Wer soll das bezahlen? Unsere Autos werden immer teurer, letztes Jahr lag der Mittelwert für Neuwagen hierzulande bei 44.560 Euro (Quelle: DAT). Da wirkt der hier getestete Kia Picanto 1.0 GDI ab 17.590 Euro fast schon wieder verlockend günstig.

Fahrzeugempfehlung

Kia Picanto 1.0 GDI

Kia

Picanto 1.0 GDI

2,6
befriedigend
  • Pro Iconpraktische Größe für die Stadt
  • Pro Icon7 Jahre Garantie
  • Contra IconÖlwechsel jedes Jahr fällig
  • Contra Iconlaut auf der Autobahn
Allerdings fährt der gerade mal 3,61 Meter kurze Korea-Knirps in der optisch sportlichsten Ausführung GT-Line vor. Dann kostet der Spaß mindestens 21.750 Euro.

Motor ist gerade so ausreichend

Das ist viel Geld für ein Auto, das mit einem Dreizylinder-Saugmotor, der 68 PS leistet, alles andere als zeitgemäß motorisiert ist. Allerdings gilt der Antrieb ohne Turbolader und Ladeluftkühler als robust und langlebig. Wer also auf Durchzug und die damit verbundene Beschleunigung verzichten kann, hat hier in die Zukunft investiert.
Kia Picanto 1.0 GDI
Alles andere als eine Rakete: Mit dem 68 PS starken Dreizylinder-Saugmotor braucht der Picanto 14,6 Sekunden bis 100 km/h.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Um das kurz in Zahlen zu gießen: Für den Sprint aus dem Stand auf Landstraßentempo muss man sich nach AUTO BILD-Messungen 14,6 Sekunden Zeit nehmen. Auch bei spontanen Überholmanövern gilt es, vorausschauend zu fahren. Mindestens 14 Sekunden braucht es im vierten Gang von 60 auf Tempo 100, im fünften sind es gar 21,1 Sekunden. Wer im höchsten Gang ab 80 km/h anziehen will, braucht bis zur 120er-Marke 25,2 Sekunden.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder
Dreizylinder
Einbaulage
vorn quer
Ventile/Nockenwellen
4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb
Kette
Hubraum
998 cm³
kW (PS) bei 1/min
50 (68)/6000
Nm bei 1/min
96/4000
Vmax
162 km/h
Getriebe
Fünfgang manuell
Antrieb
Vorderradantrieb
Bremsscheiben vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
195/45 R 16 V
Reifentyp
Nexen N’blue HD Plus
Radgröße
6,5 x 16"
Abgas CO2*
134 g/km
Verbrauch*
5,9 l/100 km
Tankinhalt
35 l
Kraftstoffsorte
Super
Ottopartikelfilter
Serie
Vorbeifahrgeräusch
66 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
–/–
Stützlast
Kofferraumvolumen
255–1010 l
Länge/Breite/Höhe
3605/1595–1880**/1485 mm
Radstand
2400 mm
Grundpreis
17.590 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
21.750 Euro
Durchzugsstark ist der Picanto also wirklich nicht. Gibt man ihm auf gerader Strecke aber etwas Zeit, kann der Kleine – gut gedämmt und ohne akustisches Aufsehen – bis zu 162 km/h schnell werden.

Verbrauch dürfte niedriger sein

Bis dahin führt der Fahrer den Hebel der Handschaltung leichtgängig durch die Gassen. Das lässt flotte Gangwechsel im Stadtbetrieb zu und vermeidet den erhöhten Verschleiß, den Fahrer mit automatisiertem Schaltgetriebe (AMT) im Picanto befürchten müssen, weil hier die Elektronik die Schleifpunkte der Kupplung bestimmt. Das führt vor allem im Stadtverkehr, am Berg oder im Stau zu einer höheren Belastung.
Kia Picanto 1.0 GDI
Keine Meisterleistung: Auf 100 Kilometer genehmigte sich der Picanto 1.0 GDI im Testdurchschnitt 6,0 Liter.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Auch beim Verbrauch ist der Handschalter etwas günstiger. Nach unseren Messungen genehmigte sich der Dreizylinder im Drittelmix 6,0 Liter auf 100 Kilometer aus dem 35-Liter-Tank. Das ist keine Meisterleistung, bedeutet aber, dass der Fahrer erst nach 583 Kilometern wieder an die Zapfsäule muss.

Sitzkomfort vorne geht in Ordnung

Über die Distanz sitzt man in der GT-Line – und das darf durchaus als Vorteil gelten – in passablen Sportsitzen, die vernünftigen Seitenhalt bieten und auch auf längeren Strecken nicht für Ungemach sorgen. Lediglich bei großen Fahrern kann es aufgrund der recht kurzen Verstellschiene zu Abstandsproblemen zur Pedalerie kommen.
Kia Picanto 1.0 GDI
Einigermaßen bequem: Die manuell verstellbaren Sitze gehen mit ihrem sportlichen Touch für die Klasse in Ordnung.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Insgesamt ist das Raumangebot für alle Größen in Reihe eins passabel. Im Fond möchte man dagegen nicht allzu lange verweilen – hier geht es eng zu. Der Kofferraum bietet bei aufrechter Rückbanklehne klassenübliche 255 Liter Stauraum. Wird alles flach gelegt, entstehen 1010 Liter.
Kia Picanto 1.0 GDI
Viel Platz haben Reisende in Reihe zwei nicht. Für kurze Strecken ist das Sitzgefühl aber erträglich.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Positiv: Die umgelegte Rückbank bildet keine Stufe und ergibt eine nahezu ebene, leicht ansteigende Ladefläche. Mit insgesamt 427 Kilogramm Zuladung kann der Picanto ordentlich beladen werden. Auf Anhängelasten muss der Fahrer allerdings verzichten – sie sind für den Kleinwagen nicht vorgesehen. Das bedeutet auch: keine Stützlast, Fahrräder lassen sich also nicht auf einem Träger am Heck transportieren.

