Autos zeigen sich beim Fahren – und je schärfer der Wagen, desto stärker der Eindruck bei artgerechter Fortbewegung. Wo also könnte sich ein Sportwagen wie der neue Hyundai Ioniq 6 N besser beweisen als beim Hill Climb in Goodwood auf dem Festival of Speed?
Es ist die wildeste Ausführung des Ioniq 6 N, der mit 650 PS zur Bergfahrt antritt – dem sensationellen Rennen gegen die Zeit über die hauseigene Rennstrecke von Goodwood. Unter Rennbedingungen, denn hier geht es nicht um Show – es geht um die Zeit. Hier ist der wilde 6 N in seinem Element, hier kann Fahrer Chris dank N Launch Control das Drehmoment von 770 Nm über alle vier Räder auf die Straße loslassen. Und so fühlt sich das an.
Hyundai 6 N beim Hill Climb in Goodwood 2025
Der Hyundai 6 N beim Hill Climb auf dem Goodwood Festival of Speed. Es ist das Event, auf dem das Auto seine Weltpremiere feierte.
Bild: John E. Fry

"Taxifahrt" auf Tempo

Das Drumherum ist beeindruckend wie aufregend: Selbst als Beifahrer – im Rennjargon wird die Mitfahrt lapidar "Taxifahrt" genannt – musst du dich registrieren und das richtige Armband mit der Aufschrift "Hill Climb Passagier" tragen. Ob ich das richtige Armband trage, checken die "Marshals" – so heißen die Streckenposten – vor dem Start dreimal mit prüfendem Blick. Für das Rennen gilt: Helmpflicht im Auto – klar. Genügend Zeit, das Auto und meinen Fahrer – den Mann mit der Rennlizenz – kennenzulernen. Wir sitzen eine halbe Stunde im Auto, bevor wir an unzähligen Schaulustigen vorbei zum Start rollen.
Hyundai 6 N vor dem Hill Climb in Goodwood 2025
Im Cockpit des Hyundai 6 N kurz vor dem Hill Climb beim Festival of Speed: Hyundai-Werksfahrer Chris (l.) mit AUTO BILD-Redakteur Matthias Brügge.
Bild: Hyundai
Bevor es losgeht, ein kurzer Blick auf die Strecke: Natürlich übertreibt der Begriff "Bergfahrt" etwas, denn es werden insgesamt nur 93 Höhenmeter überwunden. Und kurz ist die Strecke auch: Nach 1,86 Kilometern ist alles vorbei. Doch die enge Strecke fordert den Fahrer: An der schmalsten Stelle ist der Asphalt gerade mal 2,50 Meter breit. Und windet sich in neun Kurven über das Goodwood Estate.

Der Hill Climb war der wildeste Ritt meines Lebens!

Streckenrekord bei 39,08 Sekunden

Vertrauen erwecken die Strohballen am Streckenrand – mindestens ein, wo Platz ist, zwei Meter breit. Aber zu den Rennzeiten: Der Streckenrekord liegt bei 39,08 Sekunden, aufgestellt 2022 im McMurtry Spéirling Electric Fan Car. "Fan" lässt sich mit Ventilator übersetzen – das Auto konnte sich mit Unterdruck an den Boden festsaugen, ein Garant für schnelle Zeiten. Lange hielt Formel-1-Fahrer Nick Heidfeld den Rekord: 41,6 Sekunden, erzielt 1999 im McLaren-Mercedes MP4/13.
Merken wir uns die Zeit. Warum? So wahnsinnig viel langsamer dürfte der Hyundai 6 N nicht sein – immerhin ein Auto mit Straßenzulassung, geeignet für die Fahrt zur Arbeit, aber bis zu 257 Sachen schnell. Null auf hundert in 3,2 Sekunden!

Bei Grün geht's los

Und so stehen wir am Start zum Zwei-Kilometer-Ritt: Wir haben Grün – Chris entfesselt das Auto mit der N Launch Control. Ich werde massiv in den Sitz gepresst, während ein breites Grinsen mein Gesicht überfällt. Ungewohntes Motorengeräusch dröhnt durchs Elektroauto – es ist das Soundsystem des Ioniq, das eine virtuelle Schaltung akustisch simuliert. Und wie laut es ist! (Man kann es abstellen).
Dann geht es rasend schnell: maximale Beschleunigung ab dem Start! Unter der ersten Zuschauerbrücke hindurch, dann leicht verzögert in die lang gestreckte Rechtskurve über das Festivalgelände. Vorbei an den Zuschauertribünen rechts und links der Strecke, leicht nach rechts auf das erste längere, kaum gebogene Teilstück! Hier erreicht das Auto Tempo 167 – auf einer Straße, die an der schmalsten Stelle nur 2,50 Meter breit ist.

Den Hill hinauf mit Tempo 176

Scharf gebremst in die 45-Grad-Linkskurve, Chris beschleunigt wieder voll: Wir erreichen den Topspeed von 176 km/h! Erneut heftiges Bremsen, dann leicht links, sofort wieder rechts den Hill hinauf und nach der neunten leichten Kurve rollen wir bereits aus – am Ende des Goodwood Hills. Puh. Einmal durchatmen.
Etwas über 54 Sekunden zeigt die Stoppuhr. Es sind die kürzesten 54 Sekunden meines Lebens. Dickes Grinsen auf meiner Seite. "Ich hoffe, es hat Spaß gebracht?", fragt Chris. Ja, hat es! Kaufen kann man das Auto noch nicht. Würde ich eines wollen? Aber ja.
Es war eine Fahrt von nur 54 Sekunden, doch die haben sich mir fürs Leben eingeprägt. Sportlicher Hill Climb, gefahren am Limit, mehr geht nicht.