Hyundai Tucson Hybrid im Test

Hyundai Tucson Hybrid im Test

Hyundai Tucson Hybrid: Test, Motor, Preis

Nur beim Verbrauch patzt der neue Hyundai Tucson Hybrid

Mutig und modern: So tritt der neue Hyundai Tucson auf. Jetzt kommt er auch als Vollhybrid. Ist der Stromer ohne Stecker eine zukunftsfähige Lösung?
Stünden Dreharbeiten an für "Zurück in die Zukunft 4", könnte Hyundai den neuen Tucson ohne Probleme als Hauptdarsteller auf vier Rädern positionieren. Selten war ein Modellwechsel, zumindest optisch, so radikal wie beim Kompakt-SUV der Koreaner. Was außen mit vielen Sicken, Kanten und unverkennbarer Lichtsignatur beginnt, führt Hyundai auch hinter geschlossenen Türen fort. Unser Testexemplar, der Vollhybrid, erscheint in der Linie Prime, dem Ende der Fahnenstange, und kostet runde 46.400 Euro.

Für den relativ hohen Preis bekommt man einiges geboten

Pilot und Passagiere finden im Tuscon Hydrid alles, was das Autofahren angenehm und sicher macht.

©Olaf Itrich / AUTO BILD

Die Zeiten des Korea-Schnappers sind lange vorbei, aber Hyundai lässt sich auch nicht lumpen, reicht dem Kunden grundsätzlich alles, was das Herz begehrt. Abstandstempomat, LED-Scheinwerfer, beheizte Sitze in beiden Reihen, belüftete vorn, Leder, Touchdisplay mit 10,25 Zoll, volldigitale Instrumente, schlüsselloser Zugang, reichliche Assistenz und so weiter und so fort. Der Inhalt stimmt, aber auch die Verpackung? In der Tat, egal wo Augen oder Hände landen, sieht es tadellos aus, erst bei einem genauen Blick in den Fußraum sowie ins Gepäckabteil – billiges Plastik – offenbart der Tucson die Rotstift-Agenda. Wichtiger: Was kann das neue Infotainment? Die Menüführung beziehungsweise -strukturierung wirkt anfangs etwas überfordernd, ist mit der Zeit aber ein Selbstläufer. Ein echtes Highlight ist die Kamera im Außenspiegel, die den toten Winkel im Kombiinstrument anzeigt. Hyundai bindet dieses nette und hilfreiche Extra jedoch an die Topversion und berechnet weitere 500 Euro. (Unterhaltskosten berechnen? Zum Kfz-Versicherungsrechner)

Der Tuscon Hybrid ist viel durstiger als versprochen

Plus 45 Prozent: Statt der 6,6 Liter nach WLTP braucht der Tuscon 9,6 Liter im Testdurchschnitt.

©Olaf Itrich / AUTO BILD

Für maximale Entspannung spielt der Tucson auf Wunsch Naturklänge (warmer Kamin, Meeresrauschen, Straßencafé oder lebendiger Wald). Vieles lässt sich jetzt auch über die deutlich optimierte Sprachsteuerung regeln, die beim Test nur hin und wieder an ihre Grenzen gerät. Für weniger Begeisterung sorgt indessen die auf Touch umgestellte Klimabedienung. Die Sortierung ist einwandfrei, ohne Hingucken lässt sich aber auch diese Klimaanlage nicht regulieren. Altbekannt und stets bewährt dagegen: der Raum zur freien Entfaltung. Reihe eins und zwei sowie der Kofferraum geben sich keine Blöße. Sogar ein Staufach unterm Boden bleibt, da die Batterie unter der Rückbank steckt. Bis hierhin ist also alles wunderbar, der Tucson top. Doch dann ging es auf unsere Verbrauchsrunde. Laut WLTP genehmigt sich das Kompakt-SUV als Vollhybrid genügsame 6,6 Liter – erfreulich sparsam. Bei uns läuft deutlich mehr Sprit durch die Leitungen, weshalb wir die Strecke sogar zweimal gefahren sind.
Das Ergebnis wird aber kaum besser. 9,6 Liter stehen letztlich als Durchschnittsverbrauch auf dem Papier, was einer Abweichung von plus 45(!) Prozent entspricht. Bereits der 1.6 CRDi (136 PS und Allradantrieb) aus einem vergangenen Vergleich lag 25 Prozent über Herstellerangabe. Im Einzelnen sieht es wie folgt aus: Auf der Sparrunde schafft der Hybrid 6,8 Liter, auf der Autobahn steigt der Verbrauch dann auf stattliche 14,6 Liter.

Nur beim Anfahren hat der Hyundai richtig Dampf

Subjektiv zu wenig: Von den 230 PS des Antriebs scheinen nicht alle auf der Straße anzukommen.

©Olaf Itrich / AUTO BILD

Dazu kommt, dass die 230 Datenblatt-PS nur bedingt beim Fahrer ankommen. Der Elektromotor mit 60 PS sorgt selbstverständlich für satten Schub beim Anfahren, dann übernimmt gleich der gut gedämmte 1,6-Liter-Turbobenziner mit 180 PS. Elektrisches Fahren erlaubt der Tucson selten, erzwingen lässt es sich per Schalter nicht, da keiner existiert. Gekoppelt ist der Hybrid an eine Sechsstufenautomatik, die sauber die Gänge wechselt, hin und wieder etwas früher den nächsten Gang einlegen könnte. Dazu erreicht das Getriebe nicht diesen geschmeidigen Flow, den wir zum Beispiel bei Hybriden von Toyota so genießen. Das Fahrwerk (adaptiv, 980 Euro) kommt mit der bei Prime serienmäßigen 19-Zoll-Bereifung gut zurecht, federt ordentlich, dürfte aber eine Spur komfortabler abrollen.
Mit dem optionalen Allradantrieb (2000 Euro) bringen den Tucson selbst Schnee und Eis so schnell nicht aus der Spur, auch Wankbewegungen kommen bei schnelleren Kurven kaum auf. Die Lenkung ist uns eine Spur zu leichtgängig, gerade bei höheren Geschwindigkeiten. Also meiden wir diese lieber, dann bleibt auch der Verbrauch noch im Rahmen. Zukunft geht, was das anbelangt, allerdings anders.
Das Fazit: Kleine Schwächen hier und da bügelt der Tucson mit Stärken anderswo aus. Beim Verbrauch allerdings besteht in jedem Fall Nachholbedarf. Darüber kann auch das futuristische Design nicht hinwegtäuschen. AUTO BILD-Testnote: 2-

Hyundai Tucson Hybrid im Test

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*Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist (www.dat.de).

Autoren: Christoph Richter, Berend Sanders

Fotos: Olaf Itrich / AUTO BILD

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