Video: Jaguar XF Sportbrake (2017)

Edel-Kombi made in Britain

Die Engländer verlieren die Lust an Europa, aber bei Luxusautos wollen sie weiter mitmischen. Ihre jüngste Kampfansage an Mercedes und BMW lautet: 382 Euro monatliche Leasingrate für den Jaguar XF Sportbrake – das ist, als würde Ryanair plötzlich bei den Nobelkombis mitfliegen. Im feinsten Businessanzug, erstmals mit Allrad, Automatik und sauberen 240 Diesel-PS. Dann jagen wir den Luxus-Laster mal in den Drecksjob "Einzeltest".

Hinter der Schönheit steckt viel Nutzwert

Jaguar XF Sportbrake
Sauberer Abgang: Das Kombi-Heck des XF ist den Jaguar-Designern außerordentlich gut gelungen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Dabei tut es beinahe körperlich weh, den Sportbrake 25d AWD als R-Sport in Silicon Silver (Achtung: 2393 Euro Aufpreis) auf den schicken 18-Zoll-Rädern durch den Schmutz zu scheuchen.Das Kombi-Heck wirkt so gelungen und dynamisch, dass wir darüber glatt die XF-Limousine vergessen, die bis zur B-Säule identisch ist. Rückleuchten wie am F-Type, dazu die eng stehenden Endrohre. Hmmmmh! Dieser Sportbrake ist aber kein alltagsferner Schönling, sondern ein handfestes Ladetalent. Die Ladeklappe aus Kunststoff öffnet elektrisch (Serie), die Rücksitze fallen fernentriegelt, ebener Boden, an der Hinterachse federt Luft (auch Serie) mit Niveauregulierung. Im Fond mit der steilen Lehne reist man standesgemäß luftig, allerdings müssen die Schuhe in einen engen Fußraum einfädeln. Und der maximale Laderaum packt mit 1700 Litern einen Koffer weniger als der E-Klasse-Kombi von Mercedes.Die volle Golftasche – auf der Insel so etwas wie Britanniens Normkoffer – passt jedenfalls quer hinein in den Jaguar. Das Weekend ist gerettet.
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Die Bedienung klappt nicht reibungslos

Jaguar XF Sportbrake
Wohnlich: Bei Material- und Verarbeitungsqualität gibt es im edlen Engländer nichts zu meckern.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Vorne umgibt dich der Sportbrake mit einem Interieur, das einen besonderen Mix verströmt: zwischen Funktion und Schrulligkeit, zwischen Luxus und lässig. Auf jeden Fall anders als die Deutschen. Beim Anlassen taucht der breite Schaltpilz behäbig wie ein schreitender Butler aus der Kulisse hervor, Chrom ringt mit Carbon-Paneelen (1125 Euro) um Aufmerksamkeit, darüber liegt der Duft von Leder im Geruchston "englisches Kaminzimmer". Alles piekfein verarbeitet, die Qualität stimmt. Doch Jaguar wäre nicht Jaguar ohne seine seltsamen Eigenheiten. So ärgert das Infotainment mit unlogischen Menüschritten, das Navi erlaubt keine Spracheingabe! Und die Tonqualität der Bluetooth-Verbindung ist schlecht. Leidet sie etwa unter Reflexionen vom Klassengrößten Glasdach, das auf Gestenwink öffnet? Auf Knopfdruck startet der 2,0-Liter-Diesel. Der gleiche wie mit 163 und 180 PS, im 25d aber mit variabler Turboaufladung und 240 PS. Satte 500 Nm Drehmoment klebt der Allradantrieb schlupffrei auf den Asphalt, lenkt blitzschnell zwischen 100 Prozent Kraft an die Hinterachse oder 90 Prozent nach vorne. Fühlt er sich deshalb so gehemmt an?
Denn der Testwagen sprintet klar schlechter auf Tempo 100 (gemessene 7,5 Sekunden), als Jaguar verspricht (6,7), und die 241 km/h Topspeed sind erst nach langem Anlauf erreicht. Dabei verschleift die Achtstufenautomatik von ZF die Gangwechsel wunderbar weich, beherrscht auch die sportlichere Gangart und kommt nur selten in Hektik, etwa bei der Ausfahrt aus der Tiefgarage.

Sportlichkeit liegt dem Jag nicht unbedingt

Jaguar XF Sportbrake
Langstreckentauglich: Trotz straffer Abstimmung und 18-Zöllern ist der Jag eher Reise- als Sportwagen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Was ist er denn nun, der XF Sportbrake R-Sport? Eher Sprinter mit Rucksack oder tiefgelegter SUV? Die schwarzen Fensterrahmen und feste Sportsitze rücken ihn Richtung Sportler, auch Fahrwerk und 18-Zoll-Räder liegen eher auf der strafferen Seite – ohne die Insassen durchzuprügeln. Anständiger Reisekomfort liegt auch diesem Jaguar in der DNA, für die sportlichen fünf Minuten am Tag arbeitet die Lenkung mal wieder zu unausgewogen: spitz im Ansprechen, weich bei stärkerem Einschlag. So ist eine saubere Linie schwer zu erkennen. Zickzackkurs fährt Jaguar auch beim Geld: hier konkurrenzfähige Grundpreise, kundenfreundlich lange Wartungsintervalle (zwei Jahre oder 34.000 Kilometer) und drei Jahre Garantie, dort schmerzhaft teure Extras. Metalliclack kostet 1125 Euro, 19-Zoll-Räder ab 2289 Euro, der Totwinkelwarner 953 Euro. Da sind die Briten wie früher, von Ryanair keine Spur.

Fazit

von

Joachim Staat
Es soll kein SUV sein? Hier kommt die stilvolle, dynamische Alternative von Jaguar: ein eleganter Kombi mit reichlich Platz, sattem Luxus und sauberem Diesel. Dank attraktiver Leasingraten liegt das gewisse Etwas nun gleichauf mit Benz & Co.