Jeep Grand Wagoneer (2024)
Der neue Grand Wagoneer ist Jeeps Familienoberhaupt
Mit dem Grand Wagoneer pirscht sich Jeep an Mercedes und Co ran. AUTO BILD war mit dem großen SUV im amerikanischen Westen unterwegs!
Bild: AUTO BILD
Achtung, jetzt kommt's dicke. Denn was Jeep uns da für einen kurzen Roadtrip durch den amerikanischen Westen ins Flughafenparkhaus gestellt hat, geht hierzulande schon als Kleinlaster durch: 5,45 Meter misst der Grand Wagoneer, und innen fühlt er sich so riesig an, dass sie sogar eine Kamera eingebaut haben, damit man die Hinterbänkler nicht aus den Augen verliert.
Bei uns sprengen solche Autos alle Vorstellungen und lassen selbst kolossale Geländewagen wie einen Mercedes GLS, einen Audi Q8, einen BMW X7 oder einen Range Rover klein aussehen.
Doch in Amerika ist das gehobenes SUV-Mittelmaß, und weil es keine repräsentativen Limousinen mehr aus Detroit gibt, kaufen patriotische Besserverdiener lieber einen Cadillac Escalade, einen Lincoln Navigator oder jetzt eben wieder einen Grand Wagoneer.

Allrad und Luftfederung machen selbst Langstrecken zu einem kurzweiligen Vergnügen.
Bild: Stellantis
Grand Wagoneer, das ist ein Name, bei dem US-Fans hellhörig werden. Schließlich war er 1962 lange vor dem Range Rover oder der Mercedes G-Klasse der erste Geländewagen, der auf Luxus machen durfte – und hat sich damit bald 30 Jahre lang gehalten. Später dann nur noch eine Ausstattungsvariante des Grand Cherokee, ist er im Doppelpack mit seinem kleinen Bruder Wagoneer seit 2021 wieder am Start und gibt – so ähnlich wie bei uns Maybach für Mercedes – als Marke in der Marke das Flaggschiff der amerikanischen Stellantis-Sippe.
Der Grand Wagoneer ist Jeeps Familienoberhaupt
Das spiegelt sich in den Preisen wider: Der kleine Wagen kostet mindestens 62.300 Dollar, ein Grand Wagoneer wie unser Testwagen ist ab 92.540 Dollar erhältlich, für die L-Version rufen die Amerikaner noch mal 3000 Dollar mehr auf. Für US-Verhältnisse sind das stolze Summen. Doch rückt ein Blick in die amerikanischen Preislisten von Mercedes & Co das Bild wieder zurecht: Der GLS kostet mindestens 87.000 Dollar, als Maybach 174.000 Dollar, und ein Range Rover ist drüben nicht unter 107.400 Dollar zu haben.
Für seine Rolle als Familienoberhaupt hat Jeep den Grand Wagoneer ordentlich aufgeblasen. Beim Blick unter die Haube macht sich allerdings erst mal eine gewisse Enttäuschung breit. Denn wo bislang souveräne Hemis auf acht Flammen kochten, muss jetzt ein Reihensechszylinder aus der Hurricane-Familie genügen. Klar, der klingt anders, und natürlich machen 3,0 Liter Hubraum nicht halb so viel her wie 6,4 Liter. Aber all diese sentimentalen Gedanken verfliegen, wenn die Turbos hochdrehen.

Bei sechs Ledersesseln wie diesen fährt man lieber durchs Land, als drüberzufliegen.
Bild: Stellantis
Denn mit 510 PS und fast 680 Nm ist er spürbar stärker als der gute alte V8, reagiert spontaner und bringt den Grand Wagoneer ordentlich auf Trab: Von null auf 100 in weniger als fünf Sekunden ist nicht schlecht, und fühlt sich in so einem Koloss noch imposanter an. Und auch wenn die Elektronik schon bei 185 km/h die Reißleine zieht, ist der Grand Wagoneer damit schneller, als die Polizei erlaubt. Zumindest daheim in den USA, und an den Export zu uns denkt in Detroit ohnehin keiner.
Luxus von vorne bis hinten
Natürlich gehen Besuchern wie uns in den amerikanischen Landschaften die Augen über. Doch auch der Wilde Westen ist nicht überall pittoresk und bisweilen einfach nur weit und reichlich monoton. Das wissen sie natürlich auch in Detroit und kompensieren das mit jeder Menge Technik. Während das beim Fahrer nur eingeschränkt auffällt, da die Assistenten für nahezu autonomes Fahren zwei, drei Klassen schlechter sind als bei Ford und Cadillac oder den deutschen Importmodellen, hört man von den bis zu sechs anderen Plätzen jedoch keine Klagen.

AUTO BILD-Autor Thomas Geiger: "Der große Jeep hat ein Ambiente wie eine Luxusranch."
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Nicht umsonst haben die Amis sieben Bildschirme mit zusammen 75 Inch und 12 Millionen Pixeln eingebaut und die Sitze im Fond klimatisiert. In der ersten Reihe kann unter einem Dutzend Massageprogrammen gewählt werden, von oben grüßt die Sonne durchs riesige Panoramadach, und mit reichlich Lack und Leder schufen die Designer eine Atmosphäre wie auf einer Ranch, die zum Fünf-Sterne-Hotel umgebaut wurde.
Aber der größte Luxus ist der Platz. Es gibt Türtaschen, groß genug fürs Handgepäck, und der Kofferraum nimmt das Gepäck eines ganzen Jahresurlaubs auf. Schon hinter der dritten Sitzreihe sind es 800 Liter, und wenn sich auf Knopfdruck ein Sessel nach dem anderen flach macht, wächst die riesige Höhle hinter der Heckklappe auf bis zu 2700 Liter an. Ach, wie gern hätte ich mal so lange Ferien, dass ich diesen Kofferraum mit Reisegepäck füllen könnte.
Technische Daten und Preis: Jeep Grand Wagoneer
- Motor: Reihensechszylinder, Biturbo
- Leistung: 510 PS
- Max. Drehmoment: 680 Nm
- Preis: ab 92.540 Dollar
Fazit
Das können sie einfach, die Amis: Wenn es um dicke, fette SUV geht, macht ihnen keiner was vor.
Klar sind Autos wie ein Mercedes GLS oder ein Range Rover noch
ein bisschen feiner und haben mehr technische Finessen. Doch weil Größe eben Gelassenheit bringt und die Ausstattung so üppig ist, gibt
es kaum ein besseres Reiseauto als den Grand Wagoneer.
Service-Links










