Vorstellung und Preis: Genesis GV60 startet bei gut 56.000 Euro

Genesis ist die Nobelmarke im Hyundai-Konzern. Und nobel hat ja immer was mit Exklusivität zu tun, daher hier zwei Fakten über Genesis: Die 2015 gegründete Marke hat in Deutschland erstens nur einen Showroom (in München) und zweitens kein Händlernetz, sondern persönliche Assistenten. Die bringen den Vorführwagen zur ersten Testfahrt vorbei und holen das Auto nach dem Kauf regelmäßig zur Inspektion oder Reparatur ab und bringen es wieder zurück. Echt edel! Und jetzt gibt's was Neues von Genesis: Der erste Elektrowagen heißt GV60. AUTO BILD saß schon drin!

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Wir kennen Hyundai Ioniq 5 und Kia EV6, beide E-Autos sind bereits auf unseren Straßen unterwegs. Der Genesis GV60 teilt sich mit ihnen die Elektro-Plattform namens E-GMP (Electric-Global Modular Platform). Klar, das spart Kosten, wenn man eine Technik für drei Marken erfindet. Mit 4,52 Meter Länge spielt der GV60 in der Kompakt-SUV-Liga – und er zielt mit seiner coupéartigen Linie auf den 4,60 Meter langen VW ID.5 ab.
Genesis GV60
Spannendes Detail: Das pfeilförmige Element scheint die Heckscheibe mit den Seitenfenstern zu verbinden.
Im Juni 2022 soll der GV60 starten – also im Münchner Showroom stehen und über die persönlichen Assistenten zur Probefahrt bereitstehen. Preislich geht die Reise bei 56.370 Euro für den "Sport" los, für den größeren "Sport Plus" werden mindestens 71.010 Euro fällig.

Optik und Abmessungen: Der Genesis GV60 ist kürzer und edler als seine Geschwister

Abfallende Dachlinie, Design-Anleihen am Mercedes GLC-Coupé – der Genesis GV60 ist so ganz anders als seine Geschwister! Er ist nämlich kürzer, dafür edler. Zuerst zur Länge: Der Hyundai misst ist mit 4,64 Metern zwölf Zentimeter länger, der Kia (4,70 m) geht sogar mit 18 Zentimetern in die Verlängerung.

Die Maße des Genesis GV60 im Detail:

• Länge: 4515 mm
• Breite: 1890 mm
• Höhe: 1580 mm
• Radstand: 2900 mm
• Kofferraumvolumen: 432 Liter
Das Auto wirkt von vorn wie aus einem Guss, und das liegt an der Einheit aus Motorhaube und Kotflügeln. Die Genesis-Designer um Luc Donckerwolke (ehemals Lamborghini und Bentley) haben dem GV60 die "Clamshell-Haube" verpasst, bei der Motorhaube und Kotflügel aus einem einzigen massiven Blechstück geformt sind. Überhaupt wirkt der Genesis kraftvoll, steht bullig da, auch von hinten betrachtet, mit seinem markanten Flügelspoiler.
Genesis GV60
Die Farbwahl im Cockpit erinnert stark an die Präsentationsfarben des aktuellen BMW M4 Competition.
Nur an die Kamera-Rückspiegel können wir uns irgendwie nicht gewöhnen. Ja, sieht futuristisch aus, nur so mit Linse im spitzen Gehäuse und ganz ohne große Spiegel an den Seiten. Aber dass ständig aus dem Augenwinkel der Verkehr über einen Monitor auf den Türinnenseiten an uns vorbeifließt, nee, daran konnten wir uns schon beim Audi e-tron nicht gewöhnen.

Gesichtserkennung kommt nicht nach Deutschland

Zum Glück ist dieses Feature Option, es wird auch echte Spiegel geben. Ach ja, wir müssen noch über die B-Säulen sprechen. Eigentlich sollte hier eine Kamera mit Gesichtserkennung eingebaut sein, Genesis nennt es "Face Connect". In unserem Fotowagen gibt es das nicht. Anders als moderne Smartphones wird der Genesis GV60 in Deutschland keine Gesichtserkennung haben – obwohl die Technik verfügbar ist.
"Datenschutz-Gründe", sagen sie bei Genesis, in anderen Ländern öffnet der Wagen, wenn er das Gesicht des Besitzers und einer weiteren vorher definierten Person sieht, stellt sein Radioprogramm und das Head-up-Display ein, fährt Sitz und Lenkrad in Wunschposition und startet. Bei uns nicht.

