch sind die Manschetten der Antriebswellen oft undicht. Die Frage nach dem passenden Motor lässt sich eindeutig beantworten: Finger weg vom Diesel. Die modernen TDCi-Aggregate können noch so kräftig, kultiviert und sparsam sein, wir würden sie nur mit einer soliden Gebrauchtwagen-Garantie kaufen. Denn ihre Defekte gehen meist richtig ins Geld: Zylinderkopf gerissen, Turbolader geplatzt, Einspritzanlage undicht, Luftmassenmesser hinüber – all diese Schäden kommen vor. Außerdem überfordert das hohe TDCi-Drehmoment leicht die Kupplung. Kurz dagegen die Störungsliste der Benziner-Modelle: Kraftstoffpumpe, Anlasser, Elektronik – das war's.

Die Selbstzünder sind eine brenzlige Sache

Der Vectra bleibt ähnlich unauffällig, solange es um die Ottomotoren geht. Ein paar defekte Lichtmaschinen, Anlasser und vereinzelt mal spinnende Luftmassenmesser. Aber die Diesel können auch bei Opel riskante Käufe sein. So neigen die frühen DTI-Modelle zu hohem Ölverbrauch. Vereinzelt reißen die Steuerketten. Die CDTI-Typen (ab 2003, von Fiat zugeliefert) haben vor allem Probleme mit der Motorelektronik, dem Rußfilter und der übrigen Abgasanlage. Wobei der Auspuff an allen Vectra früh rostet. Das Karosserieblech dagegen ist solide: Zink und reichlich Konservierungswachs halten die Korrosion zurück.
Rost ist auch beim Bürgermeister-Kandidaten von VW nicht zu befürchten. Aber sonst ist der Passat oft für böse Überraschungen gut. Wobei seine Basis im Grunde stimmt. Die Karosserie ist steif und solide. Die Motoren und Getriebe sind mechanisch gesund. Aber es klappert mal hier, knarzt mal dort. Beim Variant zerspringen manchmal Heckfenster, weil die Scheibenheizung zu Spannungen führt. Die Dieselmotoren haben 50.000 Kilometer Ölwechselintervall, verschleißen auf dieser Strecke aber mitunter zwei neue Luftmassenmesser. Die Türschlösser enthalten mehrere Mikroschalter, eindringende Feuchtigkeit lässt die Zentralverriegelung versagen und öffnet ungewollt die Fenster. Das aber nur, wenn die Fensterheber auch funktionieren – was bei VW nicht immer der Fall ist.
Typisch Passat Variant: Die Waschdüse des Heckwischers ragt aus der hohlen Welle des Wischermotors. Irgendwann gammelt sie fest, dreht dann mit und spritzt sonstwo hin. Oder der Wischer blockiert. Die Liste nicht eingehaltener Wahlversprechen ließe sich noch fortsetzen. Allein die Vorderachs-Probleme des VW Passat sind ein Thema für sich. Wobei aber auch festzuhalten ist, dass die Kandidaten ab der großen Modellpflege im September 2000 standfester wurden und die Vorderachse ab Baujahr 2002 einigermaßen hält. Zu spät für den Passat-Wähler aus der Nachbarschaft. Aber er ist der Partei treu geblieben, hat einen Touran geordert. Und der Ford-Anhänger hat seinen Mondeo zur Hohlraumversiegelung geschickt. Nur der Opel-Mann ist mit seiner Wahl zufrieden.

Fazit von Hendrik Dieckmann, AUTO BILD-Gebrauchtwagen-Experte

Der Mondeo hat das beste Fahrwerk, der Passat am meisten Platz, aber der beste Kauf heißt Vectra. Weil er nur alle 30.000 Kilometer zur Wartung muss, dabei keine teuren Spezialöle verlangt und als 2,2-Liter-Benziner keinen Zahnriemenwechsel nötig hat. Gegen den Ford spricht der früh blühende Rost. Und beim VW stört die Anfälligkeit vieler mechanischer Bauteile.

Ford Mondeo 2.0: der Fahraktive

Hubraum 1999 cm³ • Leistung 107 kW/145 PS • Höchstgeschwindigkeit 215 km/h • Testverbrauch 9,5 Liter Super/100 Kilometer • CO2-Ausstoß 227 g/km • ab 9000 Euro bei Laufleistungen um 80.000 Kilometer
Der passt für Familien: Der Mondeo ist 4,73 Meter lang und innen entsprechend geräumig.
Der passt für Familien: Der Mondeo ist 4,73 Meter lang und innen entsprechend geräumig.
Modell-Empfehlung Zwei von drei Mondeo-Käufern griffen zum Kombi. Das spricht für ein großes Angebot, aber auch stabile Preise. Doch wer auf guten Wiederverkauf setzt, sollte den höheren Preis bezahlen: Ein Mondeo Turnier lässt sich recht leicht loswerden, anders als die biligeren, aber viel unbeliebteren Schräg- (23,2 Prozent) und Stufenheck-Typen (9,1 Prozent Anteil).
Das Dauertest-Ergebnis $(LB41937:Der Dauertest des Ford Mondeo Turnier 1.8)$ verlief wenig ereignisreich. Bei Halbzeit legte ein defektes Magnetventil die Klimaanlage lahm, und zum Finale verkündete schwankendes Standgas das Ende des Leerlaufregelventils. Macht unterm Strich neun Fehlerpunkte und damit einen der oberen Plätze in der Dauertest-Rangliste. Darin werten wir jedoch nicht den mangelhaften Korrosionsschutz des Ford, der sich erst im höheren Alter auszuwirken beginnt. Der TÜV hat ihn bereits bemerkt: Schon fünfjährige Mondeo fallen wegen Rost auf.
Das AUTO BILD-Urteil Der Fahrdynamiker in dieser Auswahl. Erstklassiges Handling ohne Komfortverzicht. Aber vielfältige Mängel, defektanfällige TDCi-Motoren und längst vergessen geglaubte Rostprobleme. Dafür entschädigt der Ford mit dem niedrigsten Preisniveau.

