Jeep Avenger 1.2 e-Hybrid: Test
Ein bisschen Strom muss sein: Avenger e-Hybrid fehlt noch Feinschliff

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Erst gab es nur die teure Elektrovariante, dann folgte ein knurriger, nicht besonders sparsamer Dreizylinder. Und schließlich die elektrisierte Variante dieses Einliter-Burschen. Ob der jetzt die goldene Mitte trifft, testen wir einfach mal.
Hinten wird es eng im Avenger
Vorn geht das Platzangebot durchaus in Ordnung, stören nur die betont einfachen Sitzpolster mit zu kurzer Beinauflage. Immerhin thronen wir 64 Zentimeter über der Fahrbahn. Hinten wird schon beim Einsteigen klar, dass der Avenger kein Riese ist. Der hohe Schweller und die recht kurze Fondtür erschweren den Zugang, die Beinfreiheit in der zweiten Reihe macht das Reisen mit vier Erwachsenen schwierig.

Kleines SUV: Der Jeep Avenger ist nur 4,08 Meter lang. Während das Platzangebot vorne noch in Ordnung ist, fehlt hinten Kniefreiheit.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Kofferraum bietet dank doppeltem Ladeboden ordentliche Variabilität, schluckt brauchbare 380 bis 1277 Liter. Weniger erfreulich: Die Übersicht nach hinten erweist sich als deutlich eingeschränkt, die in den breiten C-Säulen versteckten Klappgriffe der Fondtüren sind hübsch, aber unpraktisch.
Fahrzeugdaten
Modell | Jeep Avenger 1.2 e-Hybrid |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Dreizyl., Turbo, 48-V-Hybrid |
Einbaulage | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Zahnriemen |
Hubraum | 1199 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 74 (100)/5500 |
Nm bei 1/min | 205/1750 |
Vmax | 184 km/h |
Getriebe | Sechsgang-Doppelkupplung |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 215/55 R 18 V |
Reifentyp | Goodyear Eagle F1 |
Radgröße | 7 x 18" |
Abgas CO2* | 112 g/km |
Verbrauch* | 4,9 l/100 km |
Tankinhalt | 44 l |
Kraftstoffsorte | Super |
Ottopartikelfilter | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 66 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1100/620 kg |
Stützlast | 48 kg |
Kofferraumvolumen | 380–1277 l |
Länge/Breite/Höhe | 4084/1776–1981**/1536 mm |
Radstand | 2557 mm |
Grundpreis | 27.300 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 32.290 Euro |
Fürs Navi wird ein Aufpreis fällig
Dank kabelloser Handyanbindung (Apple und Android) lässt sich verschmerzen, dass ein Navi extra kostet (im Paket ab 1690 Euro, unter anderem mit volldigitalem 10,25-Zoll-Kombiinstrument, doppeltem Ladeboden, USB-C-Anschluss hinten, Klimaautomatik, Keyless Go, induktivem Laden etc.).

Ein Navi mit extrabreitem Monitor kommt für 1690 Euro im Paket in den Jeep. Enthalten ist dann unter anderem auch ein digitales Cockpit.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die Bedienung über den 10,25 Zoll großen Touchscreen gelingt leicht, Home-Button und Lautstärkeregler erweisen sich als sinnvolle Ergänzung. Besonderheiten wie die Bedienung der Automatik über Drucktasten oder den an ein E-Schlagzeug erinnernden Blinkerton nehmen wir interessiert zur Kenntnis, Vorteile bieten beide aber nicht. Und mancher Kollege empfand diese Eigenheiten sogar eher als nervig.
Der Antrieb hat Optimierungspotenzial
Im e-Hybrid wird der bekannte 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbo (100 PS) von einem in den Sechsgang- Doppelkuppler integrierten Elektromotor (29 PS) unterstützt. Der 0,89 kWh fassende Akku soll so bis 30 km/h auch mal den einen oder anderen Kilometer unter Strom möglich machen.

