Hyundai Nexo im Langstrecken-Test (2020): Tankstellen, Reichweite, Wasserstoff

Keine Angst um die Reichweite

Muss man sich bei einem Wasserstoffauto Sorgen um die Reichweite machen? AUTO BILD macht mit dem Hyundai Nexo den Langstreckentest.
Lange Strecken mit dem Elektroauto? FĂŒr viele noch undenkbar, denn noch immer fĂ€hrt die Angst um die Reichweite und den Ladestopp mit. Zwar sollen immer bessere Schnelladesysteme und 800-Volt-Technik das Aufladeproblem lösen, bis die Techniken aber flĂ€chendeckend erhĂ€ltlich sind, wird es wohl noch dauern. Das Wasserstoffauto könnte hier Abhilfe schaffen. Es fĂ€hrt lokal emissionsfrei, kann nachgetankt werden und scheidet am Ende lediglich Wasserdampf aus. Aber wie verhĂ€lt sich bei der Brennstoffzelle die vom Auto angezeigte Reichweite zur tatsĂ€chlichen? AUTO BILD hat den Langstreckentest in einem Hyundai Nexo gemacht.

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Hyundai Nexo mit 666 km Reichweite

Auf langen Strecken macht der Nexo eine gute Figur. Die Reichweitenangabe ist zuverlÀssig.

Der Hyundai Nexo wurde 2018 prĂ€sentiert und ist das zweite Wasserstoffauto der Koreaner. Zeitgleich ist er das erste von Grund auf fĂŒr diese Antriebsart konstruierte Fahrzeug bei Hyundai. Sein VorgĂ€nger ix35 Fuel Cell wurde noch mit Verbrennungsmotor konzipiert und nachtrĂ€glich umgerĂŒstet. Die drei Hochdruck-Tanks des Nexo beherbergen bis zu 6,33 kg gasförmigen Wasserstoff, der mit einem Druck von 700 Bar gespeichert wird. Laut Werksangabe soll mit vollen Tanks eine Reichweite von bis zu 666 Kilometern nach WLTP möglich sein.

Nexo ließ sich nicht voll tanken

Soweit die Theorie: In der Praxis war es keinem in der Redaktion möglich, den Hyundai vollstĂ€ndig aufzufĂŒllen. Bei circa 85 Prozent war Schluss (531 km Reichweite). FĂŒr dieses Ergebnis mussten wir insgesamt dreimal tanken, da die ZapfsĂ€ule jedes Mal zu frĂŒh abgeschaltet hat. Ärgerlich! Ob das jetzt am Nexo lag, oder an der ZapfsĂ€ule lĂ€sst sich aber nicht eindeutig feststellen.

Lange Strecken sind kein Problem

Trotzdem: Angst um die Reichweite muss man nicht haben. Zwar können kurze Spurts auf der Autobahn bei 150 km/h kurzzeitig zu einer ordentlichen Kilometereinbuße fĂŒhren, doch sobald man den Gasfuß entspannt, regeneriert sich der ZĂ€hler wieder. Die Verbrauchskalkulation arbeitet Ă€ußerst zuverlĂ€ssig. Bei einer 304 Kilometer weiten Strecke verfuhren wir laut Anzeige im Display gerade einmal 294 Kilometer an kalkulierter Reichweite. Der Durchschnittsverbrauch lag dabei laut Bordcomputer bei 1,2 kg/100 km. Dadurch, dass der Nexo sich nicht vergleichbar befĂŒllen ließ, verzichtet AUTO BILD auf die Angabe eines Testverbrauchs. Ähnliche Strecken lieferten aber ein vergleichbares Ergebnis.

Aktuell noch loses Tankstellennetz

Mit einer TankfĂŒllung soll der Nexo bis zu 666 km weit kommen. Im Test ließ sich das Auto aber nicht volltanken.

Das Tankstellennetz ist zwar aktuell noch nicht besonders dicht, im Umkreis von 100 bis 200 Kilometer sollte sich aber von jedem Standort in Deutschland eine finden lassen. Ein Problem bekommt man nur, wenn einer der raren Zapfpunkte wie bei Redakteur Peter Fischer defekt ist. Als er es an einer der vier Wasserstofftankstellen im Hamburger Stadtgebiet versuchte, war die erste angefahrene SĂ€ule defekt, die zweite in der Hamburger Hafencity funktionierte dagegen. In GroßstĂ€dten wie Hamburg ist eine defekte Anlaufstation also nicht so schlimm, in Gegenden mit deutlich kleinerer Tankstellendichte könnten Wasserstoff-Fahrer auf Durchreise aber Probleme bekommen. Das Tankstellennetz soll aber dichter werden. Betreiber "H2 Mobility" plant bis Ende des Jahres 2020 100 Tankstellen im Bundesgebiet in Betrieb zu haben.

Fazit: Keine Angst auf langen Strecken

Wasserstoffautos sind E-Autos zum nachtanken. Das GefĂŒhl, seinen eigenen Strom zu erzeugen, ist etwas ganz besonderes, das Nachtanken gibt einem die gewohnte Sicherheit was die Reichweite angeht. Unser Test-Nexo hat stets eine korrekte Einordnung der verbleibenden Fahrstrecke gegeben, zu keinem Zeitpunkt kamen Zweifel gegenĂŒber den angezeigten Werten auf. Wichtig ist aber eine garantierte VerfĂŒgbarkeit von Wasserstoff an den wenigen Tankstellen in Deutschland. So lange die nicht flĂ€chendeckend gegeben ist, ist ein Fahrzeug mit Brennstoffzelle nur fĂŒr einen kleinen Teil der Bevölkerung etwas. Diese Situation sollte sich aber mit dem Ausbau des Tankstellennetzes in Deutschland StĂŒck fĂŒr StĂŒck zum positiven Ändern. Das E-Auto verdrĂ€ngen wird das Antriebskonzept aber mit Sicherheit nicht.

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