Zwischen Kia und VW passt kein Blatt. Jedenfalls, wenn es um die Typbezeichnung geht. Die Zahl 3 im Namen ist bei beiden Marken für kompakte Stromer gesetzt. Auch im Datenblatt stehen die Fünftürer sich sehr nah: 231 PS Leistung beim Wolfsburger, 204 PS aus Korea.

Zwei elektrische Kompakte im Test

#Getestete ProduktePreis
1.
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VW ID.3 Pro S
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2.
Kia EV3
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Der Verbrauch des VW soll bei 16,0 kWh auf 100 Kilometer liegen, Kia nennt 16,2 kWh. Macht nach WLTP 548 Kilometer Aktionsradius bzw. 563 Kilometer. Alles klar also, es könnte somit Gleichstand herrschen zwischen VW ID.3 und Kia EV3.

Größere Batterie bedeutet höherer Preis

Mit Konjunktiv kommen wir aber nicht weiter. Könnte, würde, hätte – das hat in Vergleichstests nichts zu suchen. Wir prüfen lieber: Wer setzt seine Leistung wie ein? Wer kommt tatsächlich wie weit mit einer Akkufüllung? Und: Wie nah ist der versprochene Verbrauchswert an praktischen Zahlen dran? Unser Duell nach Punkten klärt solche Detailfragen – und liefert am Ende eine klare Kaufempfehlung.
Kia EV3 VW ID.3 Pro S
Teure Kompakte: Kia EV3 und VW ID.3 treten jeweils mit dem größten Akku zum Test an – das merkt man leider auch am Kaufpreis.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Im Vergleich der beiden "Dreier" treten die leistungsfähigeren Modelle ihrer jeweiligen Reihe an. Das wären: der ID.3 als "Pro S" mit 77 kWh Akkukapazität und der EV3 in der "GT-line" (81,4 kWh Batteriegröße). Heißt für die beiden Typen: mehr Ausstattung, mehr Luxus, mehr Sicherheit, mehr Spaß. Heißt für uns: Preislisten wälzen und neu sortieren.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart
Synchronelektromotor
Synchronelektromotor
Einbaulage
vorn
hinten
Spitzenleistung
150 kW (204 PS)
170 kW (231 PS)
Dauerleistung
50 kW (68 PS)
70 kW (96 PS)
Systemdrehmoment
283 Nm
k. A.
Vmax
170 km/h
160 km/h
Getriebe
Einganggetriebe
Einganggetriebe
Antrieb
Vorderradantrieb
Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Scheiben/Trommel
Testwagenbereifung
215/50 R 19 H
215/45 R 20 H
Reifentyp
Hankook iOn eco
Bridgestone Turanza 6 Enliten
Radgröße
7,5 x 19"
8 x 20"
Reichweite*
563 km
548 km
Verbrauch*
16,2 kWh/100 km
16,0 kWh/100 km
Batteriekapazität (netto)
81,4 kWh
77 kWh
Ladeleistung (AC/DC)
10,5/128 kW
11/175 kW
Ladeanschluss
vorn rechts
hinten rechts
Ladezeit (10–80 %, DC-Laden)
31 Minuten
28 Minuten
Fach unter Frontklappe
28 Liter
-
Vorbeifahrgeräusch
67 dB(A)
64 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
100/750 kg
-
Stützlast
k. A.
-
Kofferraumvolumen
460–1251 l 
385–1267 l 
Länge/Breite/Höhe
4310/1850/1570 mm
4264/1809/1564 mm
Radstand
2680 mm
2770 mm
Grundpreis
41.390 Euro
44.025 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
51.170 Euro
52.105 Euro
Aus den noch erträglichen Grundpreisen (41.390 Euro Kia, 44.025 Euro VW) werden nämlich eher happige 51.170 und 52.105 Euro Gesamtpreis inklusive der für diesen Test relevanten Extras. Dabei bietet der günstigere Kia sogar mehr Ausstattung. Eine 360-Grad-Kamera erleichtert dann das Einparken, den Temporegler baut Kia ebenfalls mit ein.

VW mit mehr Fahrassistenz

VW kontert mit zusätzlichen Funktionen der Fahrassistenz. Im ID.3 sichern ein Staufolgeassistent und eine umfangreichere radargestützte Temporegelung (bremst zum Beispiel auch vor Kreisverkehren und Ortschaften im Voraus selbsttätig) die Fahrt ab. In Sachen Sicherheit (beide auf hohem Stand) und Connectivity (VW mit ChatGPT, Kia mit umfangreicherem Kommandoverständnis der Sprachsteuerung) nehmen sich die beiden E-Mobile nicht viel.
VW ID.3 Pro S
Die bessere Ausstattung des Kia kontert VW mit mehr Fahrassistenz. Im ID.3 sind Staufolgeassistent und Temporegelung an Bord.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Ganz anders beim Thema Nutzwert. Hier punktet der geräumigere Kia mit angenehmem Raumgefühl, mehr Volumen im Gepäckabteil und den leicht zugänglichen großen Ablagen. Außerdem lässt sich der EV3 mit einer Anhängerkupplung ausrüsten – was den Fahrradtransport enorm erleichtert.

