In den USA ist der Honda CR-V seit Jahrzehnten ein Knaller. Neben Toyotas RAV4 und dem Nissan Rogue, der hierzulande als X-Trail bekannt war, steht er in der Beliebtheitsskala der Crossover ganz oben. Ein Grund dafür dürfte der Preis sein.
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Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten verlangt Honda zwischen 31.000 und 41.000 US-Dollar für den CR-V, in Deutschland starten die Preise der sechsten Generation bei 51.400 Euro.
Honda CR-V e:HEV
Mit über 50.000 Euro ist der Honda CR-V e:HEV in der Klasse der SUV mit 4,70 Meter länge kein Schnäppchen.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Neben dem Preis dürfte auch die etwas pummelige Optik des Vorgängers ein Grund gewesen sein, warum sich der Japaner in deutschen Gefilden nicht wirklich gut verkauft hat. Ob das neue Design die Kaufwut der hiesigen Kundschaft entfacht, muss abgewartet werden, aber deutlich schöner ist der CR-V in seinem neuen Kleid schon geworden. Wer das Heck betrachtet, könnte Anleihen beim Volvo XC60 vermuten, auch ein bisschen BMW X5 könnte der eine oder andere hier sehen.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder
Vierzylinder + E-Motor
Einbaulage
vorn quer
Hubraum
1993 cm³
Leistung
Verbrennungsmotor 109 kW (148 PS) b. 6100/min
Leistung
E-Motor 135 kW (184 PS)
Systemleistung
135 kW (184 PS)
Systemdrehmoment
335 Nm
Vmax
187 km/h
Getriebe
e-CVT
Antrieb
Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
235/60 R 18 H
Reifentyp
Dunlop SP Sport Maxx 050
Radgröße
7,5 x 18"
Abgas CO2
151 g/km
Verbrauch*
6,7 l/100 km
Tankinhalt
57 l
Kraftstoffsorte
Super
Ottopartikelfilter
Serie
Vorbeifahrgeräusch
64 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
750/600 kg
Stützlast
75 kg
Kofferraumvolumen
579–1634 l
Länge/Breite/Höhe
4706/1870–2153**/1684 mm
Radstand/Bodenfreiheit
2700/194 mm
Grundpreis
51.400 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
54.900 Euro
Die Front zeigt sich zeitgemäß schnittig mit dem für die neuen Honda-Modelle typischen mächtigen Wabengrill und LED-Scheinwerfern, die aus schmalen Masken strahlen. Der neue Honda CR-V ist ein Hingucker.

Antrieb kein Stein des Anstoßes mehr

Doch abseits des Designs war gerade bei den Vollhybrid-Modellen, die Honda e:HEV nennt, der Antrieb ein Stein des Anstoßes. Bräsig zuckelte die Kombination aus E-Motor und Verbrenner die Fuhre über die Piste. Beide Triebwerke wurden sich nie einig, wer das Vorrecht hat. Und während der Benziner beim Leistungsabruf kreischte wie am Spieß, brachte der E-Motor nie die nötige Kraft auf, um die Fuhre leichtfüßig vom Fleck zu bringen, weil der Akku keine ausreichende Leistung hat.
Honda CR-V e:HEV
Die LED-Scheinwerfer strahlen aus einer schmalen Maske, die Heckleuchten erinnern ein wenig an den Volvo XC60. 18-Zoll-Räder sind Serie, die schicke Endrohrverblendungen links ist nur Show.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
All das ist, wie das Design, Geschichte. Honda hat seinen Vollhybridantrieb komplett überarbeitet und ihn auf eine ganz neue Stufe gehoben. Der neue CR-V e:HEV schnurrt tatsächlich wie ein Kätzchen. Der E-Motor schickt mit 184 PS fünf Pferdchen mehr auf die Koppel als beim Vorgänger. Hinzukommt, dass der 148 PS starke 2.0-Vierzylinder-Atkinson-Motor mit Mehrfacheinspritzung effizienter arbeitet und dass die über den Generator geladene Batterie mit immer noch 1,05 kWh mehr nutzbare Leistung zur Verfügung stellt.
Im Zusammenspiel heißt das jetzt, dass bei spontanem Leistungsabruf nicht mehr die Gefahr besteht, dass alle Komponenten verzweifelt versuchen, den immerhin knapp 1,9 Tonnen schweren Crossover anzuschieben und dabei den Ruckeleffekt eines CVT-Getriebes erzeugen. Auch das leidige Umschalten zwischen Verbrenner und Hybridantrieb entfällt. Es steht jederzeit genug Energie für den E-Motor zur Verfügung, damit der beim Anfahren oder beim starken Beschleunigen sein maximales Drehmoment von 335 Newtonmeter auf die Antriebsräder drücken kann.
Honda CR-V e:HEV
Schicker und gut verarbeiteter Innenraum mit einer gesunden Mischung aus analogen und digitalen Bedienelementen.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD

