Jaguar XF Sportbrake im Test

Jaguar XF Sportbrake im Test

Jaguar XF Sportbrake 25d AWD: Test

Englands Kampfansage

Leasing beim Jaguar XF Sportbrake? War bisher viel zu teuer. So umfuhr der Edel-Kombi die dreckigen Preiskämpfe. Das ist nun anders.

Video: Jaguar XF Sportbrake (2017)

Edel-Kombi made in Britain

Die Engländer verlieren die Lust an Europa, aber bei Luxusautos wollen sie weiter mitmischen. Ihre jüngste Kampfansage an Mercedes und BMW lautet: 382 Euro monatliche Leasingrate für den Jaguar XF Sportbrake – das ist, als würde Ryanair plötzlich bei den Nobelkombis mitfliegen. Im feinsten Businessanzug, erstmals mit Allrad, Automatik und sauberen 240 Diesel-PS. Dann jagen wir den Luxus-Laster mal in den Drecksjob "Einzeltest".

Hinter der Schönheit steckt viel Nutzwert

Sauberer Abgang: Das Kombi-Heck des XF ist den Jaguar-Designern außerordentlich gut gelungen.

Dabei tut es beinahe körperlich weh, den Sportbrake 25d AWD als R-Sport in Silicon Silver (Achtung: 2393 Euro Aufpreis) auf den schicken 18-Zoll-Rädern durch den Schmutz zu scheuchen.Das Kombi-Heck wirkt so gelungen und dynamisch, dass wir darüber glatt die XF-Limousine vergessen, die bis zur B-Säule identisch ist. Rückleuchten wie am F-Type, dazu die eng stehenden Endrohre. Hmmmmh! Dieser Sportbrake ist aber kein alltagsferner Schönling, sondern ein handfestes Ladetalent. Die Ladeklappe aus Kunststoff öffnet elektrisch (Serie), die Rücksitze fallen fernentriegelt, ebener Boden, an der Hinterachse federt Luft (auch Serie) mit Niveauregulierung. Im Fond mit der steilen Lehne reist man standesgemäß luftig, allerdings müssen die Schuhe in einen engen Fußraum einfädeln. Und der maximale Laderaum packt mit 1700 Litern einen Koffer weniger als der E-Klasse-Kombi von Mercedes.Die volle Golftasche – auf der Insel so etwas wie Britanniens Normkoffer – passt jedenfalls quer hinein in den Jaguar. Das Weekend ist gerettet.
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Die Bedienung klappt nicht reibungslos

Wohnlich: Bei Material- und Verarbeitungsqualität gibt es im edlen Engländer nichts zu meckern.

Vorne umgibt dich der Sportbrake mit einem Interieur, das einen besonderen Mix verströmt: zwischen Funktion und Schrulligkeit, zwischen Luxus und lässig. Auf jeden Fall anders als die Deutschen. Beim Anlassen taucht der breite Schaltpilz behäbig wie ein schreitender Butler aus der Kulisse hervor, Chrom ringt mit Carbon-Paneelen (1125 Euro) um Aufmerksamkeit, darüber liegt der Duft von Leder im Geruchston "englisches Kaminzimmer". Alles piekfein verarbeitet, die Qualität stimmt. Doch Jaguar wäre nicht Jaguar ohne seine seltsamen Eigenheiten. So ärgert das Infotainment mit unlogischen Menüschritten, das Navi erlaubt keine Spracheingabe! Und die Tonqualität der Bluetooth-Verbindung ist schlecht. Leidet sie etwa unter Reflexionen vom Klassengrößten Glasdach, das auf Gestenwink öffnet? Auf Knopfdruck startet der 2,0-Liter-Diesel. Der gleiche wie mit 163 und 180 PS, im 25d aber mit variabler Turboaufladung und 240 PS. Satte 500 Nm Drehmoment klebt der Allradantrieb schlupffrei auf den Asphalt, lenkt blitzschnell zwischen 100 Prozent Kraft an die Hinterachse oder 90 Prozent nach vorne. Fühlt er sich deshalb so gehemmt an?
Denn der Testwagen sprintet klar schlechter auf Tempo 100 (gemessene 7,5 Sekunden), als Jaguar verspricht (6,7), und die 241 km/h Topspeed sind erst nach langem Anlauf erreicht. Dabei verschleift die Achtstufenautomatik von ZF die Gangwechsel wunderbar weich, beherrscht auch die sportlichere Gangart und kommt nur selten in Hektik, etwa bei der Ausfahrt aus der Tiefgarage.

