Es ist nur wenige Jahre her, dass SUV gleichbedeutend war mit erhöhtem Durst. Den kann man dem Anfang 2025 leicht gelifteten Honda HR-V ebenso wenig vorwerfen wie dem Toyota C-HR der zweiten Serie, erschienen 2024.

Zwei Hybrid-SUV im Vergleich

2,3
gut
2,5
befriedigend
Beide sind nur als Vollhybride erhältlich, schlichte Benziner-Versionen gibt es nicht (im Falle des Honda: nicht mehr). Was beide teuer macht. Klar, dahinter stehen die CO₂-Strafen der EU – die mit ihrem Zwang zu teurer Spritspartechnik die Kubanisierung des hiesigen Fahrzeugbestandes nach Kräften befördert.

Echte Schnäppchen sind beide nicht

Anno 2017 stand ein Honda HR-V mit – zugegebenermaßen wenig aufregendem – Saugbenziner für 25.900 Euro vor der Tür. Für den roten Testwagen in diesem Vergleich ist man 37.000 Euro los. Was Altkunden nahelegt, den alten HR-V zum x-ten Mal durch den TÜV zu bringen. Eigentlich wollten wir dieses unerquickliche Fass ja gar nicht aufmachen.
Honda HR-V e:HEV Toyota C-HR 1.8 VVT-i Hybrid
Hybrid kostet: In der getesteten Version werden für den Honda HR-V 37.000 Euro fällig, Toyota verlangt für den C-HR 38.490 Euro.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Den in Mexiko gebauten, 2021 vorgestellten HR-V der dritten Serie hat Honda kürzlich einem kleinen Facelift unterzogen, das sich im Wesentlichen auf geänderte Ausstattungslinien und eine verbesserte Schalldämmung beschränkt. Beim Blick unter die Haube fallen einerseits Sparmaßnahmen wie die teils nur grundierten Flächen auf, andererseits lässt schon die gewissenhaft isolierte Verkabelung erkennen, dass hier etwas dauerhaft Verlässliches entstehen sollte. Der Toyota – mit 38.490 Euro Testwagenpreis noch teurer – wirkt ähnlich vertrauenerweckend; mit Ausnahme einer Öffnung, über die sich Marder freuen dürften.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder
Vierzylinder, Hybrid
Vierzylinder, Hybrid
Einbaulage
vorn quer
vorn quer
Ventile/Nockenwellen
4 pro Zylinder/2
4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb
Kette
Kette
Hubraum
1498 cm³
1798 cm³
Systemleistung
96 kW (131 PS)
103 kW (140 PS)
Systemdrehmoment
253 Nm
142 Nm + 185 Nm (Elektromotor)
Vmax
170 km/h
175 km/h
Getriebe
stufenloses Automatikgetriebe
stufenloses Automatikgetriebe
Antrieb
Vorderrad
Vorderrad
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
225/50 R 18 W
225/55 R 18 V
Reifentyp
Michelin Primacy 4
Falken Ziex ZE310
Radgröße
7 x 18"
7 x 18"
Abgas CO2
122 g/km
105 g/km
Verbrauch*
5,4 l/100 km
4,7 l/100 km
Tankinhalt
40 l
43 l
Kraftstoffsorte
Super
Super
Partikelfilter
Serie
Serie
Vorbeifahrgeräusch
66 dB(A)
67 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
-
725/725 kg
Stützlast
-
75 kg
Kofferraumvolumen
319–1289 l 
447-1155 l
Länge/Breite/Höhe
4355/1806-2028**/1582
4362/1832–2035**/1558 mm
Radstand
2610 mm
2640 mm
Grundpreis
34.700 Euro
33.990 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
37.000 Euro
38.490 Euro
Seine sachliche Form verschafft dem HR-V einen sympathisch-protzfreien Auftritt – und kaschiert, dass er immerhin 1,81 Meter breit ist. Substanzieller Vorteil der geradlinigen Gestaltung: Der Wagen ist übersichtlich nach vorn wie nach hinten, nur nach schräg hinten nicht wegen dicker C-Säulen. Der Toyota, gebaut in der Türkei, ist nach hinten unübersichtlicher – der Form geschuldet.

