Es klingt immer noch seltsam, aber es ist tatsächlich so: Jeep gehört zu Fiat, praktisch seit 2009. Feinsinnige Italiener und hemdsärmlige Amerikaner, Alte und Neue Welt, kann das gut gehen? Es kann, wie der neue Jeep Compass zeigt. Compass, war da nicht mal was? Richtig. Von 2007 bis 2009 und von 2011 bis 2016 verkaufte Jeep schon mal ein Auto mit diesem Namen. Ein skurriles Gefährt, das bei uns eher bescheidenen Erfolg hatte.
Rein optisch weiß die Neuauflage zu gefallen
Gruß vom großen Bruder: Das Design des Compass nimmt deutliche Anleihen beim Grand Cherokee.
Bild: FCA Automobiles
Das Pikante daran ist, dass damit gerade Jeep – als Urvater des Geländewagens – im besonders stark wachsenden Segment der Kompakt-SUVs nichts zu bestellen hatte. Mit dem neuen Compass soll sich das ändern. Der kommt im stattlichen und markanten Design. Mit typischem Jeep-Grill, schmalen Scheinwerfern und dem bulligen Heck erinnert er nicht zufällig an den erfolgreichen Grand Cherokee. Passend dazu die Einrichtung. Keine nach US-Sitte grob zusammengehauenen Kunststoffe, sondern ansehnliches Material, freundliche Formen, alles geschmackvoll. Das Platzangebot allerdings ist knapper als sonst in dieser Klasse, besonders im Fond. Und die Sitze haben zu kurze Auflagen, bieten wenig Seitenhalt.
Nicht empfehlenswert: Mit der Automatik geht die Freude am an sich guten Diesel verloren.
Bild: FCA Automobiles
Die Technik des Compass stammt aus dem Fiat-Regal, Fiat 500X und Jeep Renegade fahren damit. Der hier getestete 140-PS-Diesel war gekoppelt an eine Neunstufenautomatik. Diese Kombination empfehlen wir nicht unbedingt. Den 2,0-Liter-Diesel betrifft das nicht, der reicht völlig. Er schiebt durchaus kräftig an, brummt dabei kernig. Erst ab etwa Tempo 140 verliert er dann an Spannkraft. Aber die Automatik! Die arbeitet teilweise ruckelig und kommt mit dem Sortieren der neun Stufen häufig mal durcheinander. Abgestimmt hat Jeep den Compass eher gemütlich, er fährt sich unaufgeregt und mag keine Hast. Die Lenkung spricht recht direkt an, wirkt aber ziemlich gefühllos.
Der Compass mit 140-PS-Diesel, Allrad und Automatik steht als Limited für 35.900 Euro in der Liste, die Ausstattung mit 18-Zöllern, Klimaautomatik und 7-Zoll-Touchscreen geht in Ordnung. Ein ähnlicher Hyundai Tucson mit 136-PS-Diesel kostet 36.140 Euro, ein VW Tiguan Comfortline (150 PS) 37.675 Euro. Zumindest der Preis klingt also durchaus verlockend.
Der Compass kann sich wirklich sehen lassen, ist geschmackvoll eingerichtet, hat vor allem Charme. Die Fans wird es deshalb kaum stören, dass er etwas knapper geschnitten und die Automatik unglücklich angepasst ist.