Katalysator Klau

Katalysator-Diebstahl: Edelmetall, Platin, Reparaturkosten, Versicherung

Katalysator-Diebstähle nehmen zu: Das können Sie gegen Kat-Klau tun

Die Zahl der Katalysator-Diebstähle steigt rasant, das teure Edelmetall im Abgasreiniger ist der Grund. AUTO BILD erklärt, wie die Diebe vorgehen – und wie Sie sich schützen können!
Ein lautes Röhren unter dem Toyota, die Motorkontrollleuchte schickt warnendes Gelb Richtung Fahrer. Die böse Überraschung für Prius-Besitzer Thomas Bücher: Es ist kein Fehler in der Fahrzeugtechnik. Schuld sind kriminelle Edelmetalljäger. Die haben es mittlerweile auch auf Katalysatoren abgesehen und diesen einfach unter dem geparkten Wagen weggeklaut – mitten in Wuppertal, auf einem öffentlichen Parkplatz. Das Ganze dauert zwei, drei Minuten und verursacht kaum Lärm. Die gestohlenen Kats landen anschließend in Recyclingbetrieben, werden zerlegt, die wertvollen Bestandteile wie Platin und Palladium vom Rest getrennt. Die dreisten Diebe bekommen zwischen 100 und 600 Euro für einen Katalysator, bei gesuchten Modellen kann es auch mehr sein. Der Bestohlene muss meist seine Versicherung bemühen.

Neuer Katalysator kostet mit Einbau 2960 Euro

Der Katalysator des Toyota Prius sitzt gut versteckt in einem Tunnel in der Mitte des Fahrzeugbodens.

©Andre Tilmann

Der Katalysator des Toyota Prius sitzt gut versteckt in einem Tunnel in der Mitte des Fahrzeugbodens. Das hält die Diebe nicht ab. Das Auto wird mit einem Wagenheber angehoben, um an den Kat zu gelangen. Ein neues Exemplar kostet für den Prius stolze 2257 Euro, dazu kommen Lohn für die Reparatur und weitere Teile. Das summiert sich beim Toyota von Bücher auf 2960 Euro. Und das schon zum zweiten Mal innerhalb eines Dreivierteljahres. Entsprechend genervt ist er, denn bisher hat die Versicherung zwar den Schaden bezahlt, aber auf 300 Euro Selbstbeteiligung blieb er jeweils sitzen. Dazu kommen die nervige Lauferei und Lieferprobleme für Katalysatoren bei Toyota. Beim letzten Mal stand der Wagen fast einen Monat, bis er wieder fahrbereit war.

Deutschlandweit viele Fälle von Katalysator-Klau – plus Dunkelziffer

In Deutschland gibt es keine umfassende Statistik, die den Kat-Klau gesondert behandelt – weder vom Staat noch vonseiten der Kfz-Versicherungen. Alles läuft unter der Kategorie "Teilediebstahl". Die ADAC-Straßenwacht veröffentlicht jedoch aktuelle Zahlen. Und die sind alarmierend: Lag die Anzahl der Diebstähle im gesamten Jahr 2020 noch bei 420 Fällen, sind es 2021 bereits 428 Fälle allein in der ersten Jahreshälfte. Die Gesamtzahl der Fälle könnte noch viel höher sein, schließlich kennt die ADAC-Straßenwacht nur die Fälle, bei denen sie an Ort und Stelle war. Meldungen zu gestohlenen Katalysatoren finden sich im Presseportal der Polizei.
Autoteile bei ebay

Auspuffanlage

Lambdasonde

Katalysator

Schon ein schneller Blick zeigt: Fast jeden Tag gibt es neue Fälle. Allein für Juli 2021 meldet das Presseportal der Polizei 47-mal Kat-Klau. Einige Beispiele aus Polizeimeldungen:
► Wolfenbüttel, am 2. oder 3. Juli: VW Polo – Schaden in Höhe von etwa 500 Euro;
► Hildesheim, 6. bis 7. Juli: VW Passat, abgestellt aufs Bahnhofsvorplatz – Schaden von etwa 3000 Euro;
► Herford, Ende Juli: Diebstähle von gleich vier Katalysatoren auf einem Park-and-Ride-Parkplatz.
Die Dunkelziffer ist auch hier vermutlich hoch, schließlich ruft nicht jedes Opfer die Polizei. Thomas Bücher jedenfalls reicht es, der Toyota Prius steht jetzt bei seinem Vater Heinrich in einem Dorf bei Bonn. Bücher hofft, dass der Prius-Katalysator hier sicher(er) vor Dieben ist.

Katalysatoren mit wertvollem Innenleben

In einem wabenartigen Keramikträger im Katalysator sitzen teure Edelmetalle, um Abgase zu wandeln.

©AUTO BILD

Als Katalysator wird in der Chemie ein Stoff bezeichnet, der eine Reaktion beschleunigt, dabei selbst aber nicht verbraucht wird. Der Katalysator im Auto wurde gleich als ganzes Teil so bezeichnet. Er verbessert die Abgasreinigung, seit 1993 ist er Pflicht in allen neu zugelassenen Fahrzeugen. Im Katalysator gibt es einen wabenartigen Keramikträger. Hier sitzen teure Edelmetalle, um in einem katalytischen Prozess Abgase zu wandeln: Zum einen ungefähr vier Gramm Platin. Das kostet 27 Euro pro Gramm. Dazu noch etwas Palladium und Rhodium. Ein Gramm Palladium bringt auf dem Rohstoffmarkt mehr als 64 Euro. Rhodium kostet sogar mehr als 500 Euro pro Gramm – der Preis hat sich in den letzten drei Jahren fast verzehnfacht!

Wie schütze ich mich vor Kat-Klau?

Neben den offensichtlichen Tipps – an gut sichtbaren, nachts beleuchteten Stellen parken zum Beispiel – gibt es durchaus weitere Möglichkeiten, sich vor dem Diebstahl oder zumindest vor dessen finanziellen Folgen zu schützen. Bei alten, weitgehend wertlosen Fahrzeugen kann es sinnvoll sein, den Katalysator von unten in einer auffälligen Farbe anzusprayen – in Neongelb etwa. Diese Farbe müssten Diebe vor Verkauf entfernen, so wird der Klau unattraktiv. Eine Befestigung als Diebstahlschutz ist ebenfalls möglich, muss jedoch eventuell von einem Sachverständigen geprüft werden. Um sich als Versicherter vor einer Selbstbeteiligung im Schadensfall zu schützen: Schließen Sie eine Teilkaskoversicherung ohne Selbstbeteiligung ab. Die kostet zwar ein paar Euro mehr im Jahr, dafür haben Sie dann Ruhe – Schadenfreiheitsklassen gibt es in der Teilkasko ohnehin nicht, im Schadensfall bliebe der Beitrag also gleich.
Bernd Volkens

Bernd Volkens

Fazit

Diebe werden immer dreister. Katalysatoren werden selbst tagsüber auf öffentlichen Parkplätzen geklaut. Mit Teilkasko hält sich der Schaden finanziell in Grenzen. Wird der Katalysator von einem alten Auto ohne Teilkasko geklaut, kommt das einem Totalschaden gleich.

Fotos: Andre Tilmann

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.