KGM Actyon 1.5 T-GDi im Test
Preisbrecher im Luxus-Look: KGM Actyon setzt auf einfachen Antrieb
KGM Actyon 1.5 T-GDi im ersten Test
Der KGM Actyon wirkt teuer, ist aber bürgerlich eingepreist und motorisiert – ohne jede Hybridisierung, einfach ein Benziner. AUTO BILD hat ihn getestet.
Bild: KG Mobility
Die Nachbarn vermuten einen Lottogewinn, wenn wir mit dem Actyon vorfahren: verspielte LED-Lichtzeremonien vorn, das Heckdesign schwer nach Range Rover aussehend. Hinter der Drei-Buchstaben-Marke steckt kein Chinese – das ist ein Koreaner; die Marke hieß früher SsangYong.
Der koreanische Chemie- und Stahlriese KG Group hat SsangYong übernommen und wollte einen frischen Start unter dem Namen KG Mobility (KGM).
Technisch ein alter Bekannter
Es gab 2006 mal einen SsangYong Actyon: das erste Fließheck-SUV überhaupt, noch vor dem BMW X6. Der neue Actyon nutzt die Technikbasis des 2019 präsentierten Tiguan-Konkurrenten Korando – streng genommen ist er ein Korando mit breiterer (1,91 m) wie längerer (4,74 m) Karosserie und luxuriöserem Interieur.

Bekannte Basis: Der Actyon steht auf derselben Plattform wie der Korando, macht sich nur mit 4,74 Metern nur länger – und breiter.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Verzurrösen über den Kotflügeln vorn erinnern an kernige Offroader à la Ford Bronco und laden dazu ein, einen Spanngurt durchzufädeln, um etwa ein Ruderboot auf dem Dach zusätzlich zu sichern. Leider steht keine Zuglastangabe drauf; dem Hersteller zufolge handelt es sich um reine Designelemente, Zierrat also.
Sie wirken aber mit ihrem Metallkern so robust, dass so mancher Besitzer sie vermutlich doch fürs Fixieren von Dachlasten nutzen dürfte. Die 472 kg Zuladung und die 1,5 Tonnen Zuglast sind okay, aber keine Geländewagenwerte – für ganz schwere Aufgaben gibt es ja den Rexton aus demselben Hause.
Fahrzeugdaten
Modell | KGM Actyon 1.5 T-GDi |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder, Turbo |
Einbaulage | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette |
Hubraum | 1497 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 120 (163)/5000 |
Nm bei 1/min | 280/1500 |
Vmax | 191 km/h |
Getriebe | Sechsstufenautomatik |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 245/45 R 20 Y |
Reifentyp | Michelin Pilot Sport 5 |
Radgröße | k. A. |
Abgas CO2 | 193 g/km |
Verbrauch* | 8,5 l/100 km |
Tankinhalt | 50 l |
Kraftstoffsorte | Super |
Ottopartikelfilter | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 67 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1500/500 kg |
Stützlast | 60 kg |
Kofferraumvolumen | 668–1568 l |
Länge/Breite/Höhe | 4740/1910–2065**/1670 mm |
Radstand | 2680 mm |
Grundpreis | 35.790 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 42.250 Euro |
Gleich beim Einsteigen fallen einige klassische Tugenden auf: große Türen, leichter Einstieg dank schmaler Schweller, große Bügelgriffe, breiter Laderaum, die Seitenscheiben hinten lassen sich komplett versenken. An den Türen ist nacktes Blech mit Schweißnaht zu sehen; an einem Stück wäre edler. Übersichtlichkeit nach hinten stand sicher nicht im Lastenheft, daher ist die Heckkamera Serie.
Hinten gibt es reichlich Platz
Die Sitze sind echt asiatisch: Großgewachsene wünschen sich mehr Beinauflage und Längsverstellbereich, das Knickmaß (Abstand Bremspedal–Lehne, wichtig für Langbeinige) fällt mit 1100 mm klein aus. Die Gurte sind selbst in der höchsten Stellung zu tief montiert für großgewachsene Nordeuropäer. Echt koreanisch im besten Sinne: die Verstelltasten an der Innenseite des Beifahrersitzes.