Fahrwerk ist eher straff abgestimmt

Erfreulich ist, dass das im Picanto verbaute Hartplastik sauber verarbeitet ist und kaum Störgeräusche entstehen, etwa beim Überfahren von Kopfsteinpflaster oder schlechten Straßen. Und das, obwohl das klassische Fahrwerk mit MacPherson-Federbeinen vorn und Verbundachse hinten den Zustand der Fahrbahn recht deutlich in den Innenraum weitergibt.
Kia Picanto 1.0 GDI
Der Picanto lässt seine Passagiere nie im Unklaren über den Fahrbahnzustand. Die Lenkung hingegen könnte kommunikativer sein.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die Lenkung ist nicht besonders kommunikativ, lässt den Fahrer nicht in jeder Kurve einen direkten Draht zum Fahrzeug aufbauen, führt den Wagen aber dennoch bei guter Traktion präzise ums Eck. Erstaunlich ist der große Wendekreis von elf Metern – für einen Kleinwagen üppig. Ähnlich wie der Bremsweg von 38 Metern, den wir mit warmen Scheiben auch nach mehreren Bremsungen ohne Fading gemessen haben.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
4,3 s
0–80 km/h
9,2 s
0–100 km/h
14,6 s
0–120 km/h
21,5 s
0–130 km/h
27,6 s
Elastizität
60–100 km/h (4./5. Gang)
14,0/21,1 s
80–120 km/h (5. Gang)
25,2 s
Leergewicht/Zuladung
1033/427 kg
Gewichtsverteilung v./h.
1,63157894736842 %
Wendekreis links/rechts
11,1/11,2 m
Sitzhöhe
550 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
38,8 m
aus 100 km/h warm
38,0 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
62 dB(A)
bei 100 km/h
68 dB(A)
bei 130 km/h
72 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
5,1 l S/100 km
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
6,0 l S/100 km
(+2 %)
Sportverbrauch
7,5 l S/100 km
CO2 (Testverbrauch)
142 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
583 km
Fad ist hingegen der Klang der Audioanlage, die im Picanto aus sechs Lautsprechern tönt. Wie es klingt, kann der Fahrer immerhin noch über einen manuellen Drehregler am acht Zoll großen Zentralbildschirm beeinflussen. Zugegeben: Die Grafik wirkt nach heutigen Maßstäben etwas aus der Zeit gefallen. Allerdings war Kia nie dafür bekannt, besonders hip oder innovativ zu sein.

Preisliste startet bei 17.590 Euro

Immerhin lässt sich das Smartphone kabellos mit dem System verbinden, sodass Android Auto oder Apple CarPlay genutzt werden können. Da fällt es kaum ins Gewicht, dass das serienmäßige Navigationssystem kein Satellitenbild bietet. Hinzu kommen Live-Dienste für Wetter und Parken – Letzteres erweist sich vor allem in der Stadt als nützlich.
Kia Picanto 1.0 GDI
Übersichtlich und intuitiv bedienbarer: Arbeitsplatz mit manuellen Bedienelementen. Als GT-Line kostet der Picanto 1.0 GDI 21.750 Euro.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Wer auf die sportliche Attitüde der GT-Line sowie auf zahlreiche Assistenzsysteme wie Frontkollisionswarner mit Abbiegefunktion, aktiven Totwinkelassistenten, Querverkehrswarner hinten mit Notbremsfunktion und sechs Airbags verzichtet, zahlt statt 21.750 Euro lediglich 17.590 Euro.

Wertung Kia Picanto 1.0 GDI

Wertung Kia Picanto 1.0 GDI
Karosserie
Passables Raumangebot, gute Verarbeitung, keine Anhängelast, recht übersichtlich, Hartplastik im Innenraum, hohe Ladekante.
3 / 5
Antrieb
Fahrleistung ausreichend, durchzugsschwach, gut schaltbares Fünfganggetriebe, Verbrauch ist passabel.
3 / 5
Fahrdynamik
Ordentliche Traktion, großer Wendekreis (11 m), Bremsleistung nicht toll, aber gutes Pedalgefühl.
3 / 5
Connected Car
Zentraldisplay mit Navi sowie Apple CarPlay und Android Auto Serie, Spracheingabe für diese Klasse gut.
3,5 / 5
Umwelt
Kleiner geht es kaum noch, sehr geringes Leergewicht, Saugmotor ohne Hybridsystem, CO2-Ausstoß im Durchschnitt.
2,5 / 5
Komfort
Nichts für große Fahrer, gute Sitze für die Klasse, einfaches Fahrwerk, gute Ausstattung.
3 / 5
Kosten
Als GT-Line teuer, niedrige Versicherungsklassen, jährliche Wartung vorgesehen, 7 Jahre Garantie.
3,5 / 5
AUTO BILD-Testnote
2,6
Alle Picanto erfreuen mit sieben Jahren Garantie, zwölfjähriger Garantie gegen Durchrostung, niedrigen Versicherungsklassen und akzeptabler Kfz-Steuer von 101 Euro im Jahr. Das klingt bezahlbar.

Bildergalerie

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Fazit

von AUTO BILD
Die Regel "Kleines Auto, kleiner Preis" gilt schon lange nicht mehr. Auch der Kia Picanto ist gemessen an seiner Größe und seinem betagten Antrieb alles andere als ein Schnäppchen. Was er aber bietet, sind Zuverlässigkeit und eine lange Garantie. In Summe könnte das eine stabile Freundschaft werden. AUTO BILD-Testnote: 2,6