Der sogenannte Tankrabatt sollte die Autofahrer angesichts der durch den Irankrieg stark gestiegenen Kraftstoffpreise entlasten. Dafür senkte die Bundesregierung Anfang Mai 2026 die Energiesteuer auf Benzin und Diesel für zunächst zwei Monate. Die Maßnahme kostet den Bund nach Angaben des Finanzministeriums rund 1,6 Milliarden Euro, was Steuermindereinnahmen von etwa 800 Millionen Euro pro Monat entspricht.
Nach einer aktuellen Analyse von Greenpeace erzielten große Mineralölkonzerne bereits im ersten Monat der Maßnahme zusätzliche Gewinne in nahezu vergleichbarer Größenordnung. Auf Basis der Auswertung wurden für Mai 2026 sogenannte Übergewinne von rund 702 Millionen Euro ermittelt. Dieser Begriff bezeichnet Gewinne, die nicht aus operativer Effizienzsteigerung resultieren, sondern durch außergewöhnliche Marktbedingungen entstehen – etwa durch Angebotsverknappung oder geopolitische Einflüsse.

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Durchschnittspreise in den 100 größten Städten Deutschlands. Diese Daten sind ohne Gewähr.

AKTUELLE PREISE

Wurde der Tankrabatt weitergegeben?

Schon Anfang Mai hatten von BILD beauftragte Experten Hinweise auf mögliche Margenausweitungen im Kraftstoffmarkt geliefert. Verschiedene Marktbeobachter hatten gemutmaßt, die Mineralölkonzerne würden den Tankrabatt nicht zur Gänze an die Autofahrer weiterreichen. Das stellten der ADAC und das Münchner Ifo-Institut übereinstimmend fest.
Bei einigen JET-Tankstellen wird der Ladestrompreis an der Preistafel angezeigt
Der Tankrabatt hat die hohen Spritpreise gedämpft – doch nach Greenpeace-Berechnung auch 702 Millionen Euro Mehrgewinn in die Kassen der Ölkonzerne gespült.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Der ADAC errechnete schon damals eine Differenz der aktuellen Spritpreise zum Preisniveau vor dem 1. Mai 2026. Ergebnis: Die Verkaufspreise lagen rund 11 Cent niedriger – anstelle der möglichen 17 Cent nach der Senkung der Energiesteuer zum 1. Mai. Die ausbleibende Absenkung ließe sich auch durch die jüngste Entwicklung am Rohölmarkt nicht erklären.
In der politischen Diskussion wurde daraufhin zeitweise die Abschöpfung dieser Übergewinne durch fiskalische Maßnahmen erwogen. Eine solche Intervention hatte unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kategorisch abgelehnt.

Übergewinn in drei Monaten: 2,4 Milliarden Euro

Die Greenpeace-Analyse weist darauf hin, dass der Mehrgewinn auch im Mai weiterhin deutlich oberhalb des Vorkriegsniveaus lag. Demnach erreichten die zusätzlichen Gewinne im März etwa 809 Millionen Euro und im April rund 901 Millionen Euro. Für den Dreimonatszeitraum ergibt sich daraus ein kumulierter Zusatzgewinn an Tankstellen von etwa 2,4 Milliarden Euro.
Methodisch basiert die Auswertung auf der Entwicklung der Bruttomargen im Tankstellengeschäft, definiert als Differenz zwischen Beschaffungs- und Verkaufspreisen von Benzin und Diesel. Für die Verbrauchsabschätzung im Mai 2026 griff Greenpeace auf die zuletzt verfügbaren Eurostat-Daten aus Mai 2024 zurück und extrapolierte sie auf das aktuelle Jahr. Den Effekt des Tankrabatts rechneten die Analysten heraus.

Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse kritisieren die Umweltschützer die Steuerpolitik der Bundesregierung als ineffizient und zielungenau. Sie werfen der Bundesregierung eine "kopflose Steuerpolitik" vor, bei der Steuermilliarden "mit der Gießkanne" verteilt würden.
Nach jetzigem Stand läuft der Tankrabatt im Juni aus. Wird er verlängert, wie Verbraucherschützer und Verbände fordern? Ende Mai erteilte Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) den Erwartungen eine klare Absage.

Kommentar

Die Mineralölkonzerne profitieren vom Tankrabatt? Die Berechnung von Greenpeace erhebt einen bösen Vorwurf. Aber eines kann man den Mineralölkonzernen zugutehalten: Wegen der neuen 12-Uhr-Regel zum Anheben der Spritpreise gehen sie beim Spritpreis auf Nummer sicher. Das könnte einen Teil des Gewinns ebenfalls erklären.