Kia EV9 GT, Volvo EX90 Twin Motor AWD: Test
Dreireiher in Übergröße: Kia EV9 und Volvo EX90 im Maxi-SUV-Vergleich

Zwei summende Wuchtbrummen mit drei Sitzreihen: der verbesserte Volvo EX90 Twin Motor AWD gegen die nachgereichte GT-Version des Kia EV9.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Regelmäßigen AUTO BILD-Lesern dürfte nicht entgangen sein, dass wir Kia EV9 und Volvo EX90 schon einmal gegeneinander antreten ließen, und zwar in Ausgabe 18/2025. Nur waren sie damals fast nur von den Abmessungen her vergleichbar.
Zwei große Elektro-SUV im Test
Zwei Sechssitzer im XXL-Format
Für das Modelljahr 2026 hat Volvo den in South Carolina gebauten EX90 auf 800-Volt-Bordnetz umgestellt, und Kia hat die EV9-Baureihe mit der feinen GT-Version gekrönt. Beides ebnet die Preis- und Technik-Diskrepanz ein gutes Stück ein – deshalb vergleichen wir sie erneut.

Mächtig: Volvo EX90 und Kia EV9 strecken sich über fünf Meter und machen sich knapp zwei Meter breit – sie fordern Platz und bieten ihn.
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Beide sind Sechssitzer von normgaragensprengender Länge (Volvo 5,04 m/Kia 5,02 m) und Breite (Volvo 1,97 m/Kia 1,98 m). Während sich der Kia konventionell per Funkschlüssel öffnen und per – etwas verstecktem – Startknopf zum Leben erwecken lässt, versetzt der Volvo die Fans traditioneller Bedienkonzepte schon beim Öffnen in erhöhte Fluchbereitschaft. Nichts da zum Draufdrücken – man muss darauf vertrauen, dass der Wagen seinen rechtmäßigen Nutzer erkennt und ihm automatisch öffnet.
Volvo macht das Bedienen schwer
Nach dem Platznehmen geht die Sucherei weiter: keine Lenkrad- und Spiegelversteller, kein Handschuhfachöffner – alles nur noch über den 14,5-Zoll-Zentralschirm. Was man kennen sollte, ist das Menü "Fahrer-Einstellungen". Ist selbiges aufgerufen, lässt sich das Lenkrad über Tasten in der rechten Lenkradspeiche einstellen.

Clean und kompliziert: Das Fehlen von Tasten und Schaltern mag man schön finden, der Bedienung erweist das Design jedoch einen Bärendienst.
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Ganz schlimm: Wenn der Fahrer nachts eine Fehlermeldung – in unserem Falle ein falscher Scheinwerferfunktions-Alarm – mit der OK-Taste bestätigen soll. Die aber ist nicht beleuchtet und im Dunkeln nicht auffindbar. Auch die Tempomat-Tasten sind unbeleuchtet. Anfangs sucht man ständig irgendetwas. Es dauert viel zu lange, bis man sich mit diesem Auto versteht.
Fahrzeugdaten
Modell | Kia EV9 GT | Volvo EX90 Twin Motor AWD |
|---|---|---|
Motor Bauart | 2 Synchron-Elektromotoren | 2 Synchron-Elektromotoren |
Einbaulage | vorn und hinten | vorn und hinten |
Spitzenleistung | 374 kW (508 PS) | 335 kW (456 PS) |
Dauerleistung | 124 kW | 237 kW |
maximales Drehmoment | 740 Nm | 370 Nm |
Vmax | 220 km/h | 180 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Allradantrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 285/45 R 21 Y | v. 265/50 R 22, h. 295/35 R 22 |
Reifentyp | Continental SportContact 6 | Pirelli Scorpion Elect |
Radgröße | 9 x 21" | v. 9 x 22", h. 10 x 22" |
Reichweite* | 510 km | 611 km |
Verbrauch* | 21,7 kWh/100 km | 19,6 kWh/100 km |
Batterieart | Lithium-Ionen | Lithium-Ionen |
Batteriekapazität (netto) | 99,8 kWh | 107 kWh |
Ladeleistung (AC/DC) | 11/210 kW | 11/250 kW |
Ladezeit (DC-Laden; 10-80 %) | 24 Minuten | 22 Minuten |
Ladeanschluss | hinten rechts | hinten links |
Vorbeifahrgeräusch | 66 dB(A) | 66 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 2500/750 kg | 2200/750 kg |
Stützlast | 125 kg | 100 kg |
Kofferraumvolumen | 333–2393 l | 324–2135 l |
Länge/Breite/Höhe | 5015/1980–2263**/1755 mm | 5037/1964–2113**/1744 mm |
Radstand | 3100 mm | 2985 mm |
Grundpreis | 89.990 Euro | 94.690 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 90.980 Euro | 104.150 Euro |
Gemütlich sind dafür die Sitze (Seitenwangen-/Lordosenstützen-Verstellung auch wieder übers Zentralmenü), die im Kia sind aber noch besser dank mehr Halt im oberen Schulterbereich – fester und sportiver als das ganze Auto.
Ganz hinten sitzt man im Kia besser
Wagen wir uns in die dritte Reihe. Der Volvo beeindruckt anfangs mit ebener Ladefläche und Easy Entry (Fondsitze falten sich zusammen und sausen nach vorne). So ganz easy ist der Zugang zur dritten Sitzreihe dann doch nicht, da bietet der Kia den Füßen mehr Platz.

