Sollten Tom Cruise und Matt Damon mal wieder in einem Sci-Fi-Streifen durch die Gegend heizen – sie täten gut daran, Skoda Enyaq Coupé und Hyundai Ioniq 5 zu ihren Weggefährten zu machen. Schließlich repräsentieren beide die elektrische Zukunft ihrer Hersteller – und ziehen Blicke auf sich, wo sie auch hinrollen.

Vergleich Hyundai Ioniq 5 vs. Skoda Enyaq Coupé RS

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1.
Skoda Enyaq Coupé RS iV
Skoda Enyaq Coupé RS iV
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2.
Hyundai Ioniq 5
Hyundai Ioniq 5 (72,6 kWh, AWD)
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Beide zeigen beleuchtete Grills an der Stelle, wo bei Verbrennern die Kühlöffnungen säßen. Der kantige Hyundai sieht dabei modern und retro gleichzeitig aus, wir hätten nicht übel Lust, auf seinen Pixel-Rückleuchten eine Runde Pong zu spielen (was leider nicht geht). Die kantigen Tagfahrlichter vorn zitieren sogar ziemlich unverhohlen den DeLorean DMC-12.
Die Skoda-Designer verzichten auf derartige Anspielungen, lassen die Linien fließen, die Front bulliger wirken. Beide rollen in Topausstattung samt großer Batterie, rund 300 PS Leistung und Allrad zum Duell.

Das Online-Navi im Ioniq kann nerven

In der Kabine tun sich doch erhebliche Unterschiede auf. Der Hyundai verbindet zwei 10,25-Zoll-Bildschirme über ein Panel miteinander, lässt ein paar Knöpfe übrig, zum Beispiel für die Klimasteuerung. Die Bedienung läuft weitgehend flüssig, die Online-Routenführung nervt. Dass die Sprachsteuerung in einer Tiefgarage nicht geht, damit lässt sich's ja noch leben, aber das Navi? So muss man erst rausfahren und das Ziel dann während der Fahrt einstellen.
Hyundai Ioniq 5
Sprachsteuerung und Routenführung des Ioniq 5 funktionieren nicht ohne Internetverbindung – zum Beispiel in der Tiefgarage.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Ansonsten gibt sich der Ioniq 5 angenehm reduziert, "clean" würde der Ami sagen. US-amerikanische Vorlieben bedienen wohl auch die prominent platzierten Cupholder, die etwas konturlosen Sitze und allerlei Helferlein wie die elektrisch verschiebbare Rückbank. Manuell lässt sich auch die Lehnenneigung justieren.
Mit dem 1100 Euro teuren Relax-Paket zieht außerdem die Möglichkeit ein, die Vordersitze in eine Liegeposition zu fahren – samt riesigen, erweiterten Beinauflagen, die bei Nichtgebrauch nach unten wegklappen.
Skoda Enyaq Coupé RS iV
Hilfreich: Das serienmäßige Head-up-Display im Enyaq projiziert Abbiegepfeile, die wie echte Verkehrsschilder in der Landschaft stehen.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD

Im Enyaq gibt es Augmented Reality

Der Skoda fährt eine noch digitalere Strategie, seine Sprachsteuerung ("Hey Laura!") reagiert auf Zuruf, unter dem zentralen 13-Zoll-Bildschirm warten lediglich acht Tasten für die Schnellzugriffe, den Warnblinker und die Zentralverriegelung. Der Mini-Tacho allein wäre uns zu klein – aber da wäre ja noch das Head-up-Display, das der RS serienmäßig mitbringt. Es kann zum Beispiel – Stichwort "Augmented Reality" – Abbiegepfeile projizieren, die wie ein echtes Verkehrsschild fest in der Landschaft stehen bleiben. Allerdings braucht die gesamte Bordelektronik nach Fahrzeugstart immer eine ganze Weile, um betriebsbereit zu sein.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart vorn
Synchronelektromotor
Asynchronelektromotor
Motor Bauart hinten
Synchronelektromotor
Synchronelektromotor
Systemleistung
225 kW (305 PS)
220 kW (299 PS)
Dauerleistung
76 kW (104 PS)
77 kW (105 PS)
maximales Systemdrehmoment
605 Nm
460 Nm
Batterieart
Lithium-Ionen
Lithium-Ionen
Batteriekapazität (netto)
72,6 kWh
77 kWh
Ladeleistung (AC/DC)
bis zu 11/220 kW
bis zu 11/170 kW
Ladezeit (10-80 %,DC-Laden)
18 Minuten
k. A.
Ladeanschluss
hinten rechts (CCS)
hinten rechts (CCS)
Reichweite*
430 km
513 km
Verbrauch*
19,0 kWh
17,0 kWh
Vmax
185 km/h
180 km/h
Getriebe
Einganggetriebe
Einganggetriebe
Antrieb
Allradantrieb
Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Scheiben/Trommel
Testwagenbereifung
255/45 R 20 Y
v. 235/50 R 20, h. 255/45 R 20 T
Reifentyp
Michelin Pilot Sport 4 SUV
Hankook Ventus S1 Evo3 EV
Radgröße
8,5 x 20"
v. 8 x 20", h. 9 x 20"
Vorbeifahrgeräusch
69 dB(A)
67 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
1600/750 kg
1200/750 kg
Stützlast
100 kg
75 kg
Kofferraumvolumen
527–1587 l
570–1610 l
Länge/Breite/Höhe
4635/1890–2116**/1605 mm
4653/1879–2148**/1607 mm
Radstand
3000 mm
2768 mm
Grundpreis
49.900 Euro
61.550 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
63.400 Euro
64.860 Euro

Skoda integriert den Fahrer besser

Gut gefällt uns im Skoda das tiefer montierte, stärker stützende Gestühl sowohl vorn als auch hinten. Im Hyundai wähnt man sich eher auf dem Auto als im Auto sitzend, größere Fahrer würden das Lenkrad gern noch näher zu sich ziehen können. Drei Meter Radstand sorgen im Ioniq dafür insgesamt für die luftigere Kabine im Vergleich, auch die Innenbreite fällt spürbar großzügiger aus. Unterm Strich taugen beide locker, um zu viert einen ausgedehnten Urlaub zu starten.
Hyundai Ioniq 5
Ordentlicher Elektro-Punch: In 5,1 Sekunden ist der Ioniq 5 auf Tempo 100 – und nimmt dem Enyaq damit eine ganze Sekunde ab.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Bei den Kofferräumen herrscht beinahe Gleichstand, der RS bietet mit 570 bis 1610 Litern geringfügig mehr als der Ioniq mit 527 bis 1587 Litern. Während die Tschechen hinten alles weich ausgekleidet haben, wartet im Koreaner allerdings tristes Hartplastik an den Seitenwänden.

Der Hyundai tritt mächtig ins Kreuz

Auf der Straße könnten die beiden im Grunde genommen kaum unterschiedlicher sein. Im Hyundai stehen laut Datenblatt 305 PS, im Skoda 299 PS zur Verfügung – annähernd Gleichstand also, zumindest auf dem Papier. Tatsächlich geht der Koreaner aber nicht nur etwas, sondern viel besser, 5,1 Sekunden auf Tempo 100 (Skoda 6,1 s) bestätigen das. Subjektiv spielt das Drehmoment die noch größere Rolle, und da tritt der Hyundai mit seinen 605 Newtonmetern richtig ins Kreuz.
Skoda Enyaq Coupé RS iV
Besser in Fahrt: Der Enyaq liegt im Vergleich satter, Bremspedal und Lenkung vermitteln viel Gefühl. Zudem ist er schön leise.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD

Subjektiv fährt der Enyaq runder

Der Skoda (460 Newtonmeter) hält beim Antritt und den gemessenen Fahrleistungen nicht ganz mit, ob wir nun von der Beschleunigung reden oder von seinen über zwei Meter längeren Bremswegen. Letztere dürften wohl auch mit der gripschwächeren Bereifung zu tun haben. Subjektiv fährt der RS aber runder, liegt satter, Bremspedal und Lenkung vermitteln viel Gefühl. Der Geräuschpegel im Innenraum bleibt selbst bei Vollstrom niedrig.
Hyundai Ioniq 5 Skoda Enyaq Coupé RS iV
Knappes Rennen: Bei der Reichweite schlägt der Enyaq den Ioniq 5 um 15 Kilometer. Der Koreaner hat aber auch den kleineren Akku.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das Fahrwerk des Hyundai zeigt sich steifer, lässt sich leider auch nicht einzeln verstellen. Die Lenkung gibt sich synthetisch, bisweilen stößig. Auf Kopfsteinpflaster klappert's hinten, weil die Gurtzungen der Rückbank gegen die Türverkleidung schlagen. Insgesamt fehlt also noch ein wenig Feinschliff.

Der Skoda kommt etwas weiter

Durch sein 800-Volt-Bordnetz zieht der Koreaner dafür Strom mit bis zu 220 kW, lädt von 10 auf 80 Prozent in gerade mal 18 Minuten. Der Skoda braucht offiziell 29 Minuten, wir haben mit ihm anstatt der angegebenen 135 kW allerdings schon 170 kW geschafft. Der VW-Konzern hatte die Ladegeschwindigkeit kürzlich per Update erhöht, das betrifft auch den RS.

Während der Skoda geringfügig mehr verbraucht, liegt er dank größerem 77-kWh-Akku bei der Reichweite mit 330 zu 315 Kilometern knapp vorn. Der Fairness halber sei erwähnt, dass der 2023er Ioniq 5 ein Hardware-Upgrade samt größerem Akku (77,4 statt 72,6 kWh), mehr Leistung (325 PS) und noch mehr Ladespeed (240 kW) erhält. Der Neue stand aber noch nicht zum Test bereit. Holen wir nach, versprochen.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
1,9 s
2,5 s
0–100 km/h
5,1 s
6,1 s
0–130 km/h
8,3 s
9,5 s
0–160 km/h
13,1 s
14,5 s
0–200 km/h
-
-
Zwischenspurt
60–100 km/h
2,8 s
3,0 s
80–120 km/h
3,6 s
3,9 s
Leergewicht/Zuladung
2101/439 kg
2228/512 kg
Gewichtsverteilung v./h.
50/50 %
50/50 %
Wendekreis links/rechts
12,5/12,5 m
11,5/11,4 m
Sitzhöhe
650 mm
640 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
33,5 m
36,2 m
aus 100 km/h warm
33,7 m
36,0 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
57 dB(A)
55 dB(A)
bei 100 km/h
64 dB(A)
62 dB(A)
bei 130 km/h
67 dB(A)
66 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
15,4 kWh/100 km
15,5 kWh/100 km
Testverbrauch
Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe)
22,8 kWh/100 km
(+20 %)
23,2 kWh/100 km
(+36 %)
Sportverbrauch
28,4 kWh/100 km
26,7 kWh/100 km
CO2 (Testverbrauch)
0 g/km (lokal)
0 g/km (lokal)
Reichweite (Testverbrauch)
315 km
330 km

Unsere Testwagen kosten über 60.000 Euro

An der Kasse wird's nicht billig. Der Hyundai trumpft zwar mit acht Jahren Komplettgarantie auf, der Skoda mit den besseren Versicherungseinstufungen. Und beide bieten im Test-Trimm unter anderem Sitzheizung vorn und hinten, Parkassistenz, buntes Ambientelicht und elektrische Heckklappen. Viel mehr geht nicht, doch dafür werden auf beiden Seiten weit über 60.000 Euro fällig. Gute Schauspieler verlangen eben gute Gagen.

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Hyundai Ioniq 5 Skoda Enyaq Coupé RS iV
Hyundai Ioniq 5
Skoda Enyaq Coupé RS iV
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Fazit

von

AUTO BILD
Hier treffen sich zwei Charaktere auf Augenhöhe: Der geräumige Hyundai macht Spaß mit seinem bärigen Antritt, bleibt auch beim Laden eine Hausnummer. Der Skoda fährt geschliffener und leiser, ihn prägt außerdem seine Fahrassistenz. Ein hauchdünner Sieg.