Mit Anlauf erstaunlich schnell

Bis zu einer Geschwindigkeit von 80 km/h dient der Verbrenner – im Teillastbereich durch eine Kupplung vom Antrieb befreit – ausschließlich dazu, den Akku zu zu laden. Erst darüber hinaus greifen beide Antriebe zu und schieben den CR-V e:HEV gemeinsam an. Das macht aus dem 4,70 Meter langen SUV keine Rennmaschine – obgleich man das bei der rein rechnerisch zur Verfügung stehenden PS-Zahl durchaus vermuten könnte. In beschaulichen 8,7 Sekunden geht es aus dem Stand auf Landstraßentempo, laut Tacho wird der Japaner mit etwas Ausdauer sogar knapp 200 km/h schnell. Was beachtlich ist, denn im Datenblatt sind 187 km/h verbrieft.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,4 s
0–100 km/h
8,7 s
0–130 km/h
15,0 s
0–160 km/h
29,9 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,5 s
80–120 km/h
6,4 s
Leergewicht/Zuladung
1845/505 kg
Gewichtsverteilung v./h.
59/41 %
Wendekreis links/rechts
11,6/11,5 m
Sitzhöhe
700 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
37,9 m
aus 100 km/h warm
36,5 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
55 dB(A)
bei 100 km/h
62 dB(A)
bei 130 km/h
66 dB(A)
bei 160 km/h
71 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
6,2 l S/100 km
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
7,7 l S/100 km
(+15 %)
Sportverbrauch
10,1 l S/100 km
CO2 (Testverbrauch)
182 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
740 km
Auch der von uns ermittelte Durchschnittsverbrauch geht mit 7,7 Litern völlig in Ordnung. Lediglich auf der Autobahn wird der Verbrenner mit 10,1 Liter unanständig durstig. Natürlich ist das auch dem Umstand geschuldet, dass die aktive Allradregelung, anders als beim Vorgängermodell, sich bei höheren Geschwindigkeiten nicht mehr abschaltet. Dafür behält der CR-V e:HEV jetzt die Kontrolle über die Hinterachse und sorgt so für mehr Grip auf allen Wegen.

Deutlich dynamischer als der Vorgänger

Das macht den Japaner im Zusammenspiel mit seinen reaktiven Dämpfern, die sich schneller hohen und niedrigen Frequenzen anpassen können, und einer elektronisch gesteuerten Lenkunterstützung dann auch deutlich dynamischer als den Vorgänger. Der Clou ist aber, die angenehme Ruhe im Innenraum. Weder Verbrenner noch Rollgeräusche nerven die Reisenden. Am lautesten sind die Windgeräusche, die sich bereits ab 70 km/h durch Verwirbelungen an den Außenspiegeln ihren Weg ins Wageninnere bahnen.
Honda CR-V e:HEV
Straffe, langstreckentaugliche Sitze mit viel Platz in der zweiten Reihe.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Apropos: Honda hat auch im Innenraum darauf geachtet, dem CR-V einen hochwertigen Anstrich zu geben. War der Vorgänger noch auf Robustheit ausgelegt und vermittelte das Gefühl, immer hart zupacken zu müssen, ist die sechste Generation fast schon edel. Neben dem zentralen 9-Zoll-Infotainment-Display blickt der Fahrer auf eine 10,2-Zoll-Instrumentenanzeige, die analoge Rundinstrumente imitiert, zudem aber vielfältige Anzeigeoptionen anbietet. Optional gibt es jetzt auch ein Head-up-Display, das seine Informationen selbstredend in die Windschutzscheibe projiziert.
Die Lüftungsdüsen in Wabenoptik erstrecken sich über die gesamte Breite der Armaturentafel, und die analogen Drehregler für die Klimaautomatik haben ausgezeichnete Rasterpunkte. Einziger Kritikpunkt könnten die vielen unterschiedlichen Plastikarten sein, die im Innenraum verarbeitet wurden. Aber das ist dann schon Jammern auf sehr hohem Niveau.

