Mit Steuererklärungen kennt sich Florian Adamek aus. "Das sind die üblichen Tasten für Tempomat, Lautstärke und Sprachbedienung", sagt der 33-jährige ehemalige Finanzbeamte und zeigt aufs Lenkrad des G70.
Rund zwei Wochen vorher habe ich auf der Internetseite der Hyundai-Tochter Genesis als normaler Kunde eine Probefahrt gebucht. Um 13.26 Uhr ging die Anfrage raus, um 13.42 Uhr hatte ich eine freundliche Mail von Florian Adamek im Posteingang. Er schicke gleich mal die Preisliste meines Wunschfahrzeugs mit. Und ich könne jederzeit anrufen, um eine Probefahrt zu vereinbaren. Das mache ich. Dienstag, 25. Januar. Pünktlich um 8.30 Uhr klingelt Adamek an meiner Haustür. (Genesis kommt nach Deutschland)

"Personal Assistants" bringen das Auto zum Kunden

Seit Mitte 2021 ist Genesis in Deutschland, hat hier aktuell einen einzigen Showroom, eine ehemalige Modeboutique in der Münchener Innenstadt. Im Rest der Republik gibt es "Personal Assistants" wie Adamek, die das gewünschte Modell für eine kostenlose Spritztour zum Kunden bringen. "Wir haben dann ein, zwei Stunden Zeit. Und zur Not auch drei", hatte Adamek am Telefon gesagt.
Genesis G70
Die Lackierung in Havana Red kostet 820 Euro Aufpreis, das Flügel-Logo erinnert an Bentley oder Aston Martin.

Die Probefahrt-Vereinbarung (1000 Euro Selbstbeteiligung) unterschreibe ich auf dem Kofferraumdeckel. Dann will Adamek meinen Führerschein und den Impfnachweis sehen. "Wie hätten Sie es denn gern? Soll ich Ihnen erst mal was über das Auto erzählen? Oder wollen Sie gleich los?" Ich will los. Adamek setzt sich auf den Beifahrersitz, ich gebe Gas – und sage, dass der Diesel ja ganz schön dröhne. Ja, sagt Adamek, besonders leise sei der nicht. "Wissen Sie, warum soll ich Ihnen was anderes erzählen? Sie hören das ja." Der Mann ist ehrlich, auch im Verlauf der weiteren Fahrt. Klar gebe es Mitbewerber, die vielleicht ein besseres Fahrwerk hätten oder sportlicher führen. Aber bei der Verarbeitung und beim Service müsse sich Genesis nicht verstecken.

Stinger Basis des G70

Ich frage Adamek, wie er zu dem Job gekommen ist. Sein Werdegang ist für einen Autoverkäufer eher ungewöhnlich: "Ich war erst Filialleiter von Bang & Olufsen in Hamburg. Dann Finanzbeamter in Buchholz in der Nordheide." Aber irgendwann habe ihn das Fieber gepackt. Er schmiss den sicheren Beamtenjob hin – und bewarb sich bei Genesis. "Privat fahre ich Kia Stinger. In Schwarz mit schwarzen Felgen." Nach einer Leistungssteigerung komme der auf knapp 500 PS. Adamek zückt sein Handy, zeigt mir an einer roten Ampel seinen Flitzer. "Der Stinger ist übrigens auch die Basis des G70."
Genesis G70
Basis des G70 ist der Kia Stinger.

Seit Sommer 2021 ist Adamek dabei. "Viel technisches Wissen habe ich mir im Selbststudium beigebracht." Und was den Kundenservice angehe – da sei er selbst gebranntes Kind. Zu oft sei er in klassischen Autohäusern unfreundlich bedient worden. "Von oben herab, das geht ja gar nicht." Sein persönliches Waterloo diesbezüglich sei gewesen, als er noch bei B&O Unterhaltungselektronik verkauft habe. "Da kam eines Tages ein älterer Herr, sehr unscheinbar, und sagte, er wolle den Fernseher für 60.000 Euro kaufen. Den habe ich erst nicht für voll genommen. Das war ein Fehler. Er hat ihn gleich bezahlt. Das war mir eine Lehre."
Als Filialleiter der Hi-Fi-Schmiede habe er einen VW Phaeton gefahren, "ein tolles Auto". Sonntags wasche er stets seinen Kia, immer Handwäsche.
Und wie ist es so bei Genesis? Die Nachfrage sei riesig, sagt Adamek. Aktuell müssten interessierte Kunden teils mehrere Wochen warten, bis er vorbeischauen könne. Sein Bereich: die Postleitzahlengebiete 18, 19 und 2. "Von Mecklenburg-Vorpommern bis Ostfriesland." Für den Kunden ist der Service kostenlos. Aber am Ende wird doch bestimmt Druck aufgebaut, oder?

Beim Genesis fünf Jahre Inspektionen inklusive

Wir sind wieder bei mir zu Hause. Ich frage, wie es denn nun weitergehe. Adamek sagt: "Ich bin nicht so der aufdringliche Verkäufer. Ich freue mich, wenn’s Ihnen gefallen hat. Und wenn Sie mir irgendwann mal eine Rückmeldung geben, auch wenn es ein anderes Auto geworden ist, wäre das nett." Sollte ich mich für den Genesis entscheiden, würde er sich um alles kümmern und auch bei der Auslieferung dabei sein. Ebenso sei er mein Ansprechpartner für den Service. Fünf Jahre lang sind alle Inspektionen und Garantiearbeiten inklusive. Immer mit Hol- und Bringservice.
Genesis G70
Edle Visitenkarte mit Kupferrand und Name auf Deutsch und Koreanisch.

"Muss ich mit Ihnen auch über den Rabatt sprechen?", frage ich. "Ja, aber es gibt keinen – wir haben Festpreise", sagt Adamek. "Waren kurze Verhandlungen, oder?"
Zwei, manchmal drei Probefahrten pro Tag schaffe er. Für die nächste müsse er nun erst mal zurück zum Technikstützpunkt nach Hamburg – und das Auto tauschen. Denn der nächste Interessent will einen SUV fahren.
Am Ende gebe ich mich als Reporter zu erkennen. Er ist überrascht. Und ein wenig stolz, dass es ihn "erwischt" hat. Denn AUTO BILD lese er schon seit Jahren.