Der Kona ist ein Multitalent. Den Koreaner gibt es als Verbrenner, 4×4, Hybrid und Elektroauto. Und seit einem Jahr auch als N. Es war wohl eines der letzten Projekte von Ex-Hyundai-Entwicklungschef Albert Biermann.
Einen sportlichen SUV bauen, bunt angemalt, der es faustdick hinter den Ohren hat. Mit Erfolg, Biermann adaptierte die Technik aus dem i30 N samt 280 PS starkem Zweiliter-Turbo-Vierzylinder sowie Doppelkupplungsgetriebe und stellte sich so Kollegen wie T-Roc R, Mini Countryman JCW und Cupra Ateca. Und klar, der Hyundai vernaschte sie alle, gleich zum Frühstück.
Fuhr allen auf der Rennstrecke um die Ohren, lieferte den besten Sound und überzeugte einfach jeden Tester mit Fahrspaß, der in dieser Klasse seinesgleichen sucht. (Kompakte Power-SUVs im Vergleich: Kona N gegen Countryman JCW und T-Roc)
Hyundai Kona N
In den normalen Fahrprogrammen ist die fette Auspuffanlage kaum zu hören. In den N-Stufen knallt es dann ordentlich. Auf Dauer etwas zu laut.

Doch ist es auch noch so lustig, wenn man mit so einem Kona N nicht nur zwei Wochen, sondern fünf Monate rumbolzen darf? Nervt irgendwann das rotzige Auspuffgewitter? Bekommt man in den Sportsitzen irgendwann einen platten Hintern? Oder sorgt das Sportfahrwerk auf Dauer dann doch für Kopfschmerzen?

30.000 Kilometer in fünf Monaten

Genau das wollten wir wissen und haben deshalb diesen Wunderknaben in die Redaktion bestellt. 30000 Kilometer in fünf Monaten, durch Wind und Wetter, los geht’s.
Was erwarten wir von so einem Kompakt-Crossover-Sport-SUV? Der Kona N soll auf der Langstrecke bequem sein, beim Verlassen der Autobahn agil den Landstraßenkurven folgen, auch mal was transportieren können, verantwortungsvoll mit Kraftstoff umgehen und sich nur frisches Wischwasser und ab und zu mal einen Tropfen Motoröl gönnen.
Hyundai Kona N
Im Normal-Modus ist die Dämpfung vor allem an der Hinterachse etwas zu hart.

Bislang klappt das recht gut mit dem im typischen N-Blau (600 Euro) lackierten Kona N. Kurven kann er sensationell, die Sperre zieht die Fuhre immer und überall in die Ideallinie.

10.000 Kilometer positiv

Schnell ist er, Reisetempo 180, 200 schafft er, ohne ins Schwitzen zu kommen. Die ersten 10000 Kilometer fiel der Sportler überwiegend positiv auf.
Überwiegend? Ja, ein paar Kleinigkeiten sind schon herausgestochen, die bei unseren bisherigen Performance-Tests in der Kürze der Zeit so nicht ans Tageslicht gekommen wären.
Hyundai Kona N
Mit 50 Litern und bisher neun Litern im Schnitt kommt man nicht weit. Zum Glück verträgt er auch Super bleifrei.

Zum Beispiel das serienmäßige adaptive Fahrwerk. Adaptiv heißt verstellbar, auf Knopfdruck, drei Stufen, Normal, Sport und Sport Plus. Die beiden Sport-Stufen sind wirklich nur etwas für die Rennstrecke, da wankt und bewegt sich nichts mehr.

Kona N ordentlich Straff

Und wenn Normal bei Hyundai Komfort bedeutet, dann ist da was schiefgelaufen. Denn so richtig viel weicher ist der Kona nicht. Autobahnetappen werden so ziemlich anstrengend, bei Unebenheiten fällt die Hinterachse mit leichtem Hoppeln auf.
Auch die Bremse wird bei zügiger Fahrt – das Ding fährt locker und gern auch mal 240 ohne viel Anlauf  – schnell weich. Alles Jammern auf hohem Niveau, finden wir. Der Rest passt bis jetzt perfekt.
Hyundai Kona N
Griffiges Volant, viele Schalter und Knöpfe, dennoch wirkt das Cockpit nicht überladen. Die Mischung aus modernem Touch und Drehreglern ist gelungen.

Im Normal-Modus rollst du entspannt durchs Alltagsleben, lässt die fein und schlau schaltende Automatik arbeiten. Dann ist auch der Auspuffsound über mehrere Stunden genießbar.
Apropos, mehr als drei Stunden Langstrecke sind kaum möglich, der Tank ist einfach zu klein. Bei gelassener Fahrweise ist bei 450 Kilometern Schluss, wenn man mal eilig zum Flughafen muss, ist der 50-Liter-Tank schon nach knapp 300 Kilometern am Ende.

Hyundai mit kleinem Kofferraum

Noch etwas zum Thema Platz: Fahrer und Beifahrer sitzen bequem und sportlich gleichermaßen. Die Gäste auf der Rückbank dagegen müssen mit weniger Komfort und Kopfhöhe auskommen.
Auch der Kofferraum fällt mit 361 Litern ziemlich klein aus. Das reicht gerade so für unser Test- und Foto-Equipment. Sei es drum, in der Regel wird die Rückbank umgeklappt, und dann passt eine ganze Menge in den kleinen Koreaner.
Hyundai Kona N
Maximal 1143 Liter Ladevolumen sind gut, aber nicht viel. Genug für das Test-Equipment und ein paar Taschen.

Die Bedienung von Auto und Multimediastation ist auf den ersten Blick überladen, auf den zweiten aber intuitiv, logisch und einfach zu bedienen.
In den N-Custom-Modes kann man sich sein eigenes Set-up abspeichern und bei Bedarf am Lenkrad über die blauen Tasten abrufen. Der rote Knopf NGS? Steht dabei für N Grin Shift, also so etwas der DRS-Knopf in der Formel 1. Einmal gedrückt, werden jegliche Einstellungen im Fahrzeug für 20 Sekunden auf die sportlichste Stufe gestellt. Funktioniert vor allem auf kurvigen Landstraßen sensationell.
Wir sind gespannt, was wir noch so alles über diesen lustigen N-Kumpel erfahren. Wir werden hier davon berichten.

Technische Daten und Preis: Hyundai Kona N

• Motor R4, Turbo, vorn quer
• Hubraum 1998 cm3
• Leistung 206 kW (280 PS) bei 5500-6000/min
• max. Drehmoment 392 Nm bei 2100- 4700/min
• Antrieb Vorderrad/Achtgang-Doppelkupplung
• L/B/H 4215/1800/1565 mm
• Leergewicht 1585 kg
• Kofferraum 361–1143 l
• 0–100 km/h 5,5 s
• Spitze 240 km/h
• Verbrauch 8,5 l SP/100 km
• Abgas CO2 194 g/km
• Preis ab 38.900 Euro

Fazit

Die ersten Wochen hat uns der Kona N viel Freude gemacht. Der Motor fetzt, Getriebe und Auspuff können entspannt und wild. Nur das Fahrwerk ist auf längeren Strecken anstrengend. Mal sehen, wie die Reise weitergeht.