Er ist der rollende Gegenentwurf zu all den aktuell ja sehr beliebten SUV und Crossovern: der Ioniq 6, eine Elektro-Limousine in Tropfenform. Und eine auffällige Erscheinung, flach, glatt und aerodynamisch. Betont stromlinienförmig und extrem windschlüpfig.
Fahrzeug-Deals

Hyundai

Ioniq 6 84 kWh 4WD

Hyundai Ioniq 6
Resultat des geschliffenen Designs ist ein extrem niedriger Luftwiderstandsbeiwert von cw 0,21. Womit der Ioniq übrigens trotzdem nicht Rekordhalter ist, nicht ganz jedenfalls. Der Lucid Air Pure liegt bei cw 0,197, der Mercedes EQS bei cw 0,20. Um das mal einzuordnen: Der Audi 100 (C3) von 1982 kam auf cw 0,30 und der Opel Calibra von 1989 auf cw 0,26 – Sensationswerte, damals.

Ioniq 6 ist ein Hingucker

Jetzt gab es ein Facelift für den seit 2022 gebauten Ioniq 6. Das brachte vor allem neue Stoßfänger an Front und Heck, vorn mit flügelförmigen Elementen links und rechts. Dazu separate, sehr flache Tagfahrleuchten, hinten statt des früheren Doppelstock-Spoilers nur noch eine Abrisskante und dazu neue LED-Pixel-Lampen.
Hyundai Ioniq 6 84 kWh Allrad
Gestraffte Optik: Mit dem Facelift bekam der Ioniq 6 sehr flache Tagfahrleuchten, neue LED-Pixel-Lampen und geänderte Stoßfänger vorne und hinten.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das Ganze wirkt insgesamt aufgeräumter, strukturierter und klarer. Ein Hingucker ist der Ioniq immer noch, ohne Frage, zumal mit der Ausstattung N Line X (3700 Euro extra) und im Matt-Lack Nocturne Gray (1050 Euro) des Testautos.

Interieur ist hochwertig und detailverliebt

Das Interieur hat Hyundai sanft und klug überarbeitet. Detailverliebt, mit interessantem Material, sauber gezogenen Nähten und eigenem Stil. Insgesamt hochwertiger als bisher. Das gilt zum Beispiel für die neu gestaltete Mittelkonsole mit den vielen Tasten, die große Extra-Bedieneinheit fürs Klima und die Türverkleidungen.
Hyundai Ioniq 6 84 kWh Allrad
Der Arbeitsplatz des Ioniq 6: Klar gezeichnetes Cockpit mit zwei großen Bildschirmen. Saubere Verarbeitung, interessantes Material.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die Bedienung ist weiterhin tadellos – mit einer sinnvollen Mischung aus Touchscreen und vielen physischen Tasten und Schaltern. Die beiden 12,3-Zoll-Bildschirme kommen mit schöner Grafik, das Fahrer-Display ist konfigurierbar, die Instrumente sind durchweg klar gezeichnet und sehr gut ablesbar.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart 
Synchronelektromotoren 
Einbaulage 
je ein Motor vorn und hinten 
Spitzenleistung 
239 kW (325 PS) 
Dauerleistung 
81 kW (110 PS) 
maximales Drehmoment 
605 Nm 
Vmax
185 km/h 
Getriebe 
Einganggetriebe 
Antrieb 
Allradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
245/40 R 20 Y 
Reifentyp 
Pirelli P Zero Elect 
Radgröße 
8,5 x 20" 
Reichweite* 
570 km 
Verbrauch* 
15,9 kWh/100 km 
Batterieart 
Lithium-Ionen 
Batteriekapazität 
84 kWh 
Ladeleistung AC/DC 
11/260 kW 
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung) 
18 Minuten 
Fach unter Frontklappe 
Serie (14,5 l) 
Vorbeifahrgeräusch 
64 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
1500/750 kg 
Stützlast 
100 kg 
Kofferraumvolumen 
401 l + 14,5 l vorn 
Länge/Breite/Höhe 
4935/1880–k. A.**/1495 mm 
Radstand 
2950 mm 
Grundpreis
61.550 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
65.250 Euro
Der Multimedia-Navi-Touchscreen besitzt wie gewohnt äußerst umfangreiche Menüs – die aber klar strukturiert sind. Große Kacheln, Kurzwahltasten und zum Beispiel auch ein schöner Drehknopf für die Lautstärke erleichtern die Bedienung.

