Kia K4 im Test
So fährt Kias US-Showstar mit Stufenschnitt

Bei uns haben billige Limousinen wenig Sexappeal. Doch im Rest der Welt stehen sie für großen Status zum kleinen Preis. Und mit dem K4 beweist Kia, dass man sich dafür keineswegs schämen muss.
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Es ist Viertel vor Feierabend in Pasadena, und vor dem Rathaus ist mächtig was los. Doch für ein paar Minuten nehmen die Fußgänger auf dem Weg nach Hause das Tempo raus und schauen gespannt auf die Plaza vor dem kapitalen Bau im kalifornischen Sonnenuntergang. Denn dort bringt sich der noch vergleichsweise neue Kia K4 für ein paar Fotos in Position und erregt die Aufmerksamkeit der Pendler.
Dass sich bei uns einer nach einer Stufenhecklimousine umdrehen würde, passiert diesseits von S-Klasse & Co eher selten. Und selbst bei den Luxuslinern geht es eher um die vermeintliche Prominenz im Fond als um das Fahrzeug selbst.

Ein durchweg moderner Look im Kia K4.
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Zwar ist die Wahrscheinlichkeit in den USA kaum größer, weil es dort anders als hierzulande noch so viele klassische Limousinen gibt. Denn während die Hautevolee ihr Luxusleben im SUV genießt, fährt Joe Average noch immer gerne ein Stufenheck. Und weil sie in Detroit kaum mehr solche Autos bauen, sind es vor allem Asiaten wie der Honda Civic, der Hyundai Elantra, der Mazda3 oder eben der Kia K4 oder aus Deutschland der VW Jetta, die diese Lücke füllen.
Doch mit einem mächtigen, selbstbewussten Design, riesigen Leuchten und einem schnellen Schwung am Heck verfehlt der Kia nicht seine Wirkung – und sorgt für einen kurzen Stau auf dem Heimweg.
Kia K4: stolze 4,71 Meter lang
So geht es auch uns, als die Sonne weg ist und die Testfahrt endlich beginnen kann. Zum einen ist da der schiere Raum, der uns Europäer neidvoll nach Amerika schauen lässt. Schließlich ist der K4 stolze 4,71 Meter lang und hat 2,72 Meter Radstand. Das reicht für ordentlich Beinfreiheit auch in der zweiten Reihe und einen mit über 400 Litern mehr als stattlichen Kofferraum.
Und vor allem ist der K4 ein Schnäppchen. In den USA ist er bereits für 21.990 Dollar zu haben und liegt damit jenseits des Atlantiks gleichauf mit dem deutlich kleineren VW Jetta. In Europa müsste man ihn bei Kia mit dem Ceed (plus 20 Prozent) oder dem Skoda Octavia (plus 25 Prozent) vergleichen und lernen: So viel Meter für die Moneten gibt es für uns allenfalls bei den Nutzfahrzeugen.

4,71 Meter ist der Kia K4 lang, sein Radstand beträgt 2,72 Meter.
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Und dabei ist der K4 kein Sparbrötchen, denn es gibt reichlich Lack und Leder, viele elektrische oder elektronische Helfer von der Lenkradheizung bis zum Abstands-Tempomaten und natürlich allerlei digitalen Budenzauber. Nicht nur die Instrumente sind animiert, sondern unter der durchgehenden Blende wächst deshalb ein zweiter Bildschirm bis weit über die Mittelkonsole.
Von 0 auf 100 dann in deutlich unter acht Sekunden
Schluss mit lustig ist es deshalb erst beim Blick unter die Haube – zumindest beim Einstiegsmodell. Das hat zwar einen mit zwei Litern stattlichen Vierzylinder, doch läuft der im sparsamen Atkinson-Zyklus und muss ohne Turbo auskommen.
Mehr als 147 PS und 180 Nm sind deshalb nicht drin, und die stufenlose Automatik ist jetzt auch nicht eben ein Garant für Fahrfreude. Doch alternativ gibt es ja noch einen 1,6-Liter. Der hat dann nicht nur einen Turbo und kommt so auf 190 PS und 265 Nm, sondern fährt zudem im Team mit einer sauberen Achtgang-Automatik, die einen guten Job macht. So gelingt der Spurt von 0 auf 100 dann in deutlich unter acht Sekunden und mit deutlich über 200 km/h ist er schneller, als die Polizei erlaubt.

AUTO BILD-Autor Thomas Geiger hat den Kia K4 getestet.
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
So schwimmt man entspannt mit im amerikanischen Feierabendverkehr, und das Fahrwerk ist dabei so kompromissbereit, dass man sich auf einer kurvigen Straße wie dem Angels Crest Highway nicht ganz verloren fühlt, vor allem aber ganz gemütlich über die schartigen Interstates im Großraum Los Angeles gondeln kann.
Zwar finden wir Europäer Limousinen langweilig, und als Sedan hätte der K4 bei uns wohl kaum eine Chance. Nicht umsonst haben die Koreaner den Optima genau wie den Stinger längst aus Europa abgezogen. Und nicht ohne Grund haben Ford den Mondeo und Opel den Insignia eingestellt und sogar Marktführer VW beim Genrationswechsel des Passat gerade das Stufenheck gestrichen.
K4 kommt bald als Hatchback
Doch daran müsste der Import des koreanischen Konkurrenten nicht einmal scheitern – schließlich kommt der K4 bald auch mit steilem Heck. Dann heißt er zwar Hatchback statt Kombi, riskiert aber trotzdem eine große Klappe und hat entsprechend viel dahinter.

Der K4 kommt auch als Hatchback-Variante auf den Markt.
Bild: Kia
Selbst wenn das natürlich nicht für den Passat Variant reicht, würde der K4 so zumindest zum würdigen Nachfolger des Ceed taugen und die gehobene Kompaktklasse aufmischen.
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