Kultig und handlich: ein Wohnmobil-Youngtimer als Hobby
Nach 20 Jahren ist der edle Hobby 600 KS preislich in der Einstiegsliga angekommen. Ist der Kauf ein echter Tipp? Oder gibt es am Ende eher Frust als Nostalgiegefühle?
Kult und sparen, kann das klappen? Der von der Wohnmobil Galerie in Hohenaspe angebotene Hobby 600 kostete neu mal ein mittleres Vermögen. 87.400 Mark standen 2001 auf dem Preisschild, wohlgemerkt ohne Extras. Inzwischen ist das ehemalige Luxusmobil ein Youngtimer. Der Händler ruft für Reisemobilverhältnisse moderate 19.900 Euro auf. Welche Reisequalitäten bietet er dafür nach 20 Jahren noch?
Der Status des Kultfahrzeugs war beim Hobby 600 schnell erreicht
Aus dem Cockpit grüßen die 90er-Jahre: Transporter-Flair ohne jeden Airbag, schrille Sitzpolster.
Bild: Christoph Börries
Das ist er: Ein Wohnmobil wie eine Jacht. Die erste Hobby-600-Reihe kam 1984 auf den Markt. Schnell erlangten die Teilintegrierten trotz strammer Neupreise den Status von Kultfahrzeugen in der Szene. Das ansprechende Design und der kluge Grundriss machten deutlich, dass Firmenchef Harald Striewski und sein Team etwas mehr Hirnschmalz als so mancher Mitbewerber in optimale Funktionalität investiert hatten. Unser Test-Hobby trägt reichlich helles Holzdekor vom Typ Erle zur Schau und zeigt außerdem, wie andersartig der Polstermustergeschmack vor 20 Jahren gewesen ist. Wichtiger ist allerdings, dass alle Möbel so weit intakt und auch die Stoffe nicht durchgescheuert sind. Eine originalgetreue Erneuerung wäre nach so langer Zeit allerdings auch schwierig. Die Außenfarbgebung weicht mittlerweile vom Prospektzustand ab: Der Steinschlagbereich wurde etwas hemdsärmelig umlaufend mit blauem Metalliclack nachgearbeitet. (Überblick: neues Campingzubehör 2021)
Drei große Seitenfenster sorgen für ein ungewohntes Ambiente
Eine derart üppige Aktenlage freut Interessenten: Die Bordmappe unseres Testfahrzeugs ist komplett.
Bild: Christoph Börries
Das hat er: Reichlich Charme und Pfiff. Die Linie des Hobby 600 mit den drei senkrecht stehenden Fenstern als Eyecatcher ist unverwechselbar. Trotz einer Außenlänge von 6,17 Metern überzeugt das Raumangebot. Ein doppelter Boden mit 21 Zentimeter Höhe, Iso-Fenster und sorgfältig isolierte Außenwände machen das Reisemobilwintertauglich. Je 110 Liter Frisch- und Abwassertankvolumen sind praxisgerecht. Fahrer und Beifahrer logieren in unserem Testmobil auf bequemen ISRI-Sesseln mit verstellbaren Armlehnen. Die sich im Fond anschließende Dinette wirkt angenehm luftig, der Umbau zum 1,90 Meter kurzen Doppelbett nimmt nur wenige Minuten in Anspruch. Die Stehhöhe im Innenraum reicht für maximal 1,95 Meter große Personen aus. Stilistisch sehr auffällig sind auch innen die drei großen Seitenfenster im Wohnbereich. Sie sorgen an Bord für ein ungewohntes Ambiente und lassen zusammen mit der Dachluke reichlich Tageslicht herein.
Beim Fahren hat man angesichts der Seitenfenster manchmal den Eindruck, man säße im Großraumwaggon der Bahn. Der Küchenblock mit Dreiflammen-Kochfeld und einem unter der Arbeitsplatte eingelassenen Edelstahlbecken erfüllt normale Reisemobilansprüche, allerdings dürfte der Kühlschrank gern mehr als 80 Liter fassen. Das gegenüberliegende Bad mit Thetford-Toilette und im Boden integrierter Duschtasse geht in Ordnung. Einzig das Plastik-Marmordekor auf den zahlreichen Schrankfronten wirkt nicht sehr geschmackssicher. Erfrischend schlicht sind dagegen die Heckkojen. Das platzsparende Doppelstockbett mit 85 Zentimeter breiten Federkermatratzen im Heck bildet den Abschluss und bietet zwei vollwertige Schlafplätze. Gerade Kinder finden diese Bettenlösung klasse.
