Jaguar XJ 3.0 Vd Diesel: Test
Ein Jaguar wie keiner zuvor

Stramm gestriegelt, top trainiert – so sportlich soll das Briten-Flaggschiff punkten. AUTO BILD hat den V6-Diesel getestet und verrät, wie gut der Jaguar XJ gelungen ist.
Stolze 42 Jahre lang hat der XJ Anlauf genommen, jetzt ist er endlich abgesprungen und hat gleich einen gewaltigen Satz gemacht – raus aus dem angestaubten Aristokratenkäfig direkt hinein in eine moderne Luxusklasse-Manege. Der XJ hat dazu sein weich fallendes Fell gegen eine strammer sitzende Haut getauscht, trägt künftig eine kühle Techno-Zeichnung zur Schau. Ganz klare Botschaft: Dieser XJ ist erstmals vorrangig auf flinke Bewegungen dressiert und pfeift auf historisch gewachsene Samtpfoten-Ästhetik. Tatsächlich? Der erste Test mit dem 3.0 V6 Diesel Luxury klärt, ob das junge Flaggschiff hält, was sein Äußeres verspricht.
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Bild: Christian Bittmann
Traumwagen mit kleinen Fehlern
Fast könnte der Fahrer in totale Entspannungshaltung verfallen. Fast. Denn er ist meist mit dem Suchen von Funktionen im verschachtelten Bedienmenü (über Touchscreen) beschäftigt. Oder er versucht, wichtige Infos auf dem bei Sonnenlicht nahezu blinden Display zu deuten. Darüber hinaus leiden große Fahrer unter zu kurzen Sitzflächen und der geringen Kopffreiheit. Letzteres trifft die Mitfahrer im Fond übrigens noch härter. Den Funktionalitäts-Pokal holt der Jag so nicht. Will er ja auch nicht – er möchte beim Fahren begeistern. Die sanft und leise brummende V6-Maschine entwickelt ab spätestens 2000 Touren Bärenkräfte, arbeitet tadellos mit der Sechsstufenautomatik zusammen.
Sparsames Leichtgewicht
Entschlossen, reaktionsschnell und trotzdem ruckfrei sortiert der XJ die Fahrstufen – souveräner geht's kaum. Auch kaum effektiver. Mehr als zehn Liter trinkt der große Wagen auch bei Temposchinderei nie, im Test-Durchschnitt kommt das Luxusschiff mit genügsamen 7,5 Litern aus – wer fragt da noch nach Hybrid? Der Biturbo-Prachtmotor und das Getriebe haben einen Anteil daran, eine weitere Rolle spielt die Aluminiumkarosserie. Der Leichtbau des XJ hält das Gewicht niedrig – im Vergleich zu einem BMW 730d spart Jaguar so rund 150 Kilogramm. Fehlende Pfunde, die auch der Beweglichkeit zugutekommen. Der XJ lenkt zackig ein, fühlt sich auch dank der direkt übersetzten Lenkung nie wie ein Fünf-Meter-Kreuzer an.
Stramm gefedert
Allerdings fallen Kurskorrekturen bei höherem Tempo eckig aus, die starke Servounterstützung der Lenkung kostet Rückmeldung – und sie verheimlicht die Kopflastigkeit des Diesel-Dampfers. Denn so gierig der XJ einlenkt, so eindeutig schiebt er in engen Radien über die Vorderräder. Dafür geht es in schnellen Kurven umso herzhafter zur Sache, die stramme Abstimmung von Federung und Dämpfung lässt den XJ satt der Straße folgen. Nachteil der sportlichen Haltung: Bei mäßigem Tempo taucht der Jaguar so gut wie gar nicht ein, auf kurzen Wellen und Querfugen nutzt das Fahrwerk gefühlt nur wenige Millimeter Federhub, ein stetiges Beben durchzieht auf schlechten Straßen den Innenraum – hier stolpert der Jag über seine Sportlichkeit. Trotz des langen Anlaufs.
Fazit
Die neue Richtung bei den Briten stimmt. Der XJ ist zwar kein begnadeter Praktiker, aber ein reizvolles, charakterstarkes Auto. Allein das edle und extravagante Innenraum-Ambiente ist eine Kaufüberlegung wert. Mit dem hohen Ausstattungsniveau zeigt Jaguar zudem den angemessenen Luxus-Anspruch. Der leise, starke und sparsame Dieselmotor passt optimal zu dieser Vorstellung. Schade nur, dass der neue sportliche Ansatz des großen Engländers seinen Komfortqualitäten schadet – schließlich ist auch eine Großkatze nicht jeden Tag zur wilden Jagd aufgelegt. Mehr Geschmeidigkeit, und alles wäre gut.
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