Wer demnächst am Airport in München landet, wird HiPhi kaum übersehen können. Die chinesische Automarke des Start-ups Human Horizons bezieht dort gerade einen Showroom in bester Lage. Und wer jetzt die E-Modelle X oder Z bestellt, bekommt einen Rundum-Service dazu, wenn er ab München fliegt: frei parken, ein Mitarbeiter lädt das Auto kostenlos – und wäscht es auch noch.
HiPhi Z
Der Spoiler im Heck fährt bei 80 km/h automatisch aus, geht auch manuell.
Bild: Hersteller

Die nächsten Chinesen, die zu uns kommen, setzen auf Klasse statt Masse. Maximal 500 Autos wollen sie in diesem Jahr hier verkaufen. Die Preise: sechsstellig. In China ist HiPhi im Luxussegment schon Marktführer (24 Prozent Marktanteil) vor Porsche (19 %) und BMW (18 %). Auch Geld scheint nicht das Problem zu sein. Der saudi-arabische Staatsfonds stieg gerade mit 5,6 Milliarden US-Dollar bei Human Horizons ein. Müssen sich die Deutschen also fürchten?

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Wir fahren erst den Z, einen GT mit einer Systemleistung von 672 PS und 820 Nm; das allerdings nur für 30 Sekunden. Doch auch sonst ist der Antritt des 2,5-Tonnen-Z im Sport-Modus massiv. Dank der Allradlenkung (bis 13,2 Grad Einschlag) ist der mehr als fünf Meter lange Sportler auf seinen 22-Zoll-Rädern sehr agil. Der Stromverbrauch der im Cell-to-Pack-Verfahren verbauten Akkus liegt bei flotter Fahrt bei gut 25 kWh/100 km.
HiPhi Z
Modernes, reduziertes Cockpit: Der 15-Zoll-Touchscreen ist schwenkbar.
Bild: Hersteller
In den Testwagen ist noch die chinesische Software aufgespielt. Die Ladeleistung wird aber auch für deutsche Kunden zunächst unter 100 kW bleiben, an AC-Säulen bei 11 kW. E-Auto-Fahrer selbst tieferer Preisklassen sind da andere Werte gewohnt.

Luxus auf Chinesisch heißt manchmal auch Spielkram

Der 15-Zoll-Touchscreen unter dem Panoramadach und über der breiten Mittelkonsole ist in alle Richtungen schwenkbar. Nur der Materialmix im Innenraum, zu dem auch blankes Hartplastik gehört, ist nicht Premium. Luxus auf Chinesisch bedeutet Infotainment – und manchmal auch Spielkram.
HiPhi X
Wie eine Kommandozentrale: 17-Zoll-Touchscreen plus XL-Display hinterm Lenkrad und 11-Zoll-Beifahrer-Bildschirm.
Bild: Hersteller
Exakt 2752 LED-Lämpchen vorn und 1314 an der Seite der Karosserie ermöglichen es, Schwarz-Weiß-Videos, Emojis oder auch Worte an den Verkehr zu senden. Wenn man es denn will. Zum Assistenzsystem "Pilot" gehört beim Z auch der Lidar-Sensor auf dem Dach (wie wir es von Nio kennen). Der fehlt beim großen SUV namens X, dessen Technik nur kamerabasiert ist. Dafür hat der X einen anderen Clou.
HiPhi X
HiPhi X: einzigartiges Türsystem mit Portal- plus zwei Flügeltüren.
Bild: Hersteller
Wie beim Z gibt es weit aufschwenkende Portaltüren. Der X aber hat zusätzliche Flügeltüren hinten, wie wir sie ähnlich als "Falcon Wing Doors" aus dem Tesla Model X kennen. So soll der Einstieg auch in eine dritte Sitzreihe erleichtert werden, die später angeboten wird (109.000 Euro). 

Kühlschrank inklusive

Der Viersitzer ist 14.000 Euro teurer. Warum? Nun, unter anderem, weil zwischen den zwei Business-Sitzen ein Kühlschrank Champagnerflaschen wahlweise von null bis 15 Grad temperiert.
HiPhi X
Luxus, wie man ihn sich bei HiPhi vorstellt: Kühlschrank für
Champagner, gekühlt bis 0 Grad.
Bild: Hersteller

Die Fahrt unter dem dreigeteilten Panoramadach ist wie im Z angenehm leise, die Allradlenkung (bis zehn Grad) trägt auch hier zum agilen, flotten Fahren bei. Wie der Z kann aber auch der X in Sachen Fahrkomfort nicht mit deutschen Premiummarken mithalten. Das Rekuperieren wird umständlich über den Touchscreen gesteuert. Der Beifahrer kann derweil auf einem eigenen 11-Zoll-Monitor Filme gucken. Das alles wirkt etwas überladen, fast schon protzig.

HiPhi heißt: das Beste aus zwei Welten

Human Horizons hat bislang ein selbst für chinesische Verhältnisse erstaunliches Tempo hingelegt. Die Firma wurde von David Ding (einst in China bei SAIC-GM und VW) erst vor sechs Jahren gegründet – und hat schon drei Autos fertig. Das Modell Y, das jüngst auf der Messe in Shanghai für Furore sorgte, soll 2024 zu einem Preis von etwa 75.000 Euro folgen. Gebaut in einem ehemaligen Kia-Werk; im Firmensitz arbeiten 5000 Mitarbeiter, davon 400 nur an der Software. Weitere Modelle wird die Firma 2024 präsentieren. 
HiPhi (gesprochen Hei-Fi) bedeutet übrigens so viel wie "das Beste aus zwei Welten". An Selbstvertrauen mangelt es den Chinesen jedenfalls nicht.

Technische Daten HiPhi X und Z

HiPhi X (Viersitzer) • Antrieb: je ein E-Motor an Vorder- und Hinterachse, Allradantrieb • Leistung: 440 kW (598 PS) • max. Dreh­moment: 820 Nm • Akkukapazität: 97 kWh (91,2 nutzbar) • Reichweite: bis ca. 460 km • Ladeleistung: 11 kW (AC), 90 kW (DC) • L/B/H: 5200/2062/1618 mm • Leergewicht: 2500 kg • Kofferraum: 616 l • 0–100 km/h: 3,9 s • Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h • Preis: 123.000 Euro.
HiPhi Z (Fünfsitzer) • Antrieb: je ein E-Motor an Vorder- und Hinterachse, Allradantrieb • Leistung: 494 kW (672 PS) • max. Dreh­moment: 20 Nm • Akkukapazität: 120 kWh (112,8 nutzbar) • Reichweite: bis ca. 555 km • Ladeleistung: 11 kW (AC), 90 kW (DC) • L/B/H: 5036/2018/1438 mm • Leergewicht: 2520 kg • Kofferraum: 316–684 l • 0–100 km/h: 3,8 s • Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h • Preis: 105.000 Euro.

Fazit

Müssen Porsche und Co echt Angst haben vor HiPhi? Nein, zurzeit nicht. Dazu hat der Z zu viele Schwächen und ist momentan (noch) kein Premium. Und der X? Ja, dieses Türkonzept ist spektakulär und ein Alleinstellungsmerkmal. Und es wird auch Fans der Bildschirme ­geben. Aber das Modell X ist nicht preiswert.