Ganz ordentlich untergebracht: In Reihe drei sitzt man im EV9 350 mm über dem Blech, bei nicht zu steiler Lehne – das ist akzeptabel.
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Im Kia hält man es in Reihe drei wegen der höheren Sitzposition und weniger steiler Lehne länger aus. Und nur bei ihm lässt sich auch die zweite Sitzreihe vom Laderaum aus elektrisch verstellen. Vorteil: Man muss nicht wieder ums halbe Auto herumlaufen, um die zweite Reihe zu konfigurieren.
EX90 gibt den sanften Gleiter
Der Kia nutzt den Raum besser dank kastigerer Form, auch die elf Zentimeter mehr Radstand merkt man. Was mit der Bedienung des Volvo versöhnt, sind drei Dinge. Erstens: Er ist so "hygge" wie eine skandinavische Edel-Wohnlandschaft. Akustik-Doppelglas haben beide, aber beim Volvo ist es dicker und wirksamer.

Sehr komfortabel: Die verstellbare Luftfederung des EX90 sorgt für ein wattiges Fahrgefühl – das auch die 22-Zoll-Räder nur selten stören.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Zweitens die Luftfederung (2160 Euro, verstellbar über ein sechsstufiges Menü) ist so komfortbetont abgestimmt, dass nicht einmal 22-Zoll-Räder dem wattigen Eindruck viel anhaben können – mit Ausnahme von Mikrostößen auf Querrillen.
Messwerte
Modell | Kia EV9 GT | Volvo EX90 Twin Motor AWD |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 1,9 s | 2,6 s |
0–100 km/h | 4,5 s | 5,9 s |
0–130 km/h | 7,0 s | 9,3 s |
0–160 km/h | 10,8 s | 14,3 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 2,2 s | 2,8 s |
80–120 km/h | 2,8 s | 3,7 s |
Leergewicht/Zuladung | 2661/549 kg | 2791/509 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 48/52 % | 47/53 % |
Wendekreis links/rechts | 12,9/12,9 m | 12,2/12,1 m |
Sitzhöhe | 750 mm | 750 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 38,0 m | 36,2 m |
aus 100 km/h warm | 35,2 m | 35,2 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 53 dB(A) | 51 dB(A) |
bei 100 km/h | 61 dB(A) | 59 dB(A) |
bei 130 km/h | 66 dB(A) | 65 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 26,0 kWh/100 km | 25,0 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 36,2 kWh/100 km (+67 %) | 35,6 kWh/100 km (+82 %) |
Sportverbrauch | 42,2 kWh/100 km | 37,0 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km | 0 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 308 km | 368 km |
EV9 mit strafferer Abstimmung
Das Kia-Fahrwerk mit Stahlfedern und Adaptivdämpfern gibt sich in der GT-Version klar straffer, macht aber auf heftigen Bodenwellen die Dämpfer weit auf und nutzt seine Federwege – nicht der fliegende Teppich einer Luftfederung, aber ebenfalls komfortabel.