Honda mit Schwächen bei der Ergonomie

Vorn sitzt man im Honda auf asiatisch kleinen Sitzen, auch in der gehobenen Advance-Ausstattung ohne Lendenwirbelstützen und mit wenig Unterstützung im Schulterbereich. Diese Vordersitze und das Lenkrad, das sich nicht weit genug herausziehen lässt, qualifizieren den HR-V nicht gerade als Langstreckler, im Gegensatz zu den angenehm positionierten Sitzflächen vorn auf rund 26 Zentimetern und hinten fast 30 Zentimeter über dem Wagenboden.
Honda HR-V e:HEV
Die Vordersitze und das nicht weit genug herausziehbare Lenkrad verschlechtern das Potenzial des HR-V als Langstreckler.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Überhaupt haben's die Fahrgäste in der zweiten Reihe richtig gut im Honda: leichter Zugang durch klassenunüblich große Türöffnungen, Bein- und Kopffreiheit weit über dem, was man bei einem 4,36-Meter-Auto erwartet. Dafür fällt der Kofferraum (maximal 1289 Liter) recht kurz aus.
Beim Toyota sitzt man vorn noch höher, auf etwas größeren Sitzen mit Lordosenstütze für den Fahrer. Hinten geht es im C-HR aber enger zu, starke Dacheinzüge schmälern den Kopfraum. Das Ladeabteil (maximal 1155 Liter) fällt wegen des schrägen Hecks kleiner aus und hat etwas von einem Eimer mit seiner 17 cm hohen Innenladekante und einer dicken Stufe bei umgelegter Rücksitzlehne. Schön bei beiden: solide, am Metall verankerte Verzurrösen.

HR-V-Rückbank sorgt für viel Variabilität

Nicht neu, aber unverändert genial beim Honda: der raffinierte Mechanismus der Fondbank, deren Sitzflächen sich erst absenken und dann so flach falten, dass eine ebene Ladefläche entsteht. Alternativ kann man die Sitzflächen anheben, per Niederdrücken des Stützbügels fixieren und etwa ein Fahrrad quer einladen.
Honda HR-V e:HEV
Im Fond des Honda HR-V ist reichlich Platz für Sperriges: Sitzfläche hochklappen, fixieren mit dem Bügel – einfach und genial.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Im Honda erfreut eine traditionelle Bedienung mit echten Reglern, bei der man nicht ständig etwas im Zentralmenü suchen muss. Im Kapitel "Connected Car" will der HR-V mit seinem kleinen 9-Zoll-Navi-Bildschirm und einer begriffsstutzigen Spracherkennung wohl gar nicht beeindrucken. Hier hat der Toyota mehr zu bieten: größerer Bildschirm (12,3 Zoll), brauchbare Sprachsteuerung, die etwa auch Klima kann.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,6 s
3,6 s 
0–100 km/h
9,6 s
10,4 s 
0–130 km/h
16,5 s
17,1 s 
0–160 km/h
31,5 s
30,2 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
5,2 s
5,6 s 
80–120 km/h
7,2 s
7,4 s
Leergewicht/Zuladung
1382/488 kg
1435/495 kg
Gewichtsverteilung v./h.
62/38 %
61/39 %
Wendekreis links/rechts
11,4/11,6 m
11,5/11,6 m
Sitzhöhe
670 mm
635 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
34,8 m
37,2 m 
aus 100 km/h warm
33,1 m
37,2 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
58 dB(A)
57 dB(A) 
bei 100 km/h
65 dB(A)
65 dB(A) 
bei 130 km/h
69 dB(A)
70 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
4,6 l S/100 km
3,8 l S/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
6,1 l S/100 km
(+13 %)
5,7 l S/100 km
(+21 %)
Sportverbrauch
9,6 l S/100 km
8,2 l S/100 km
CO2 (Testverbrauch)
145 g/km
135 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
655 km
754 km
Der übereifrige Müdigkeitsassistent des Toyota ("Wollen Sie eine Pause machen?") lässt sich abstellen – per zeitfressendem Tauchgang ins Bordcomputer-Menü. Das Bedienen der Metall-Drehregler im Honda ist ein sinnliches Vergnügen, mit definierten Rastungen und Klick-Rückmeldung – wie in einem Luxusauto.