Hinten wird es nur für den Kopf knapp

Das Platzangebot ist vorn ganz ordentlich und größer, das bestätigen die Messwerte, als es auf den ersten Blick wirkt. Hinten gibt es überdurchschnittlich viel Raum, vor allem viel Platz für lange Beine – die Kniefreiheit ist fast grenzenlos – und eine nicht ganz so üppige Kopffreiheit. Leute über, sagen wir, 1,80 Meter müssen den Kopf etwas einziehen.
Hyundai Ioniq 6 84 kWh Allrad
Im Fond gibt es vor allem eine fast endlose Kniefreiheit, Luft über dem Scheitel ist aber nicht ganz so toll. Die Bank ist flach über dem Boden montiert.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Vorn sitzt man relativ hoch im Auto, die Sitze gehören eher zur zierlichen Sorte und sind nicht übermäßig stark ausgeformt, aber angenehm gepolstert und insgesamt ganz bequem. Im Fond hockt man dagegen ziemlich flach über dem Boden – E-Auto-typisch, darunter liegt ja die Batterie. Der Kofferraum lässt sich nur durch eine kleine Luke beladen, nicht eben üppige 401 Liter passen rein. Dazu kommt ja immerhin noch der Frunk vorn, der schluckt beim Allradantrieb 14,5 Liter, beim Heckantrieb wären es 45 Liter.

Fahrleistungen sind sehr ordentlich

Angetrieben wird der Allrad-Ioniq 6 von je einem E-Motor vorn und hinten (beides PSM, Permanentmagneterregte Synchronmaschinen), die Systemleistung liegt bei 325 PS. Den Sprint von 0 auf 100 km/h schaffte der Ioniq damit im Test in sehr schlanken 5,2 Sekunden, abgeregelt wird dann bei Tempo 185.
Hyundai Ioniq 6 84 kWh Allrad
Geht ganz gut: Den Sprint auf Tempo 100 erledigt der Ioniq 6 in schlanken 5,2 Sekunden, abgeregelt wird bei 185 km/h.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Antrieb reagiert schnell, ist fein dosierbar. Sehr gut: Die Rekuperation lässt sich vierfach verstellen – mit den Schaltwippen am Lenkrad –, die Stufe wird jeweils im Instrument angezeigt. Dazu gibt es einen konzentriert arbeitenden One-Pedal-Mode bis zum Stillstand – und zwar in allen Rekuperationsstufen. Das alles wirkt ausgereift und routiniert, man spürt deutlich die große Erfahrung, die Hyundai inzwischen mit solchen E-Antrieben hat.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,0 s 
0–100 km/h 
5,2 s 
0–130 km/h 
8,3 s 
0–160 km/h 
12,9 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
2,7 s 
80–120 km/h 
3,4 s 
Leergewicht/Zuladung 
2101/419 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
50/50 % 
Wendekreis links/rechts 
12,4/12,4 m 
Sitzhöhe 
600 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
35,9 m 
aus 100 km/h warm 
35,2 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
54 dB(A) 
bei 100 km/h 
61 dB(A) 
bei 130 km/h
65 dB(A)
bei 160 km/h
70 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch 
18,7 kWh/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
27,4 kWh/100 km
Sportverbrauch 
33,4 kWh/100 km 
CO2 (lokal) 
0 g/km 
Reichweite 
351 km 
Der Ioniq sprintet fröhlich los, zieht zügig und entschlossen bis 185 km/h durch. Sein Gewicht von 2,1 Tonnen ist – für ein E-Auto dieser Größe jedenfalls – nicht besonders hoch. So fährt er sich handlich, wach und lebendig, angenehm fahrstabil.