Innenraum und Sitzprobe: Riesige Beinfreiheit im Fond des Kompakt-SUVs

Beginnen wir ganz hinten: Der Kofferraum schluckt 432 Liter und somit 110 Liter weniger als der Kia EV6 – irgendwie müssen sich 18 Zentimeter Längenunterschied ja bemerkbar machen. Und leider haben sie bei Genesis, allen Nobelgedanken zum Trotz, an die beiden Seitenteile Hartplastik geclipst und keinen Teppich eingebaut. Schade, denn an die ersten Besuche in Getränke- oder Baumarkt werden Kratzer an den Seiten erinnern, wetten?
Bei der Sitzprobe hinten fällt zweierlei auf: erstens die riesige Beinfreiheit. 2,90 Meter Radstand sind exakt so viel wie beim Kia EV6, der Hyundai Ioniq 5 hat sogar mächtige drei Meter. Die hinteren Passagiere können also die Beine über Kreuz schlagen, sollten aber nicht größer als 1,90 Meter sein! Unser Fotowagen hat ein Panoramadach, das tiefer in den Fahrgastraum reicht, so hatten wir bereits mit 1,80 Metern Löckchen-Kontakt zum Himmel, Sitzriesen werden wegen der abfallenden Dachlinie im Vollkontakt zur Karosse stehen.
Genesis GV60
Die Dachlinie fällt sehr stark ab, der Kofferraum (Rückbank oben) fasst 432 Liter.
Aber wir müssen auch mal ein Lob aussprechen: So egal, wie den Koreanern der Kofferraum ist, so wichtig ist ihnen der Innenraum. Nix Hartplastik auf den billigen Plätzen, in die Türverkleidung haben sie soften Kunststoff und Alcantara-Oberflächen eingebaut, das wirkt alles sehr edel. Sitze, Armlehnen an den Türen und die Konsole sind aus pflanzenbasiertem Leder hergestellt, Sitzbezüge und Türverkleidungen aus recycelten PET-Flaschen und Fischernetzen. Echtes Leder? Nix da, für dieses Auto muss kein Tier sterben!

Zentraldisplay und Kombiinstrument werden Eins

Weiter geht's nach vorn. Die schwebende Mittelkonsole kennen wir aus dem Kia EV6, aber nicht diesen Gangwahlsteller. Bei eingeschalteter Zündung, wenn der Wagen also startklar ist, dann können wir am Rädchen drehen, "R" für Rückwärts, "N" für Neutral oder "D" für Drive. Schalten wir die Zündung aus, dreht sich das "Chrystal Sphere" genannte Teil einmal nach unten und wir blicken auf eine Kristallkugel. Captain Future hätte das nicht besser erfinden können, echt spooky! Ganz vertraut dagegen der, na, sollen wir iDrive-Controller sagen?

Bildergalerie

Genesis GV60
Genesis GV60
Genesis GV60
Kamera
Bildergalerie: Genesis GV60 (2022)
Genesis baut für eine redundante Bedienung seiner Multimedia-Konsole einen Dreh-/Drücksteller wie bei BMW ein, es kann aber auch mit dem Navi gesprochen oder auf dem Screen getoucht werden. Der Monitor, noch so ein GV60-Sahneteil. Erstmals bauen die Koreaner Breitband-TV ein: Das Teil vereint Kombiinstrument und Multimedia zu einem Panoramadisplay, auf Wunsch kann die Navi-Karte über die gesamte Breite angezeigt werden.

Antrieb und Reichweite: Allradler mit 435 PS und 40 kW extra dank Boost-Modus

Bei Hyundai und Kia gibt es auch die kleine 58-kWh-Batterie, um den Basispreis klein zu halten. Bei Genesis nicht. Der einzig verbaute Akku ist 77,4 kWh groß, zum Marktstart wird es zwei Antriebe geben – beide kommen mit zwei Elektromotoren und Allradantrieb.
Den Einstieg macht der GV60 Sport, hier leisten seine zwei E-Maschinen zusammen 234 kW (318 PS), mit 605 Nm maximalem Drehmoment ist der Sprint auf Landstraßentempo nach 5,5 Sekunden erledigt. Schont man das Gaspedal etwas, sollen bis zu 470 Kilometer nach WLTP drin sein.
Genesis GV60
Fürstliches Platzangebot im Fond: Beine über Kreuz geht locker klar, das Glasdach raubt etwas Kopffreiheit.

Wem die Leistung des Sport nicht ausreicht, der kann dann zum größeren "Sport Plus"-Modell greifen. Seine zwei Motoren leisten insgesamt 320 kW (435 PS), über einen Boost-Modus werden noch einmal weitere 40 kW freigegeben. Dann leistet der Koreaner bis zu 360 kW (490 PS), das aber nur über zehn Sekunden. Mit bis zu 700 Nm ist die 100er-Marke nach nur vier Sekunden erreicht.

Technische Daten im Überblick:

GV60 Sport
GV60 Sport Plus
Abzweigung
Motor
Abzweigung
Abzweigung
Batteriekapazität
Abzweigung
Abzweigung
Antrieb
Abzweigung
Abzweigung
Leistung
Abzweigung
Abzweigung
Max. Drehmoment
Abzweigung
Abzweigung
0-100 km/h
Abzweigung
Abzweigung
Höchstgeschwindigkeit
Abzweigung
Abzweigung
Stromverbrauch kombiniert nach WLTP
Abzweigung
Abzweigung
Max. Reichweite nach WLTP
Abzweigung
Dual-Elektromotor
77,4 kWh
Allradantrieb
234 kW (318 PS)
605 Nm
5,5 s
200 km/h
18,8 kWh/100 km*
470 km*
Dual-Elektromotor
77,4 kWh
Allradantrieb
360 kW (490 PS)**
700 Nm
4,0 s**
235 km/h
19,1 kWh/100 km*
466 km*

Beide Varianten haben die 800-Volt-Ladetechnik, die es sonst nur in viel teureren Fahrzeugen wie etwa dem Porsche Taycan oder dem Audi e-tron GT gibt. Bedeutet: An der Schnellladesäule saugt der GV60 Strom mit etwa 230 kW Ladegeschwindigkeit, kann seinen Akku von 10 auf 80 Prozent in 18 Minuten laden. Übrigens auch bei Kälte: Wenn der Genesis auf den Markt kommt, wird er bereits das Lade-Update draufhaben, das Ioniq 5 und EV6 demnächst "over the air" bekommen. An der heimischen Wallbox lädt der Wagen mit 11 kW in etwas mehr als sieben Stunden von 10 auf 100 Prozent.

Von

Sebastian Friemel