380 km/h, Mauern direkt neben der Strecke und kaum Platz für Fehler: Das legendäre Indy 500 gilt bis heute als eines der gefährlichsten Rennen der Welt. Ausgerechnet dort startet nun erstmals Mick Schumacher – obwohl Vater Michael genau dieses Rennen immer ablehnte.
Michael Schumacher hatte einen Start beim 500-Meilen-Rennen in Indianapolis stets ausgeschlossen: „Es ist mir zu gefährlich – mit diesen Geschwindigkeiten so nah an der Mauer zu fahren. Ich habe da einfach nichts zu beweisen.“

Indy 500: Mit 380 km/h direkt an der Betonmauer vorbei

Warum Schumacher senior so dachte, zeigt ein Blick auf die Geschichte des Rennens. Auf dem superschnellen Oval von Indianapolis, dem berühmten „Nudeltopf“, erreichen die rund 550 PS starken IndyCars Geschwindigkeiten von bis zu 380 km/h. Statt großer Auslaufzonen warten direkt Betonmauern.
Die Statistik liest sich entsprechend brutal: In bislang 109 Austragungen kam es zu 526 Unfällen. Im Schnitt kracht es also fast fünfmal pro Rennen – Trainings und Qualifying noch nicht eingerechnet.
Besonders heftig verlief die Ausgabe 1992, als gleich neun Fahrer ins Krankenhaus mussten. Indy-500-Legende Mario Andretti erinnerte sich später: „In der Klinik sah es aus wie im Fahrerlager – nur bekannte Gesichter.“
Immerhin: Der letzte tödliche Rennunfall liegt inzwischen mehr als 50 Jahre zurück.

Mick Schumacher fährt trotz gebrochenem Handgelenk

Nun stellt sich erstmals auch Mick Schumacher dieser Herausforderung. Sky zeigt das Rennen am Sonntag ab 18 Uhr live, Schumacher startet von Platz 27.
Mick Schumacher steht kurz vor seinem Indy 500 Debüt.
Bild: Indycar
Ganz fit geht der Deutsche allerdings nicht ins Rennen. Bei einem Unfall in St. Petersburg zog sich der 27-Jährige einen Teilbruch im Handgelenk zu. Eine Operation soll erst nach Saisonende erfolgen.
„Bis dahin habe ich Schmerzen, wenn ich aus dem Auto steige. Das ist nicht optimal“, sagt Schumacher offen. Gerade in IndyCars können solche Verletzungen problematisch werden, weil die Fahrzeuge keine Servolenkung besitzen.
Nebenbei schreibt Schumacher Motorsport-Geschichte: Er ist der erste deutsche Starter beim Indy 500 seit über 100 Jahren. Zuletzt trat 1923 ein deutsches Team in Indianapolis an – damals mit einem Mercedes-Benz und Fahrer Christian Lautenschlager.

Milchdusche statt Champagner-Party

Das Indy 500 wird bereits seit 1911 ausgetragen und ist damit das älteste noch bestehende Rennen der Welt. Je nach Zahl der Gelbphasen dauert der Klassiker mindestens zweieinhalb Stunden.
Der Sieger kassiert dabei nicht nur Millionenpreisgelder, sondern auch eine der kuriosesten Trophäen des Motorsports: Milch.
Der Sieger des Indy 500 feiert nicht mit Champagner sondern mit Milch.
Bild: Indycar
Seit Louis Meyer 1936 nach seinem Sieg erschöpft nach Buttermilch verlangte, gehört die Milchdusche zur Tradition. Die Fahrer müssen vorher sogar angeben, welche Sorte sie im Erfolgsfall trinken möchten – von Vollmilch bis laktosefrei.
Vorjahressieger Alex Palou kassierte für seinen Triumph mehr als 3,8 Millionen Dollar Preisgeld.

Erfahrung zählt mehr als Jugend

Zu den Favoriten gehört Mick Schumacher allerdings nicht. Bei den Tests im Frühjahr bewegte er sich eher im Mittelfeld. Insgesamt warten 32 Konkurrenten auf ihn, darunter zahlreiche Indy-500-Spezialisten.
Neun Fahrer im Feld haben das Rennen bereits gewonnen. Hélio Castroneves triumphierte sogar schon viermal und könnte nun alleiniger Rekordsieger werden.
Auffällig: Gleich acht Fahrer sind mindestens 40 Jahre alt. Erfahrung ist beim Indy 500 oft wichtiger als pure Jugend oder Aggressivität. Mehrfach wurde das Rennen sogar erst in der letzten Runde entschieden.
Mit Katherine Legge steht außerdem nur eine Frau im Starterfeld. Insgesamt besitzen fünf Piloten Formel-1-Erfahrung – neben Schumacher auch Teamkollege Takuma Sato.
Das Indy 500 bleibt damit ein Rennen voller Geschichten, Traditionen und Risiko. Und Mick Schumacher steht diesmal mitten im größten Spektakel des amerikanischen Motorsports.