Feinschliff nötig: Motor und Doppelkuppler arbeiten nicht immer ruckfrei zusammen. Zudem arbeitet der Antrieb durchaus geräuschvoll.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das funktioniert durchaus, ansonsten hinterlässt der zuweilen lauthals jaulende 48-Volt-Hybrid einen zwiespältigen Eindruck. Nur wer betont behutsam unterwegs ist, erlebt den Avenger als zurückhaltend, rollert entspannt mit einem Verbrauch von unter fünf Litern durchs Land. Wer es eiliger hat, muss zuweilen ruckelige Schaltvorgänge, ab Tempo 100 reichlich Antriebsgeräusche und einen Verbrauch klar über acht Liter hinnehmen (Testmix 6,1 Liter).
Messwerte
Modell | Jeep Avenger 1.2 e-Hybrid |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 4,1 s |
0–100 km/h | 11,6 s |
0–130 km/h | 19,6 s |
0–160 km/h | 36,2 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 6,5 s |
80–120 km/h | 8,5 s |
Leergewicht/Zuladung | 1349/433 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 63/37 % |
Wendekreis links/rechts | 11,3/11,2 m |
Sitzhöhe | 640 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 37,2 m |
aus 100 km/h warm | 36,0 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 59 dB(A) |
bei 100 km/h | 66 dB(A) |
bei 130 km/h | 70 dB(A) |
bei 160 km/h | 74 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 4,8 l S/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 6,1 l S/100 km (+24 %) |
Sportverbrauch | 8,5 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 145 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 720 km |
Immerhin wirkt der e-Hybrid trotz nicht sehr spritziger Beschleunigung angenehm lebendig und handlich. Die straffe und zuweilen wenig nachgiebige Federung hält die Aufbaubewegungen in Grenzen, die leichtgängige Lenkung erweist sich als ausreichend direkt, in der Stadt wuselt der kleine Jeep lässig durch den Verkehr.
Preisliste startet bei günstigen 27.300 Euro
Mit einem Einstiegspreis von 27.300 Euro (2000 Euro mehr als der handgeschaltete Verbrenner) darf der e-Hybrid gegenüber der E-Version (ab 38.500 Euro) als günstig gelten. Immerhin fährt für das Geld aber schon eine brauchbare Ausstattung mit, inklusive Doppelkupplungsautomatik.
Wertung
Modell | Jeep Avenger 1.2 e-Hybrid |
|---|---|
Karosserie | Platzangebot vorn okay, hinten beengt, Kofferraum klassenüblich. Nach hinten unübersichtlich. |
3/5 Punkten | |
Antrieb | Fahrleistungen ausreichend. Hybridantrieb mit großen Gangsprüngen und "jaulig", Verbrauch okay. |
3,5/5 Punkten | |
Fahrdynamik | Fährt sich sicher und handlich. Lenkung leichtgängig, aber ausreichend direkt. Bremse okay. |
3,5/5 Punkten | |
Connected Car | Basis ohne Navi, aber kabellose Handykopplung. Touchmonitor okay, sehr breites Format ungünstig. |
4/5 Punkten | |
Umwelt | Mildhybrid mit Segelfunktion, Sparverbrauch okay, bei hohem Tempo durstig. Sehr kompaktes Format. |
3/5 Punkten | |
Komfort | Straffe Federung mit noch ordentlichem Restkomfort, gute Ausstattung. Kurze Sitze, wird laut. |
3/5 Punkten | |
Kosten | Preis und Verbrauch gehen noch in Ordnung, aber jährliche Wartung und kurze Garantien. |
3/5 Punkten | |
AUTO BILD-Testnote | 3+ |
Kurz fällt nicht nur die Garantie aus (zwei Jahre Fahrzeug, sieben Jahre Durchrostung), sondern auch das Wartungsintervall. Zwischen den Werkstattbesuchen dürfen zwar bis zu 25.000 Kilometer liegen, alternativ steht der Check aber jährlich an. Ganz ehrlich: Bei Jeep hätten wir mehr Vertrauen erwartet.
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