Hyundai Kona Elektro: Test
E-SUV mit Schwächen: Kona patzt beim Bremsen und beim Laden

Es ist nur eine kleine Überarbeitung, die Hyundai dem Kona Elektro angedeihen ließ. AUTO BILD hat ihn getestet, samt Reichweite und Verbrauch.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
An den ersten Elektro-Kona von 2018 kann sich bei uns mancher gut erinnern – eines der ersten Elektroautos, bei denen wir den Eindruck hatten: Das könnte ein Erfolg werden – brauchbare Reichweite und noch bezahlbar. Nur diese Enge in der zweiten Reihe. Die zweite Serie ab 2023 löste dieses Problem.
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Das jüngste kleine Facelift der zweiten Kona-Generation dürfte die Besitzer eines 2023er Exemplars erfreuen, denn es entwertet ihr Auto nicht. Das in Tschechien gebaute Kompakt-SUV bietet nun 14 PS weniger Leistung, zudem haben die Koreaner die Ausstattungslinien neu geordnet. Apple CarPlay und Android Auto funktionieren jetzt kabellos, anders als beim Start der Baureihe 2023. Ansonsten bleibt es bei zwei Akkugrößen (49 oder 65 kWh) und 400-Volt-Bordnetz.
- Für Alltagsfahrer und Pendler: Der Kona Elektro überzeugt im Test mit niedrigem Verbrauch und einer praxisnahen Reichweite von rund 433 Kilometern.
- Für Familien: Gegenüber dem Vorgänger bietet die aktuelle Generation deutlich mehr Platz im Fond, der Kofferraum hat ein alltagstaugliches Format.
Modellpflege mit neuen Ausstattungslinien
Zu den neuen Ausstattungslinien: Zur Wahl stehen jetzt die Basisversion "Select" (mit dem größeren Akku ab 41.340 Euro) mit 12,3-Zoll-Zentralbildschirm, Navi, Rückfahrkamera und Tempomat, der von uns getestete "Trend" mit Wärmepumpe, LED-Beleuchtung, beheizbaren Vordersitzen und beheizbarem Lenkrad, die sportive "N Line" mit 19-Zoll-Rädern, der Prime mit elektrisch verstellbaren Vordersitzen, 360-Grad-Kameras, Head-up-Display, 230-Volt-Steckdose und E-Heckklappe.

Aktualisierte Austtatungslinien: Neben dem Basismodell "Select" gibt es den Kona Elektro auch als "Trend", "N Line" und "N Line X".
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Die Top-Ausstattung ist "N Line X" mit schwarz abgesetztem Dach und Alcantara-Leder-Sitzbezügen. Es bleibt bei der typischen Elektroauto-Optik mit LED-Leuchtbändern vorn wie hinten – der Kona ist eine Electric-first-Konstruktion; auch Benziner (ab 27.950 Euro) und Vollhybrid (ab 33.450 Euro) sehen wie Elektroautos aus; das Platzangebot ist identisch.
Fahrzeugdaten
Modell | Hyundai Kona Elektro (65 kWh) |
|---|---|
Motor Bauart | Synchronelektromotor |
Einbaulage | vorn |
Spitzenleistung | 150 kW (204 PS) |
Dauerleistung | 50 kW (68 PS) |
max. Drehmoment | 255 Nm |
Vmax | 172 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 215/60 R 17 H |
Reifentyp | Nexen N'Fera Primus |
Radgröße | 7 x 17" |
Reichweite* | 507 km |
Verbrauch* | 14,8 kWh/100 km |
Batterieart | Lithium-Ionen |
Batteriekapazität | 65 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 11/94 kW |
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung) | 38,5 Minuten |
Fach unter Frontklappe | Serie/27 l |
Vorbeifahrgeräusch | 68 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 750/300 kg |
Stützlast | 100 kg |
Kofferraumvolumen | 466-1300 l |
Länge/Breite/Höhe | 4355/1825–2105**/1580 mm |
Radstand | 2660 mm |
Grundpreis | 41.340 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 43.840 Euro |
Dass die zweite Kona-Generation gegenüber dem knackig kurzen Vorgänger beim Modellwechsel 2023 in der Länge um volle 15 Zentimeter zulegte, gefiel damals nicht jedem. Die 4355 Millimeter Länge und 1825 mm Breite der zweiten Serie empfinden aber offenbar viele Käufer als alltagsgerecht; den größeren Tucson braucht nicht jeder. Trotz SUV-Stilanleihen ist der Kona ein reiner Alltags-Pkw, kein Abenteurer: Bei einer Bodenfreiheit von weniger als 16 Zentimetern sollte man sich Gelände-Ausflüge verkneifen.
Rückbanklehne zu schwach ausgeformt
Der Kona ist angenehm zu entern durch ausreichend große Türausschnitte, man fällt fast automatisch auf die halbhoch liegenden Sitzflächen. In der von uns getesteten "Trend"-Version nimmt man vorn Platz auf eher einfachen Sitzen mit Stoffbezug. Sie verfügen aber serienmäßig über Höhenverstellung, auf der Fahrerseite auch über eine Zwei-Wege-Lordosenstütze.