Raumgefühl und Sitzposition hinten lassen kaum Wünsche offen. Für drei Fond-Fahrgäste ist der Actyon allerdings etwas schmal.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Hinten sitzt man sehr bequem, volle 30 cm über dem Wagenboden. Hier ist nichts verstellbar, aber die Lehnenneigung passt. Ebenfalls angenehm: Über eine Taste in der rechten Lenkradspeiche sowie über das obere Touchscreen-Ausklappmenü lassen sich nervige Assistenten abschalten.
Eine Sprachbedienung gibt es nicht
Man merkt schon, dass die Basis aus dem Jahr 2019 stammt: Nach Head-up-Display, Sprachbedienung oder Spotify und Co muss man hier gar nicht erst fragen. Die große Taste in der linken Lenkradspeiche führt auf eine falsche Fährte: Das ist nur die Spracheingabe für die Handy-Aktivierung. Die Mobiltelefonanbindung ist noch kabelgebunden. Auch das TomTom-Navi ist von eher schlichter Machart.

Wenig modern: Da die technische Basis von 2019 stammt, gibt es Dinge wie Head-up-Display oder Sprachbedienung im Actyon nicht.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Kritisiert haben wir schon an anderen KGM-Modellen die zu klein geratenen Kippschalter für Tempomat oder Audiolautstärke in den Lenkradspeichen. Sie schneiden schon in die Haut ein, so winzig sind sie. Zudem sprechen sie seltsam unsensibel an.
Der 1,5-Liter-Vierzylinder reicht
Nett anzuschauen: Der luftige Motorraum, in dem man bis auf die Achsen herunterblicken kann – außer einem 1,5-Liter-Downsizing-Benziner (mit klassischem Ölpeilstab) und einem Turbo ist halt nichts drin. Der Vierzylinder-Direkteinspritzer mit 163 PS aus nur 1,5 Liter Hubraum dreht etwas unwillig hoch, klingt dabei sportiv mit Tendenz zu rau, aber der Phonzahlmesser spuckt einen eher durchschnittlichen Wert von 70 dB(A) aus.

Der 163 PS starke Turbo-Vierzylinder bringt den Actyon zumindest bis 130 km/h zügig in Schwung. Aber der Motor ist eindeutig zu durstig.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die altbewährte Sechsstufen-Wandlerautomatik von Aisin schaltet spätestens bei 5400 Umdrehungen hoch. Der sechste Gang ist fast ein Overdrive. Da das SUV mit 1,6 Tonnen nicht übermäßig schwer geriet, reichen die 163 PS und 280 Nm Drehmoment durchaus. So spurtet der Actyon flott bis 130 km/h, danach wird's zäh.
Messwerte
Modell | KGM Actyon 1.5 T-GDi |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,5 s |
0–100 km/h | 10,2 s |
0–130 km/h | 19,3 s |
0–160 km/h | 38,5 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 5,7 s |
80–120 km/h | 8,3 s |
Leergewicht/Zuladung | 1608/472 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 57/43 % |
Wendekreis links/rechts | 11,4/11,5 m |
Sitzhöhe | 690 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 34,2 m |
aus 100 km/h warm | 33,5 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 59 dB(A) |
bei 100 km/h | 66 dB(A) |
bei 130 km/h | 70 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 7,7 l S/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 9,3 l S/100 km (+9 %) |
Sportverbrauch | 11,9 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 220 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 537 km |
Ein Kostverächter ist der Turbobenziner leider nicht; es ist schwierig, ihn unter die Acht-Liter-Marke zu drücken. Elf bis zwölf Liter auf 100 km sind auf der Autobahn üblich. Dann erscheint der 50-Liter-Tank zu klein für ein an sich reisetaugliches Auto, das zudem Windgeräusche kaum kennt.
Abstimmung nicht ganz konsequent
Mit seinen serienmäßigen 20-Zoll-Rädern federt der Koreaner straff an, taucht bei gröberen Bodenwellen aber tief ein, und die zu schlappe Dämpfung lässt die Hinterachse dann zu weit herausschnellen. Alles nicht in riskanter Weise, aber es ist unnötig viel Bewegung in der Karosserie.

