Die Beweisfotos sind eindeutig: Eine Autofahrerin hat ihr Smartphone in der rechten Hand am Lenkrad und liest etwas darauf. Ein Mann telefoniert mit dem Handy am Steuer, ein anderer tippt offensichtlich darauf herum.

Handyhalterungen im Test

Handyhalterungen im Test

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
1.
Testsieger
Cocda Universal Mount
gut
2.
Beikell Car Phone Holder
gut
3.
Baseus Osculum Type Gravity Car Mount
gut
4.
UNBREAKcable Car Mount Holder
gut
5.
Eono Magnetic Car Vent Mount
befriedigend
6.
Lamicall Car Holder
befriedigend
7.
Eono Dashboard Car Phone Mount
befriedigend
8.
Tsumbay Smartphone Holder
befriedigend
9.
Urgreen Phone Mount for Dashboard
befriedigend
10.
Floveme Car Phone Mount
ausreichend
11.
Urgreen Gravity Phone Holder
ausreichend

Erwischt wurden die drei Unbelehrbaren im Juni 2022 von einem neuen Handy-Blitzer. Monocam heißt das System, das aus den Niederlanden stammt und in Rheinland-Pfalz in einem bundesweit einmaligen Pilotprojekt sechs Monate lang getestet wird. Aktuell hat es die Polizei Trier im Einsatz, später ist die Polizei Mainz an der Reihe.

Wo steht die Monocam-Kamera?

Die neue Kamera wird auf einer Brücke platziert, von dort aus überwacht sie den Verkehrsfluss in Echtzeit. Sie achtet mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) auf Objekte in der Hand sowie eine entsprechende Haltung der Person – und löst automatisch aus, wenn sie einen Fahrer mit einem Handy in der Hand erkennt.
MONOcam gegen Handysünder im Testeinsatz
Die Monocam-Kamera wird auf Brücken eingesetzt, da sie eine erhöhte Position braucht.

Anschließend werden die Bilder von geschulten Polizisten am Computer ausgewertet. Nur wenn das gefertigte Bild deutlich einen Verstoß erkennen lässt, erfolgen Speicherung und Ahndung.
MONOcam gegen Handysünder im Testeinsatz
Nach Auslösen der Kamera prüft ein erfahrener Polizist, ob sich der Verdacht einer Handynutzung am Steuer erhärten lässt.

Flächendeckender Einsatz ab 2023 geplant

Ab 2023 solle es einen flächendeckenden Dauerbetrieb in Rheinland-Pfalz geben, sagt Polizeirat Matthias Emmerich von der Polizei Trier. Zehn Geräte seien dazu notwendig. Mit der neuen Technik habe man erstmals eine automatisierte Möglichkeit, Handysünder zu erfassen. Und zwar so, dass das Material vor Gericht Bestand habe: "Jetzt haben wir objektive Beweismittel." Das Interesse anderer Landespolizeien an den Ergebnissen des Projekts sei übrigens sehr groß, so Emmerich.
Hinweisschild zur Feststellung von Handyverstößen am Steuer
Die Kontrolle auf der A602 bei Kenn (Kreis Trier-Saarburg) wird sogar mit einem Hinweisschild angekündigt.

Handy-Blitzer in Australien und den Niederlanden

Während für die Polizei in Deutschland bei der Jagd nach Handysündern derzeit noch Fleiß, Kreativität und ein hoher Personalaufwand nötig sind, ist man andernorts schon viel weiter: Im australischen Bundesstaat New South Wales (NSW) war bereits vor drei Jahren ein bis dato weltweit einzigartiges stationäres Blitzersystem für die Jagd auf Verkehrsteilnehmer mit Smartphone im Einsatz.

Kamera blickt von oben ins Cockpit

Das Hightech-Gerät nutzt zwei Kameras. Eine erfasst von vorne das Kennzeichen, die zweite blickt von oben durch die Windschutzscheibe ins Cockpit. Ausgewertet wird das Material ebenfalls mit künstlicher Intelligenz: Erkennt der Algorithmus ein Vergehen, prüft ein Behördenmitarbeiter die Fotos und verschickt gegebenenfalls einen Strafzettel. Und der könnte happig ausfallen: In Down Under drohen 344 australische Dollar (211 Euro) Strafe, in der Nähe von Schulen sogar 457 Dollar (280 Euro). Zudem gibt es im Strafpunkte. 

Langer Blindflug schon bei niedrigem Tempo

Umfragen zeigen, dass die Einsicht in Sachen "Handy am Steuer" gerade unter jungen Leuten zunehmend sinkt (lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema). Eine gefährliche Ignoranz: Denn wer bei Tempo 50 fünf Sekunden lang auf sein Handy schaut, ist fast 70 Meter weit im Blindflug unterwegs.

Welche Strafe droht Handysündern?

Als Strafe bei Handynutzung am Steuer drohen 100 Euro und ein Punkt in Flensburg. Bei Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer sind es 150 Euro, bei Sachbeschädigung sogar 200 Euro sowie jeweils zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot.

Handy bei eingeschaltetem Motor verboten

Was viele nicht wissen: Bei eingeschaltetem Motor ist der Griff zum Smartphone sogar in einem stehenden Auto am Straßenrand verboten. "Während des laufenden oder nur mit Start-Stopp-Automatik ausgeschalteten Motors dürfen Fahrzeugführer sämtliche elektronischen Geräte nicht in der Hand halten oder im Fahrzeug verbaute Geräte so lange betrachten oder bedienen, dass es zu längerer Blickzuwendung zum Gerät kommt", weiß Verkehrsrechtsanwalt Uwe Lenhart aus Frankfurt am Main.
Handy am Steuer
Das Tippen auf dem Handy während der Fahrt ist gefährlich, fehlende Konzentration kann Menschenleben kosten.

Tipps vom Verkehrsrechtsanwalt

Lenhart rät Autofahrern grundsätzlich bei einer Verkehrskontrolle: "Bewahren Sie Ruhe und bleiben Sie freundlich. Das verkürzt die Prozedur zumeist. Reden Sie so wenig wie möglich und nur so viel wie nötig. Sofern Ihnen ein konkreter Vorwurf gemacht wird, äußern Sie sich nicht zur Sache; oft redet man sich um Kopf und Kragen." Rechtfertige man einen Tempoverstoß mit Eile, räume man vorsätzliches Verhalten ein. Folge sei Verdopplung der Geldbuße.

Bildergalerie

Eine Frau sitzt am 02.10.2015 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) im Auto am Steuer und liest Nachrichten auf ihrem Smartphone. Bei einem Pressetermin informierte der nordrhein-westfälische Innenminister über die Gefahren von Handy- und Smartphonenutzung am Steuer.
Benutzung eines Mobiltelefons am Steuer eines PKW. Eine Hand am Lenkrad, die andere hält ein Handy, Smartphone, Mobiltelefon.
Volvo V90 Cross Country
Kamera
Handy im Auto: Das ist erlaubt, das verboten
Und wenn ein Bußgeldbescheid kommt? Lenhart: "Nutzen Sie die Möglichkeit eines Einspruchs gegen den Bußgeldbescheid. Vielleicht wird das Verfahren vom Gericht eingestellt. Den Einspruch kann man jederzeit zurücknehmen."
Am besten ist es aber zweifellos, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen und das Handy während der Fahrt einfach nicht anzufassen.
Mit Material von dpa