Nicht optimal: Zwar gibt es in Reihe zwei auch für große Passagiere genügend Kopffreiheit, die flache Rücksitzlehne lässt aber den Rücken durchhängen.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
In Reihe zwei sehen wir Licht und Schatten: Trotz hoher Sitzposition mangelt es auch Fahrgästen über 1,90 Metern nicht an Kopffreiheit – erkauft mit einer flach stehenden Fondbanklehne, die zu schwach ausgeformt ist und den Rücken durchhängen lässt.
Schalter und Drehregler erleichtern die Bedienung
Das Cockpit macht nicht auf edel, will nur praktisch sein mit seinen Hartkunststoff-Oberflächen. Die kommen aber nicht im Lakritz-Look daher, sondern mit einer haptisch angenehmen Struktur und Textur – so lassen wir uns Hartplastik gefallen. Auch positiv zu werten: Das Cockpit ist nicht der aktuellen Mode folgend leergeräumt, Hyundai setzt auf eine geschickte Verknüpfung von Touch-Funktionen und vielen festen Tasten und Drehreglern – wir haben rekordverdächtige 33 gezählt, die in Lenkrad und Seitenverkleidungen nicht mitgerechnet. Das Resultat ist selbsterklärend und leihwagentauglich.

Rätselfrei: Mit seinen zahlreichen Schaltern und Drehreglern macht es der Hyundai Kona Elektro seinem Fahrer in Sachen Bedienung leicht.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Konnektivitäts-Freaks dürfte der Kona weniger begeistern. Das Navi wirkt grafisch etwas altbacken, bietet aber immerhin Echtzeit-Verkehrsnachrichten. Die Sprachbedienung gibt sich in Fahrt oft schwerhörig, lässt sich nicht per Sprachbefehl aktivieren, kann aber zumindest Sitzheizung, Klima und Audio steuern. Ein Head-up-Display gibt es für die "Trend"-Ausstattung nicht, da muss man schon zum Prime greifen und mindestens 47.440 Euro ausgeben. Immerhin bietet auch der "Trend" Echtzeit-Verkehrsinfos.
In Fahrt rollen die 17-Zoll-Räder der "Trend"-Ausstattung mit dem hohen 60er-Querschnitt komfortabel ab auf kurzen Anregungen wie Kanaldeckeln und Kanten – so angenehm, dass wir von größeren Rädern eher abraten. Auf langen Wellen bleibt der Aufbau relativ gelassen – der Koreaner ist soft gefedert, aber nicht schaukelig.

Angenehm abgestimmt: Die 17-Zöller rollen komfortabel ab, auf langen Wellen bleibt der Kona gelassen. Und Windgeräusche gibt es erst ab 170 km/h.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Auf Kopfsteinpflaster bleibt er fast stumm und wirkt routiniert-solide zusammengefügt, nur die Hutablage sehr einfacher Machart macht sich akustisch bemerkbar. Windgeräusche kennt er frühestens ab 170 km/h – für ein bei 172 km/h abgeregeltes Elektroauto irrelevant. Überhaupt überlässt der Kona Elektro alles Sportliche den N-Varianten, das Vorhandensein eines eher milden Sportprogramms ändert daran nichts.
Fahrleistungen reichen für alle Verkehrslagen
Was nicht heißen soll, dass wir es hier mit einem Schnarchzapfen zu tun haben. Mit der größeren 65-kWh-Batterie und seinem nach Elektro-SUV-Maßstäben maßvollen Gewicht von 1729 kg spurtet er von 0 auf 100 km/h in von uns gemessenen 7,7 Sekunden – das reicht für alle erdenklichen Verkehrslagen.