Langstreckentaugliche Polster und Assistenten

Kein Grund zum Jammern gibt es bei den Sitzen, die Honda selbst als "körperstabilisierend" anpreist und die sich im Test als ausgesprochen langstreckentauglich erwiesen haben. Reisende im Fond freuen sich ebenfalls über den angenehmen Sitzkomfort, aber noch viel mehr über die üppige Kopf- und Beinfreiheit. Mit 579 bis 1634 Liter Stauraum (Ausstattungslinie Advance) dürfte auch kaum Ladegut zurückbleiben. Schade, dass sich beim Umlegen der – im Verhältnis 40 zu 60 – geteilten Rückbanklehne keine plane Fläche ergibt. Zu bemängeln ist auch die Anhängelast von lediglich 750 Kilogramm. Da erwartet man von einem SUV der Größe des CR-V mit Allradantrieb und den Leistungsdaten deutlich mehr.
Honda CR-V e:HEV
Der Kofferraumn fasst zwischen 579 und 1634 Liter. Schade ist, dass der CR-V e:HEV, wie sein Vorgänger, lediglich 750 kg an den Haken nehmen darf.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Nicht mehr erwartet man von den im CRV e:HEV werkelnden Assistenzsystemen. Da wäre dann auch der Spurhalter zu erwähnen, der den Wagen mit äußerster Vorsicht beim Überfahren von Sperrlinien in die Bahn zurückbringt. Eine ziemlich pfiffige Erfindung ist die Projektion über die rechte Seitenkamera beim Setzen des Blinkers in das Zentraldisplay. Verkehrsteilnehmer verschwinden so nicht mehr im toten Winkel.

Wertung

Wertung
Karosserie
Gutes Platzangebot und Raumgefühl, wenig variabel, geringe Anhängelast und Zuladung.
3,5/5 Punkten
Antrieb
Akzeptable Reichweite, mäßige Vmax, ordentliche Beschleunigung und guter Zwischenspurt.
3,5/5 Punkten
Fahrdynamik
Sehr gute Traktion, Lenkung hat wenig Handmoment, großer Wendekreis, recht langer Bremsweg.
3/5 Punkten
Connected Car
Sprachsteuerung wenig verständig, wenige Apps, tolle Soundanlage, gute Telefonanbindung.
3,5/5 Punkten
Umwelt
Fährt viel elektrisch, vier Rekuperationsstufen, recht hoher Spritverbrauch auf der Autobahn.
3/5 Punkten
Komfort
Üppige Ausstattung, bequemer Einstieg, geringe Fahrgeräusche, Sitzposition nicht optimal.
3,5/5 Punkten
Kosten
Teuer in der Anschaffung, kurze Wartungsintervalle, guter Wiederverkaufswert, hohe Steuern.
3/5 Punkten
AUTO BILD-Testnote
3+
Hinzu kommt ein Spurwechsel-Kollisionswarner mit Lenkunterstützung, der den Fahrer auch akustisch warnt und eine Verkehrszeichenerkennung, die auf Wunsch die Geschwindigkeit anpasst. Und, last but not least, haben die Japaner den Parkassistenten in die Lehre geschickt. Der erkennt nicht nur Quer- und Längsparkbuchten, er schiebt den nicht gerade kleinen CR-V auch ganz souverän ohne Zutun des Fahrers dort hinein.
Und am Ende soll auch noch die Frage nach der Smartphone-Konnektivität beantwortet werden. Ja, das Telefon kann mit oder ohne Kabel gespiegelt und über den Zentralmonitor per Apple CarPlay oder Android Auto gesteuert werden.
Der neue Honda CR-V e:HEV ist optisch ein Sahneschnittchen, der auch in Bezug auf Komfort und Verarbeitung durchaus punkten kann. Sein Antrieb aus E-Motor und Verbrenner ist unterdessen flüsterleise und ruckelfrei, aber leider nicht so sparsam, wie es die selbstauferlegte Leistungsbegrenzung am Ende zu versprechen scheint. Wer sich am Ende entscheidet, über 50.000 Euro für den Crossover auszugeben, der muss dann doch schon ein Enthusiast sein.