In Fahrt ist der Hyundai angenehm leise

Klar, die 20-Zoll-Räder rollen spröde ab und reagieren hölzern etwa auf Kanten, insgesamt läuft das alles aber straff und harmonisch ab. Die Lenkung passt gut dazu, arbeitet leichtgängig, ausreichend präzise und direkt.
Hyundai Ioniq 6 84 kWh Allrad
Formvorteil: Auch wegen seines windschlüpfrigen Designs bleibt es im Ioniq 6 schön leise. Bei 130 km/h haben wir nur 65 dB(A) gemessen.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Und es bleibt stets betont leise an Bord: Die von uns gemessenen 65 dB(A) bei 130 km/h und auch die 70 dB(A) bei 160 km/h sind richtig gute Werte – natürlich auch eine Folge des extrem windschlüpfigen Designs. Gut in Form waren im Test auch die Bremsen, beim Stopp aus Tempo 100 stand der Ioniq 6 mit warmem System nach 35,2 Metern.

Standzeit am Schnelllader ist kurz

Die Batterien im Ioniq 6 – mit 800-Volt-Technik – sind jetzt 63 kWh (bisher 53 kWh) und wie beim Testwagen 84 kWh (bisher 77,4 kWh) groß, eine Wärmepumpe ist ab Ausstattung Centriq Serie.
Hyundai Ioniq 6 84 kWh Allrad
Zügig: Der Ioniq 6 kann mit maximal 260 kW geladen werden. Im günstigsten Fall wird der Akku in 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent gefüllt.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Geladen werden kann mit 11 kW Wechsel- und maximal 260 kW Gleichstrom, von 10 bis 80 Prozent Batterieladung dauert das dann im besten Fall an einer 350-kW-Ladesäule 18 Minuten. Im Test schaffte der Ioniq 6 eine Reichweite von 351 Kilometern – bei moderaten zehn Grad Außentemperatur.

Günstig ist der Ioniq 6 nicht

Den Ioniq 6 mit 84-kWh-Akku und Allradantrieb gibt es ab 61.550 Euro mit N-Line-Ausstattung. Für den hier getesteten Ioniq 6 mit N-Line-X-Ausstattung berechnet Hyundai ab 65.250 Euro. Immer dabei: fünf Jahre Fahrzeuggarantie.
Hyundai Ioniq 6 84 kWh Allrad
Für den Ioniq 6 Allrad mit 84 kWh-Akku verlangt Hyundai mindestens 65.250 Euro. Dafür gibt es eine sehr umfangreiche Ausstattung und fünf Jahre Garantie.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Zur sehr umfangreichen Ausstattung gehören unter anderem 20-Zoll-Leichtmetallräder, Bose-Soundsystem, Parkassistent, 360-Grad-Kamera, Head-up-Display, Sitze mit Alcantara-Leder-Polstern, vorn beheizt und belüftet, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, beheizbares Lenkrad und sogar der Vehicle-to-Load-Adapter (V2L) ist Serie bei N Line X.
Die Liste der Optionen ist ausgesprochen kurz: Gegen Aufpreis liefert Hyundai nur noch das Glas-Schiebedach für 700 Euro und die digitalen Außenspiegel für 1300 Euro – von denen wir aber abraten. Die sind im Alltag doch schon sehr gewöhnungsbedürftig – obwohl sie sicherlich für den cw-Wert noch mal was bringen würden ...

Bildergalerie

Hyundai Ioniq 6 84 kWh Allrad
Hyundai Ioniq 6 84 kWh Allrad
Hyundai Ioniq 6 84 kWh Allrad
Galerie "Hyundai Ioniq 6 84 kWh Allrad im Test" mit 19 Bildern öffnen
Hyundai Ioniq 6 84 kWh Allrad im Test

Fazit

von AUTO BILD
Der Ioniq 6 ist ein E-Auto für Leute, die keine Lust auf SUV haben. Mit bemerkenswertem, betont aerodynamischem Design, geschmackssicherem Interieur, 800-Volt-Technik und wachem Fahrverhalten. AUTO BILD-Testnote: 1,9