Sportlichkeit liegt dem Jag nicht unbedingt

Langstreckentauglich: Trotz straffer Abstimmung und 18-Zöllern ist der Jag eher Reise- als Sportwagen.

Was ist er denn nun, der XF Sportbrake R-Sport? Eher Sprinter mit Rucksack oder tiefgelegter SUV? Die schwarzen Fensterrahmen und feste Sportsitze rücken ihn Richtung Sportler, auch Fahrwerk und 18-Zoll-Räder liegen eher auf der strafferen Seite – ohne die Insassen durchzuprügeln. Anständiger Reisekomfort liegt auch diesem Jaguar in der DNA, für die sportlichen fünf Minuten am Tag arbeitet die Lenkung mal wieder zu unausgewogen: spitz im Ansprechen, weich bei stärkerem Einschlag. So ist eine saubere Linie schwer zu erkennen. Zickzackkurs fährt Jaguar auch beim Geld: hier konkurrenzfähige Grundpreise, kundenfreundlich lange Wartungsintervalle (zwei Jahre oder 34.000 Kilometer) und drei Jahre Garantie, dort schmerzhaft teure Extras. Metalliclack kostet 1125 Euro, 19-Zoll-Räder ab 2289 Euro, der Totwinkelwarner 953 Euro. Da sind die Briten wie früher, von Ryanair keine Spur.

Fahrzeugdaten Jaguar
Modell XF Sportbrake 25d AWD
Motor Bauart/Zylinder Vierzylinder, Turbo
Einbaulage vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette
Hubraum 1999 cm³
kW (PS) bei 1/min 177 (240)/4000
Nm bei 1/min 500/1500
Vmax 241 km/h
Getriebe Achtstufenautomatik
Antrieb Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 245/45 R 18 Y
Reifentyp Goodyear Eagle F1 Asymmetric 3
Radgröße 8 x 18"
Abgas CO2 153 g/km
Verbrauch* 7,5/4,8/5,8 l
Testverbrauch
Sportverbrauch** 9,7 l/100 km
Testrunde*** 7,7 l/100 km
Sparverbrauch**** 6,6 l/100 km
Tankinhalt 66 l/Diesel
SCR-Kat/AdBlue-Tank S/16 l
Kältemittel R1234yf
Vorbeifahrgeräusch 68 dB(A)
Anhängelast gebremst/ungebremst 2000/750 kg
Kofferraumvolumen 565-1700 I
Länge/Breite/Höhe 4955/1880-2091/1496 mm
Grundpreis 57.360 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km (Herstellerangabe); ** 54 km Autobahn, davon 20 km Vollgas; *** Durchschnitt der 155-km-Testrunde von AUTO BILD; **** 101 km Stadt und Land mit wenig Gas

Messwerte Jaguar
Beschleunigung
0–50 km/h 2,5 s
0–100 km/h 7,5 s
0–130 km/h 12,6 s
0–160 km/h 19,8 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 4,3 s
80–120 km/h 5,3 s
Leergewicht/Zuladung 1897/498 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten 50/50 %
Wendekreis links/rechts 11,8/12,0 m
Bremsweg*
aus 100 km/h kalt nicht messbar*
aus 100 km/h warm nicht messbar*
Innengeräusch
bei 50 km/h 59 dB(A)
bei 100 km/h 65 dB(A)
bei 130 km/h 69 dB(A)
Testverbrauch – CO2 7,7 I D – 204 g/km
Reichweite 850 km
* Das Winterwetter machte Bremsmessungen unmöglich. Als Anhaltspunkt: Ein viertüriger XF 20d schaffte 35,9 Meter aus 100 km/h (warm)
Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

Es soll kein SUV sein? Hier kommt die stilvolle, dynamische Alternative von Jaguar: ein eleganter Kombi mit reichlich Platz, sattem Luxus und sauberem Diesel. Dank attraktiver Leasingraten liegt das gewisse Etwas nun gleichauf mit Benz & Co.

Autoren: Henning Klipp, Joachim Staat

Stichworte:

Kombi

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