So ein Cadillac CTS-V zählt mit 649 PS und 855 Nm nicht gerade zu den Leistungsverweigerern. Und Kurven kann er auch, was ihm in Tateinheit mit dem guten Preis-Leistungs-Verhältnis in unseren Vergleichstests schon Siege über so illustre Mitbewerber wie AMG CLS 63 S, Audi RS 7 Performance, BMW M6 GranCoupé Competition und Porsche Panamera Turbo bescherte. Aber a bisserl was geht noch immer, dachte sich der Münchner US-Car-Dealer der ersten Stunde Karl Geiger.

Viel hilft viel ist das Motto des Geiger CT-V

Geiger CTS-V
Monster: Geiger bläst den 6,2 Liter großen V8 des CTS-V mit einem größeren Kompressor auf 753 PS auf.
Das serienmäßige 1,76-Liter-Roots-Gebläse musste einem beinahe doppelt so großen, 2,9 Liter fassenden Kompressor der Marke Whipple weichen. Nach Anpassung von Motorperipherie und Software spuckt der Leistungsprüfstand nun furchterregende 753 PS und 887 Nm aus. Ungewöhnlich dabei: über 100 Extra-PS bei lediglich um 32 Nm gestiegenem Maximaldrehmoment? Ein Blick auf das Diagramm der Leistungsmessung gibt Aufschluss: Während beim Serienmotor das Drehmoment nach Erreichen seines Gipfels bei 3600 Touren wieder abfällt, hält das voluminöse Whipple-Gebläse die Kraft bis zum Drehzahlbegrenzer relativ konstant jenseits der 800 Nm. Diese Leistungscharakteristik kommt der Fahrbarkeit zugute, denn noch mehr Kraft im unteren Drehzahlbereich würde die Traktion der Hinterreifen wohl endgültig überfordern – wenngleich Geiger auf klebrige Michelin Cup 2 umgerüstet hat. Im oberen Drehzahlbereich ist ein Plus an Kraft hingegen immer willkommen.

Im Sprint kann das Serienauto durchaus folgen

Geiger CTS-V
Zügig: In 3,7 Sekunden stürmt der Geiger-Cadillac auf Tempo 100, schafft maximal 338 km/h.
Lässt sich dieser Höllenhund zähmen? Nun, solange man ihn nicht ärgert, trottet er friedlich brabbelnd vor sich hin. Nur der schon beim sanften Tritt aufs Gas aufheulende Riesen-Kompressor gibt einem zu verstehen: Vorsicht, Bürschchen. Der Motor ist warm, wir lassen den Zerberus von der Kette: Die Achtstufen-Automatik überspringt mehrere Gänge nach unten, der Kompressor kreischt, der Recarositz, eben noch so wunderbar bequem, haut unbarmherzig ins Kreuz. 300 km/h sind flugs erreicht, ohne dass die Wucht großartig nachgelassen hätte. Ein Abgleich der Messwerte zeigt jedoch: Der Vorsprung des Geiger auf das offenbar sehr pralle Serienauto ist nicht so groß, wie er sich anfühlt. Auf 100 km/h sind's zwei, bis 200 km/h sechs Zehntel. Im Durchzug verliert der Geiger sogar ein paar Zehntel auf die Serie, deren kleinerer Kompressor schneller Ladedruck aufbaut.14.900 Euro Umbaukosten also für die Katz? Wir glauben, dass der Geiger bis 300 km/h einen deutlichen Vorsprung auf die Serie herausfahren kann. Das hätten wir seriös allerdings nur auf dem Dekra-Gelände am Lausitzring ermitteln können – und dieser enorme Aufwand bleibt unserem Supertest vorbehalten.

Fazit

Es ist schwierig, ein ab Werk bereits sehr schnelles Auto nochmals signifikant schneller zu machen. Die Geiger-Leistungssteigerung per größeren Kompressor ist spür- und messbar, fällt gegenüber dem sehr gut im Futter stehenden Serienauto allerdings nicht so dramatisch aus, wie sich der riesige Lader anhört. Seine Mehrleistung spielt der Geiger-Caddy so richtig erst bei höherem Tempo aus.