Hyundai Santa Fe: Fahrbericht
Ein Hyundai für Pampers und Pampa
In der fünften Generation macht Hyundai den Santa Fe vollends zur verantwortungsbewussten Familienkutsche – und würzt den Alltag zugleich mit jeder Menge Abenteuer.
Bild: Frederick Unflath
Dreht mein Kompass gerade durch, oder ist es der Jetlag? Meine Gedanken sind in New Mexico, und irgendwie kommt mir auch noch eine Portion Großbritannien in den Sinn – dabei sind wir bei Hyundai und deshalb in Südkorea.
Der Grund für die Reise ist die Jungfernfahrt im Santa Fe, den die Koreaner nach der Hauptstadt des US-Bundesstaats New Mexico benannt haben und dem sie ihren Aufstieg in den USA verdanken.
Und England mischt sich hier mit rein, weil die fünfte Generation des großen Geländewagens zumindest auf den ersten Blick verdächtig nach dem Land Rover Defender aussieht. Dabei haben die Designer doch vorn wie hinten extra ein riesiges Hyundai-H in die Leuchten gezaubert.

Nummer fünf fährt: Im
Frühjahr bringt Hyundai die fünfte Generation des Santa Fe für Familie und Freizeit.
Bild: Frederick Unflath
Das ganze Hin und Her klingt ein bisschen verworren, passt aber irgendwie perfekt zu dem Konkurrenten von Kodiaq & Co. Denn erstens hat der Santa Fe für Hyundai global eine große Bedeutung, weil er in den USA mitten im Massensegment fährt, daheim fast schon Oberklasse ist und bei uns all jene Kunden bei der Stange hält, die nirgendwo mehr eine Großraumlimousine mit sieben Sitzen finden. Und zweitens, weil der Santa Fe ein Auto für alle Lebenslagen sein will. Denn egal ob Familie oder Freizeit, Stadt oder Savanne, Pampers oder Pampa – der Santa Fe ist für alles gewappnet.
Während er dabei außen mit seinem kantigen Look so rustikal auftritt, als wolle er gleich quer durch die Wüste bis nach El Paso, ist er innen besonders praktisch und kommod. Wenn er bei uns im Frühjahr zu Schätzpreisen um die 60.000 Euro in den Handel kommt, lockt er deshalb nicht nur mit mehr Platz auf allen Plätzen – schließlich wächst die Länge um knapp fünf Zentimeter auf 4,83 Meter und der Radstand streckt sich von 2,77 auf 2,82 Meter. Selbst Erwachsene können es nun auch in der dritten Reihe einigermaßen aushalten.
Hyundai Santa Fe: komfortable Details
Wahlweise als Sechs- oder Siebensitzer erhältlich, gibt es zudem ein paar komfortable Details für das Leben im Alltag oder im Abenteuerurlaub. So übernimmt der Santa Fe aus den Ioniq-Modellen die mit elektrischen Beinauflagen ausgestatteten Ruhesitze in der ersten Reihe, die jedem Stau den Schrecken nehmen.

Digitales Theater und darunter jede Menge Tasten – so macht es der Santa Fe allen recht.
Bild: Frederick Unflath
Die multifunktionale Mittelkonsole lockt mit kabellosen Ladeschalen fürs Handy und einem Staufach mit Schwingdeckel, das von vorn genauso gut zu nutzen ist wie von hinten. Weil die Heckklappe so weit öffnet und sich die Sitze auf Knopfdruck topfeben in den Boden falten, taugt der Santa Fe nicht nur zum Lademeister vor dem Baumarkt, sondern auch als Behelfscamper: Dann wird der um 15 Prozent gewachsene Kofferraum samt Cupholdern, USB-Buchsen und 220-Volt-Steckdose zur Chillout-Zone und die Ladekante zur Terrasse nach draußen.
Und weil der Sante Fe zudem Verantwortungsbewusstsein beweisen will, gibt es nicht nur eine nachhaltige Materialauswahl mit hohem Recyclinganteil. Sondern neben dem digitalen Panorama-Display wartet ein zweites Handschuhfach mit UV-Beleuchtung, in dem auf Knopfdruck das Handy keimfrei gereinigt wird.
Von 0 auf 100 km/h in unter 10 Sekunden
Schade nur, dass die Maschinenbauer nicht ganz so viel Mut zur Veränderung bewiesen haben. Denn während die Designer das Auto außen wie innen komplett umkrempeln und die Karosseriebauer immerhin das Format etwas strecken durften, tut sich unter der Haube fast nichts: Es bleibt bei einem Hybrid mit und ohne Stecker, der auf einem eher schmächtigen 1,6-Liter-Benziner basiert und nur im Detail optimiert wurde.

Sechs Richtige: Hyundai bietet
den Santa Fe mit dreimal zwei Einzelsitzen an oder als Siebensitzer mit Bank in der Mitte.
Bild: Frederick Unflath
Während er als Plug-in immerhin auf rund 265 PS kommt, muss der konventionelle Teilzeitstromer mit 230 PS auskommen, von denen auf dem Weg an die Vorderachse oder an alle vier Räder zudem noch ein paar in der, nun ja, eher gemütlichen Sechsstufenautomatik verloren gehen. Immerhin gelingt der Spurt auf Tempo 100 in gut neun Sekunden, und bei Vollgas sind 190 Sachen drin.
Viel schneller möchte man den großen Gleiter ohnehin nicht bewegen, weil Fahrwerk und Lenkung eher familienfreundlich als fahrspaßfördernd ausgelegt sind. Pampersbomber eben, nicht Performance-Modell.
Und wo wir gerade beim Bummeln sind – das macht auch der PHEV, vor allem an der Ladesäule. Denn der mit etwa 14 kWh nicht gerade riesige Puffer-Akku für runde 70 Kilometer lädt nur mit 3,3 kW und braucht deshalb mehr als sechs Stunden, bis er wieder voll ist. Da ist es fast schon schade, dass der Diesel beim Generationswechsel auf der Strecke bleibt.

Dieses Profil kennen wir vom Defender.
Bild: Frederick Unflath
Dafür haben die Koreaner noch eine andere Variante in petto. Kurz nach dem Santa Fe kommt mit ähnlichem Format und ebenfalls drei Sitzreihen der Ioniq 7 und beamt den Sante Fe in die Zukunft. Auch wenn das meinen Kompass dann wahrscheinlich wieder rotieren lässt.
Technische Daten und Preis: Hyundai Santa Fe (2024)
- Motor Gamma III 1.6T GDI HEV (6AT)/Gamma III 1.6T GDI PHEV (6AT)
- Leistung 195 kW (265 PS)/169 kW (230 PS)
- max. Drehmoment 265 Nm
- L/B/H 4830/1900/1720 mm
- Leergewicht 2225/2295 kg
- Kofferraum 725 l
- 0–100 km/h 9,5/9,1 s
- Höchstgeschw. 190 km/h
- Reifen 235/60 R 18, 255/45 R 20, 255/45 R 21
- Preis ca. 60.000 Euro
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