Der kompakte Hobby lässt sich in der Stadt gut manövrieren
Kurven meistert der mit einem ALKO-Tiefrahmenchassis ausgestattete Hobby 600 ohne Tadel.
Bild: Christoph Börries
So fährt er: Grundsätzlich noch immer angenehm. Zwar trägt dieser Ducato II noch das nicht facegeliftete Gesicht, doch dafür rumort unter seiner Haube der in diesem Baujahr beim Hobby 600 serienmäßige 2,8-Liter-Turbodiesel-Direkteinspritzer mit immerhin 122 PS und einem brauchbaren Drehmoment von 285 Newtonmetern. Diese Leistung haut in der heutigen Zeit zwar niemanden mehr vom Hocker. Doch der maximal 3,5 Tonnen schwere Hobby wirkt auf unserer ausgedehnten Überlandfahrt unangestrengt und verhungert auch nicht gleich an der ersten Steigung. In Städten kann der kompakte Hobby seine handlichen Abmessungen ausspielen, wirkt gut manövrierbar. Nur eine Rückfahrkamera vermissen wir.
Ebenfalls kritisch ist die knappe Zuladung auf dem Niveau eines Pkw der Kompaktklasse. Modelltypisch kommt außerdem die Kupplung reichlich spät, doch nach fast 170.000 Kilometern darf man bei Licht betrachtet auch nicht mehr die Eigenschaften eines jungen Gebrauchten erwarten. Bis auf eine Servolenkung gibt es keinerlei relevante Assistenten, selbst ABS kostete 2001 in der Klasse bis 3,5 Tonnen noch happige 1890 Mark Aufpreis. Um Umweltzonen muss man mangels eines Rußpartikelfilters einen großen Bogen machen – oder man plant vor dem Kauf gleich noch einen vierstelligen Betrag für eine Filter-Nachrüstung mit ein.
Der Hobby 600 KS ist kultig, handlich und hat praktische Details. Im Preissegment bis 20.000 Euro gehört er zu den spannenderen Angeboten. Vorsicht: Das Reparaturrisiko ist altersbedingt deutlich erhöht. Urteil:vier von fünf Punkten.
Wohnmobil-Test Hobby T 600
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Die erste Hobby-600-Reihe kam 1984 auf den Markt. Schnell erlangten die Teilintegrierten trotz strammer Neupreise den Status von Kultfahrzeugen in der Szene. Nach zwei Jahrzehnten ist auch unser Testwagen optisch zum Retro-Urlaubsbegleiter gereift.
Bild: Christoph Börries
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Das ansprechende Design und der kluge Grundriss machten deutlich, dass Firmenchef Harald Striewski und sein Team etwas mehr Hirnschmalz als so mancher Mitbewerber in optimale Funktionalität investiert hatten.
Bild: Christoph Börries
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87.400 Mark standen 2001 auf dem Preisschild – ohne Extras. Inzwischen ist das ehemalige Luxusmobil ein Youngtimer. Der Händler ruft für Reisemobilverhältnisse moderate 19.900 Euro auf. Welche Reisequalitäten bietet er dafür nach 20 Jahren noch?
Bild: Christoph Börries
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Unser Test-Hobby trägt reichlich helles Holzdekor vom Typ Erle zur Schau – und zeigt außerdem, wie andersartig der Polstermustergeschmack vor 20 Jahren gewesen ist. Wichtiger ist allerdings, dass alle Möbel so weit intakt und auch die Stoffe nicht durchgescheuert sind. Eine originalgetreue Erneuerung wäre nach so langer Zeit allerdings auch schwierig.
Bild: Christoph Börries
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Die Außenfarbgebung weicht mittlerweile vom Prospektzustand ab: Der Steinschlagbereich wurde etwas hemdsärmelig umlaufend mit blauem Metalliclack nachgearbeitet.
Bild: Christoph Börries
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Die Linie des Hobby 600 mit den drei senkrecht stehenden Fenstern als Eyecatcher ist unverwechselbar.
Bild: Christoph Börries
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Trotz einer Außenlänge von 6,17 Metern überzeugt das Raumangebot. Ein doppelter Boden mit 21 Zentimeter Höhe, Iso-Fenster und sorgfältig isolierte Außenwände machen das Reisemobil wintertauglich.
Bild: Christoph Börries
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Fahrer und Beifahrer logieren in unserem Testmobil auf bequemen ISRI-Sesseln mit verstellbaren Armlehnen – und schrillen Sitzpolstern.