Opel Vectra 2.2: der Überraschende

Hubraum 2198 cm³ • Leistung 108 kW/147 PS • Höchstgeschwindigkeit 216 km/h • Testverbrauch 9,6 Liter Super/100 Kilometer • CO2-Ausstoß 226 g/km • ab 10.000 Euro bei Laufleistungen um 70.000 Kilometer
Wenig Ärger: Beim Dauertest blieb der Vectra fast fehlerfrei.
Wenig Ärger: Beim Dauertest blieb der Vectra fast fehlerfrei.
Modell-Empfehlung
Der beste Vectra heißt Caravan. Theoretisch. Denn er kam erst Mitte 2003, ist also noch recht teuer. Deshalb empfehlen wir den GTS, das Schrägheckmodell mit der großen Heckklappe – wenig gefragt, aber sehr praktisch. Und unter der vorderen Haube darf der 2,2-Liter-Benziner für souveränes Vorankommen sorgen – fast so kräftig wie moderne Turbodiesel, aber dank Steuerkette wesentlich wartungsfreundlicher.
Das Dauertest-Ergebnis Außer Spesen fast nichts gewesen, so lautete das Motto des Vectra-Dauertests (36/2004). Ein Fehlalarm des ESP, bei Kilometerstand 66.778 eine neue Batterie für den Funkschlüssel. Doch dann, nach 89.233 Kilometern beginnt der Vectra 2.2 an der Vorderachse zu rumpeln. Das Traggelenk des rechten vorderen Querlenkers hat Spiel. Ein Einzelfall, sagt Opel. Wir wollen es ausnahmsweise glauben, denn diese Beanstandung ist uns weder vom TÜV noch von den härtesten Testern – den Lesern – bekannt. Es stimmt also wieder: Opel – der Zuverlässige.
Die AUTO BILD-Bewertung Der Vectra ist nicht perfekt – und doch ein guter Kauf: Sein Fahrwerk wirkt ein wenig hölzern, macht aber beim TÜV keine Zicken. Die Benziner arbeiten sparsam und leise, und das Platzangebot reicht auch für Familien.

VW Passat 2.0 5V: der Unausgereifte

Hubraum 1984 cm³ • Leistung 96 kW/130 PS • Höchstgeschwindigkeit 210 km/h • Testverbrauch 10,3 Liter Super/100 Kilometer • CO2-Ausstoß 246 g/km • ab 10.000 Euro bei Laufleistungen um 80.000 Kilometer
Ein rollendes Versuchslabor? Beim VW Passat versagt oft die Technik.
Ein rollendes Versuchslabor? Beim VW Passat versagt oft die Technik.
Modell-Empfehlung Beim Passat ist der Preisunterschied zwischen Limousine und Variant richtig groß. Wer also keinen Riesen-Laderaum braucht, kann mit dem billigeren Stufenheckmodell glücklich werden – sofern er weiß, dass der Wiederverkauf nicht einfach wird. Ähnlich liegt der Fall bei der Motorenauswahl: Für die TDI werden häufig Phantasie-Preise verlangt – und oft auch bezahlt. Für Durchschnittsfahrer rentabler und außerdem zuverlässiger: der Zweiliter-Benziner.
Das Dauertest-Ergebnis Um mit etwas Positivem zu beginnen: Motor und Automatikgetriebe des Passat Variant 2.3 V5 überstanden den Dauertest (Heft 30/2000) fehlerfrei. Dafür hakte es an vielen anderen Stellen: Die Vorderachse klapperte, die Hupe verstummte, ein Türschloss klemmte, die Funkfernbedienung fiel aus, die Heckscheibe platzte, die Waschdüse des Heckwischer drehte mit, die Alarmanlage schlug grundlos an, der Dachhimmel knarzte, die Fahrertür klapperte und bei Nässe wollte der Passat nicht recht bremsen. Wenigstens die Rostvorsorge bei VW ist perfekt.
Das AUTO BILD-Urteil Viel neue Technik, die oft versagt – war der Passat für VW eine Art rollendes Versuchslabor? Wir raten zum konservativen Kauf: Mit einem Benziner der späten Serie ab 2002 sollte man eigentlich auf lange Sicht seine Ruhe haben.