Angemessen zügig: Den Sprit auf Tempo 100 erledigt der Kona Elektro in 7,7 Sekunden, maximal sind 172 km/h drin. Die Bremsen dürften aber besser sein.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Leider taugen die Bremswege nur für einen ruhigen Fahrertyp, der gewissenhaft Abstand hält. Sind 37,1 Meter kalt schon nicht berauschend, braucht er warm mehr als 40 Meter von 100 km/h bis zum Stillstand – etwas viel Fading und nicht zeitgemäß.
Messwerte
Modell | Hyundai Kona Elektro (65 kWh) |
|---|---|
Beschleunigung | |
0-50 km/h | 3,4 s |
0-100 km/h | 7,7 s |
0-130 km/h | 11,8 s |
0-160 km/h | 18,3 s |
Zwischenspurt | |
60-100 km/h | 3,6 s |
80-120 km/h | 4,6 s |
Leergewicht/Zuladung | 1729/491 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 56/44 % |
Wendekreis links/rechts | 11,3/11,4 m |
Sitzhöhe | 640 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 37,1 m |
aus 100 km/h warm | 40,3 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 58 dB(A) |
bei 100 km/h | 65 dB(A) |
bei 130 km/h | 69 dB(A) |
bei 160 km/h | 73 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 11,8 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 15,9 kWh/100 km (+7 %) |
Sportverbrauch | 22,7 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite | 433 km |
Ladetechnisch lässt sich festhalten: Die 94 kWh Maximal-Ladeleistung sind nicht gerade rekordverdächtig, immerhin fällt die Ladekurve in unserem Selbstversuch nur sanft ab. Am Ende des Tages sind aber 38 Minuten von 10 auf 80 Prozent ein echter Zeitfresser, da gibt's längst Flottere.
Akku reicht für über 400 Kilometer
Sehen lassen können sich hingegen unsere Test-Reichweite von 433 Kilometern und der Verbrauch von 15,9 kWh/100 km auf unserer standardisierten 155-Kilometer-Verbrauchsrunde – bei idealen 21 Grad Celsius, sei angemerkt.

Bild: Tom Salt / AUTO BILD
An der Wallbox lädt er mit maximal 11 kW, die stärkeren 22-kW-Lademöglichkeiten kann er nicht ausschöpfen. Die Wärmepumpen-Heizung ist Serie ab "Trend", lässt sich für die Basis auch als Aufpreis-Extra ordern (1200 Euro, im Paket).
Die Zuladung von 491 kg ist nicht üppig, dürfte den meisten Eignern aber reichen. Gespannfahrer sitzen hier im falschen Auto: Die maximalen 750 kg Anhängelast gebremst sind für Caravan-Urlauber, Pferde- oder Wassersportler zu knapp.
Wertung Hyundai Kona Elektro
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Format alltagsgerecht, viel Platz. Nach hinten unübersichtlich. Materialgüte dem Preis angemessen. | 3,5 / 5 |
Antrieb | Lautlos. Spurtet flott, gut dosierbar. Mit One-Pedal-Modus. Effizient, Ladezeit aber 38,5 Min. (10-80 %). | 4 / 5 |
Fahrdynamik | Fährt sich mühelos und handlich, geringe Bedienkräfte. Bremswege arg lang, warm über 40 Meter. | 3 / 5 |
Connected Car | Echtzeit-Navi und Ladeschale Serie. Spracheingabe mäßig. CarPlay und Android Auto kabellos. | 4 / 5 |
Umwelt | Nicht zu groß. Leergewicht passabel. Wenig Verbrauch (Sommer). Viele Rekuperations-Modi. | 4 / 5 |
Komfort | Einstieg wie Sitzpositionen angenehm. Einfache Sitze. Federung kommod. Viele Tasten und Knöpfe. | 3,5 / 5 |
Kosten | Relativ ziviler Kaufpreis. Wertverlust passabel. Wartung alle zwei Jahre, fünf Jahre Garantie. | 3,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 1,8 |
Die Garantien fallen koreanertypisch großzügig aus: fünf Jahre auf das Gesamtfahrzeug ohne Kilometerlimit, zwölf Jahre Durchrostung, acht Jahre bis 160.000 Kilometer auf die Batterie. Da können sich viele andere etwas abschauen.
Letztlich ist der Hyundai Kona seinem Grundwert der Angemessenheit – auch beim Preis – treu geblieben. Spektakuläre Höchstleistungen fürs Autoquartett überlässt er anderen – leider auch beim Laden und Bremsen.
Die wichtigsten Fragen zum Hyundai Kona Elektro
Wo liegen die größten Stärken des Kona Elektro?
Zu den Stärken des Kona Elektro zählen die hohe Alltagstauglichkeit, der gute Fahrkomfort, die überzeugende Reichweite, die einfache Bedienung und das insgesamt attraktive Preis-Leistungs-Verhältnis.
Wie weit kommt man mit einer Akkuladung?
Im getesteten Hyundai Kona Elektro steckte eine Batterie mit einer Kapazität von 65 kWh. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 15,9 kWh/100 km reicht eine Akkuladung für gute 433 Kilometer.
Wie schnell lädt der Kona Elektro?
Der Stromspeicher des Kona kann mit maximal 94 kW geladen werden. An der Schnellladesäule braucht er lange 38 Minuten, um von 10 auf 80 Prozent gefüllt zu werden.
Für wen eignet sich der Kona Elektro eher weniger?
Anhängerfahrer, Vielfahrer mit häufigen Schnelllade-Stopps sowie Kunden, die besonderen Wert auf Sportlichkeit oder Offroad-Eigenschaften legen, werden mit dem Kona Elektro nicht glücklich.
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