VW rollt erstaunlich zart ab

Den besseren Sitzkomfort sehen wir dagegen beim VW. Hier fühlen sich Fahrer und Passagiere besser seitlich gestützt, außerdem nimmt der Fahrer des ID.3 eine intimer ins Auto integrierte Sitzposition wahr. Die angenehm großen und optimal gepolsterten Sitze des ID.3 verfügen sogar über ein Gütesiegel, sollen nach diesem Prädikat besonders rückenfreundlich konzipiert sein.
VW ID.3 Pro S
Der VW ID.3 rollt trotz seiner 20 Zoll großen Bereifung erstaunlich zart ab. Das Adaptivfahrwerk schluckt alle Unebenheiten klaglos.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Das bringt uns zum Thema Federung. Keine Klagen beim VW – so die Kurzfassung. Die längere: Der ID.3 rollt trotz 20 Zoll großer Testwagenbereifung erstaunlich zart ab, das adaptive Fahrwerk nimmt kleine wie derbe Unebenheiten im Asphalt klaglos hin, hört sich bei höherem Tempo leiser an und wirkt einen Tick hochwertiger montiert – so sind ihm Knarzgeräusche auf Kopfsteinpflaster fremd.

Kia macht einen teureren Eindruck

Was nicht heißt, dass der Kia mit klappernder Akustik auf sich aufmerksam macht. Ganz im Gegenteil, der Innenraum wirkt sehr sorgfältig montiert, die Elemente gut zusammengefügt – man scheint in einem teureren Auto zu sitzen, passt. Der EV3 rollt halt kantiger und spürbarer über geflickte Stellen im Asphalt hinweg.
Kia EV3
Auch wenn der Kia spürbarer über Fahrbahnunebenheiten abrollt, sind auch in seinem Innenraum keinerlei störende Geräusche vernehmbar.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Darüber hinaus geht der ID.3 als das lebendigere Auto durch. Sein Plus an Leistung setzt er schließlich auch in bessere Sprintwerte und einen effektiveren Antritt aus dem Stand heraus um. Für beide Typen gilt: Den typischen Durchzugsdruck beim Überholen vermitteln sie gleichermaßen.

Die Bremswege sind bei beiden kurz

Beim Kia notieren wir aufgrund des Vorderradantriebs gelegentliches Scharren der Antriebsräder und einen minimal beirrbareren Geradeauslauf, der VW lenkt sich zudem gelassener und lässt sich gefühlvoller dirigieren, wirkt auch im Rangierbetrieb handlicher. Gut: Sowohl Kia als auch VW bestehen die Bremsenprüfung fehlerfrei, rund 35 Meter für die Übung 100 km/h bis Stillstand sind passabel kurz für dieses Segment.
Kia EV3 VW ID.3 Pro S
Das passt: Sowohl Kia EV3 als auch VW ID.3 brauchen aus Tempo 100 bis zum Stillstand rund 35 Meter – passabel kurz für ihr Segment.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
So weit die Fahrqualitäten der beiden – leichte Vorteile für den ID.3 also. Im Stillstand kippt die Sachlage nochmals weiter in Richtung Wolfsburg. Beim Schnellladen schafft der VW 175 kW Leistung, dem Kia müssen 145 kW reichen. Zum Ausgleich verbraucht der EV3 weniger Strom und speichert Energie in einem größeren Akku – das bügelt die Lade-Hemmungen wieder glatt, im Alltag sollten sich diese Unterschiede kaum negativ auswirken.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
581
577
Platz
1
2
Fazit
Das komfortablere und fahraktivere Auto, der ID beherrscht das Thema Fahrassistenz besser, lädt schneller.
Bei Kaufpreis und Unterhalt das günstigere Auto, dabei ist der EV3 geräumiger und universeller im Alltag.
Eher die Kostenfrage. Zählen wir Kaufpreis, Wertverlust und Garantie zusammen, steht der Kia besser da als der VW. Allerdings hat VW seinen E-Mobilitäts-Bonus (3570 Euro für alle ID-Modelle) bis zum 31. März 2025 verlängert. Am Ende sichert sich der ID.3 in unserem Test einen minimalen Vorsprung. Sagen wir so: Dazwischen passt höchstens ein Blatt.

Bildergalerie

Kia EV3 VW ID.3 Pro S
VW ID.3 Pro S
Kia EV3
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Zwei elektrische Kompakte im Vergleichstest

Fazit

Trotz höherer Listenpreise kann der VW knapp den Sieg holen. Dabei helfen ihm sein agileres Fahrwesen und die feiner zugeschnittenen Assistenzsysteme. Der Kia profitiert von seiner schlaueren Raumökonomie, ist dabei ebenfalls ein enorm vielseitiger Begleiter.