Honda-Hybrid arbeitet lautstark

Beim Fahren konterkariert der Antrieb aus 1,5-Liter-Saugbenziner und zwei E-Motoren den hochklassigen Eindruck allerdings. Obwohl der Honda-Antrieb mit seinen künstlich eingefügten Schaltstufen gewohnter klingt als der des Toyota, ist er akustisch doch arg präsent, meldet sich etwa beim Beschleunigen in der Autobahnauffahrt unvermittelt und plärrend zu Wort. Beim Beschleunigen von 120 auf 140 km/h klingt er angestrengt. Oberhalb von 150 km/h wird's zäh.
Honda HR-V e:HEV
Kein Leisetreter: Die Hybrideinheit des HR-V ist akustisch arg präsent – vor allem beim Beschleunigen plärrt der Antrieb vernehmlich.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Antrieb von Hybridpionier Toyota mit seinem elektronisch geregelten Planetenradgetriebe arbeitet anfangs leiser, um ab etwa 145 km/h mit Dröhnfrequenzen zu nerven. Beim C-HR sind auch die Windgeräusche höher, setzen bei etwa 130 km/h ein, während der Honda bei schneller Konstantfahrt wieder erstaunlich leise wird.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
535
525
Platz
1
2
Testnote
2,3
2,5
Fazit
Angenehm zu bedienen, höchst variabel, schöne Details, Top-Bremswerte, hinten viel Platz. Könnte mehr Dämmung vertragen.
Noch sparsamer, Antrieb bei mittlerem Tempo leiser, Infotainment moderner. Die expressive Form raubt ihm viel Nutzwert.
Die Lenkung des Toyota ist etwas diffus um die Mittellage. Die des Honda ist weniger leichtgängig und spricht linearer an. Die Honda-Federung ist klar weicher ausgelegt als die des Toyota. Die Kehrseite des angenehmen Komforts sind reichlich Karosseriebewegungen, denn die Dämpfer-Zugstufe ist weit offen; auf langen Wellen federt der HR-V weit aus.

Toyota-Fahrwerk ist zu knackig

Das Losbrechmoment der Toyota-Dämpfer liegt höher, bei kürzeren Federwegen. Der C-HR rollt prall ab, nimmt die Fahrbahnkanten und Kanaldeckel spürbarer mit und kopiert die Fahrbahnverwerfungen geradezu in die Kabine hinein. Auf Kopfsteinpflaster wiederum produzieren die Innenverkleidungen des komfortabler gefederten Honda überraschenderweise mehr Zirpgeräusche.
Toyota C-HR 1.8 VVT-i Hybrid
Härter: Im Vergleich zum Honda hat der Toyota die kürzeren Federwege. Er gibt Unebenheiten an die Passagiere weiter.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Leider wirken diese Hybridantriebe rumorig angesichts des Kaufpreises. Das Spritsparversprechen lösen sie vor allem in der Stadt ein, auf Autobahn-Langstrecke sind sie keine Idealbesetzung. Zumindest kommt die komplexe Technik von Herstellern, die sie seit vielen Jahren beherrschen.

Bildergalerie

Honda HR-V e:HEV Toyota C-HR 1.8 VVT-i Hybrid
Honda HR-V e:HEV
Toyota C-HR 1.8 VVT-i Hybrid
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Zwei Hybrid-SUV im Vergleich

Fazit

von

AUTO BILD
Das Versprechen, SUV-Sitzposition bei wenig Verbrauch zu liefern, lösen beide Japaner ein. Der Honda ist das praktischere Auto und gewinnt diesen Vergleich; der konsequentere Spritsparer ist der Toyota. Genereller Hybrid-Nachteil: Beide sind laut, ohne schnell zu sein – und nicht billig.