Mit Stahlfedern und Adaptivdämpfern ist das Kia-Fahrwerk konventioneller ausgelegt. In der GT-Version ist es straffer, aber nicht unkomfortabel.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Drittens überrascht der EX90 mit kleinem Wendekreis, der das Leben mit ihm in der Stadt erleichtert. Was die links platzierte, große Ladeklappe gleich wieder konterkariert, denn an typischen Stadt-Ladeplätzen parallel zur Fahrbahn ragt sie in den Verkehr. Viertens: die Bowers-&-Wilkins-Audioanlage (3460 Euro). In deren Abbey-Road-Modus fühlt man sich, als säße man in den legendären Londoner Studios selbst am Mischpult. Pink-Floyd-Klassiker oder späte Aufnahmen der Beatles, die ja dort entstanden, klingen noch raumfüllender und irrwitziger als sonst.
Die Lenkungen sind bei beiden nicht perfekt, aber passen zum jeweiligen Charakter. Beim Volvo aus der Mitte heraus beinahe zackig, ansonsten teigig – passt zum Wohnzimmer-Charakter. Der EV9 GT lenkt sich, wie er heißt, verlangt nach mehr Handmoment.
Platzierung
Modell | Kia EV9 GT | Volvo EX90 Twin Motor AWD |
|---|---|---|
Punkte* | 583 | 565 |
Platz | 1 | 2 |
Testnote | 1,8 | 2,0 |
Fazit | Auch als teurer GT ein Punktesammler. Stärken: Variabilität, Raumökonomie, Fahrleistungen, lange Garantie. Versicherung teuer. | Noble Ausstrahlung, ablenkende Bedienung. Stärken: Reichweite, Federung, bessere Wiederverkaufs-Prognose. |
Der Volvo scheint für Menschen mit ausgeprägter Abneigung gegen mechanische Lösungen und das Fahren generell konzipiert zu sein. Der Akku etwa lässt sich nicht manuell konditionieren. Oder nehmen wir den Pilot Assist (Serie im Ultra): Fahrstufenwähler in "D" noch mal nach unten drücken, Lenkassistent per Lenkradtaste aktivieren, und bloßes Blinkersetzen leitet die Spurwechsel ein. Solche Systeme funktionieren meist nur mit viel Wenn und Aber, hier aber verlässlich – wenn man sich denn lenken lassen will.
Assistenten arbeiten nicht immer perfekt
Und der Volvo ist nicht durchweg so modern, wie er vorgibt. Der Kollisionswarner missdeutet brav rechts fahrende Lkw gern als Hindernis, eine Verkehrszeichenübernahme fehlt, Tempolimits zeigt er oft falsch an. Das Navi von Google braucht stets Netz, hält auch mal stur an einem Wegpunkt fest und will dann ständig dorthin zurück.

Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Der Kia verfügt zwar über eine Verkehrszeichenübernahme, die aber erkennt keine Kurven. Und: Kreisverkehre und Ortschaften erkennt sie zu spät – das geht besser. Matschige Waldwege kann der Volvo besser, denn er liegt höher: bis zu 250 mm Bodenfreiheit – vielleicht das bessere SUV, der Kia aber ist der bessere Sechssitzer.
Fazit
Erstaunlich verschiedene Charaktere, diese Elektro-Wuchtbrummen: Der Kia ist ein als SUV verkleideter Van mit allen Variabilitätstricks, der Volvo ein Designer-SUV mit einer Bedienung, die zu erhöhter Fluchbereitschaft führt. Der EX90 ist aber das noch gediegenere Auto und zieht dank 800 Volt ladetechnisch nun gleich mit dem Kia.
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