Bild: Christoph Börries
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Die sich im Fond anschließende Dinette wirkt angenehm luftig, der Umbau zum 1,90 Meter kurzen Doppelbett nimmt nur wenige Minuten in Anspruch. Die Stehhöhe im Innenraum reicht für maximal 1,95 Meter große Personen aus. Stilistisch sehr auffällig sind auch innen die drei großen Seitenfenster im Wohnbereich.
Bild: Christoph Börries
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Der Küchenblock mit Dreiflammen-Kochfeld und einem unter der Arbeitsplatte eingelassenen Edelstahlbecken erfüllt normale Reisemobilansprüche, ...
Bild: Christoph Börries
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... allerdings dürfte der Kühlschrank gern mehr als 80 Liter fassen.
Bild: Christoph Börries
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Das gegenüberliegende Bad mit Thetford-Toilette und im Boden integrierter Duschtasse geht in Ordnung. Einzig das Plastik-Marmordekor auf den zahlreichen Schrankfronten wirkt nicht sehr geschmackssicher.
Bild: Christoph Börries
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Erfrischend schlicht sind dagegen die Heckkojen. Das platzsparende Doppelstockbett mit 85 Zentimeter breiten Federkermatratzen im Heck bildet den Abschluss und bietet zwei vollwertige Schlafplätze. Gerade Kinder finden diese Bettenlösung klasse.
Bild: Christoph Börries
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Schlichter Lattenrost in gewichtssparender Ausführung.
Bild: Christoph Börries
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Die Leiter des Etagenbetts wird platzsparend vor dem Heckregal gelagert.
Bild: Christoph Börries
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Noch analog: Trumatic C-Steuerung und nachgerüsteter Gaswarner.
Bild: Christoph Börries
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Klappen und Scharniere sind noch fit. Der geschwungene Möbelbau versprüht Eleganz.
Bild: Christoph Börries
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Nachgerüstete Solarpaneele sind optimal geeignet, um autark campen zu können.
Bild: Christoph Börries
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Der Schwalbenschwanz-Dachspoiler zeugt von viel Detailliebe.
Bild: Christoph Börries
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Das Fahrverhalten ist noch immer angenehm. Zwar trägt dieser Ducato II noch das nicht facegeliftete Gesicht, doch dafür rumort unter seiner Haube der in diesem Baujahr beim Hobby 600 serienmäßige 2,8-Liter-Turbodiesel-Direkteinspritzer mit immerhin 122 PS und einem brauchbaren Drehmoment von 285 Newtonmetern.
Bild: Christoph Börries
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Diese Leistung haut in der heutigen Zeit zwar niemanden mehr vom Hocker. Doch der maximal 3,5 Tonnen schwere Hobby wirkt auf unserer ausgedehnten Überlandfahrt unangestrengt und verhungert auch nicht gleich an der ersten Steigung.
Bild: Christoph Börries
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In Städten kann der kompakte Hobby seine handlichen Abmessungen ausspielen. Nur eine Rückfahrkamera vermissen wir. Ebenfalls kritisch ist die knappe Zuladung auf dem Niveau eines Kompaktwagens. Modelltypisch kommt die Kupplung reichlich spät, doch nach fast 170.000 Kilometern darf man auch nicht die Eigenschaften eines jungen Gebrauchten erwarten.
Bild: Christoph Börries
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Auch aus dem Cockpit grüßen die 90er-Jahre: Transporter-Flair ohne jeden Airbag. Bis auf eine Servolenkung gibt es keinerlei relevante Assistenten, selbst ABS kostete 2001 in der Klasse bis 3,5 Tonnen noch happige 1890 Mark Aufpreis.
Bild: Christoph Börries
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Um Umweltzonen muss man mangels eines Rußpartikelfilters einen großen Bogen machen – oder man plant vor dem Kauf gleich noch einen vierstelligen Betrag für eine Filter-Nachrüstung mit ein.
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Das kann Ärger machen: 1. Bordnetz. Sind Batterien und Verbraucher voll funktionsfähig?
Bild: Christoph Börries
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2. Feuchtigkeit: Dunkle Schatten und Laufspuren als Indiz für Wassereinbrüche.
Bild: Christoph Börries
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3. Kupplung: Verschleißgrad vor Kauf unbedingt genau checken (lassen).
Bild: Christoph Börries
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4. Leitungen: Lose Kabel von unsachgemäßen Nachrüstungen.
Fazit: Der Hobby 600 KS ist kultig, handlich und hat praktische Details. Im Preissegment bis 20.000 Euro gehört er zu den spannenderen Angeboten. Vorsicht: Das Reparaturrisiko ist altersbedingt deutlich erhöht. Urteil: vier von fünf Punkten.