Der Actyon federt straff an, taucht auf gröberen Bodenwellen aber tief ein – die zu wenig gedämpfte Hinterachse schnellt beim Ausfedern weit hinaus.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die Lenkung geriet leichtgängig und leicht diffus, ohne komplett gefühllos zu sein. Teils sind Schwingungen der Vorderachse in der Lenkung zu spüren, sie ist aber nicht stößig und passt zu dieser Sorte Auto. Der Sportmodus macht sie nur teigiger, aber nicht präziser.
Beim Bremsen ist der Actyon stark
Im Slalom ist zu den SUV der Premiummarken schon ein Unterschied spürbar, die Lenkung zeigt Verhärtungserscheinungen. Im Ausweichtest reagiert das ESP spät, durchaus noch rechtzeitig, aber auch etwas grob. Der Actyon vermeidet zwar Aufstellen oder Kippen, knickt aber über die Federung kräftig ein und stempelt im Ausweichtest hinten ein wenig. Das Fahrverhalten ist völlig unkritisch, ginge aber auch harmonischer.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Eine gute Wahl sind die Reifen vom Typ Michelin Pilot Sport 5 mit viel Grip, was sich in kurzen Bremswegen niederschlägt. Die Bremse selbst überzeugt ebenfalls, kennt fast kein Fading. Nur das Pedalgefühl ist etwas weich.
Wertung KGM Actyon 1.5 T-GDi
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Luftiges Raumgefühl. Vorn nichts für Langbeinige. Nach hinten unübersichtlich. Großer Laderaum. | 3,5 / 5 |
Antrieb | Drehunwilliger 1,5-Liter-Turbo, Leistung reicht aber. Sechsstufen-Wandler mit langem 6. Gang. | 3 / 5 |
Fahrdynamik | Gute Traktion. Wenig harmonische Federung. Lenkung leichtgängig-diffus. Gute Bremse ohne Fading. | 3 / 5 |
Connected Car | Einfach gehaltenes Tom-Tom-Navi. Keine eigene Spracheingabe. CarPlay/Android Auto via Kabel. | 2,5 / 5 |
Umwelt | Relativ leicht, aber CO2-Ausstoß und Verbrauch hoch – eben ein Benziner ohne jede Hybridisierung. | 2 / 5 |
Komfort | Federung spricht leicht trampelig an, unterdämpft, viel Karosseriebewegung. Teils fummelige Bedienung. | 3 / 5 |
Kosten | Faire Preise, viel Ausstattung. Jährliche Wartung, Kasko teuer, nur 6 Jahre Durchrostungs-Garantie. | 3 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 2,8 |
Preisliste hat nur acht Extras
Im Kostenkapitel stehen dem günstigen Preis jährliche Wartung und eher teure Kasko gegenüber. Und die Durchrostungsgarantie von sechs Jahren liegt unter dem heute üblichen Durchschnitt. Alle Kritikpunkte sind hier in Relation zum Preis zu betrachten: Selbst in der Grundversion (Core) sind beheizte wie belüftete Ledersitze, Lordosenstütze fahrerseitig, Heckkamera, 20-Zoll-Räder, Dachreling und Privacy-Verglasung Serie.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die Preisliste umfasst nur acht Extras, etwa Automatik (2200 Euro), Allrad (2200 Euro), E-Heckklappe (1100 Euro), Glasschiebedach (1200 Euro) – das war's im Wesentlichen. Wer gern selber schaltet und keinen Allrad braucht, kann ruhig die Grundversion zu 35.790 Euro nehmen – wo sonst gibt es so etwas noch?
Fazit
Der KGM Actyon ist vielleicht nicht die erste Wahl für Autobahn-Vielfahrer und Konnektivitäts-Freaks, aber ein sehr fair eingepreistes Gesamtpaket ohne große Schwächen und mit Top-Bremsen. Wem der Autobahnverbrauch arg hoch erscheint: Im Verlauf des Jahres 2026 kommt der Actyon auch als Vollhybrid. AUTO BILD-Testnote: 2,8
Service-Links























