Kia Picanto 1.0 GDI: Test
Was kann der Kleinstwagen aus Korea?

Der Kia Picanto kostet mindestens 17.590 Euro, also nur 60 Euro weniger als ein Basis-Golf vor zehn Jahren. Ob sich das im Modelljahr 2026 leicht erstarkte Einstiegsmodell ins Kia-Programm dennoch lohnt, klärt der Test.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Wer soll das bezahlen? Unsere Autos werden immer teurer, letztes Jahr lag der Mittelwert für Neuwagen hierzulande bei 44.560 Euro (Quelle: DAT). Da wirkt der hier getestete Kia Picanto 1.0 GDI ab 17.590 Euro fast schon wieder verlockend günstig.
Allerdings fährt der gerade mal 3,61 Meter kurze Korea-Knirps in der optisch sportlichsten Ausführung GT-Line vor. Dann kostet der Spaß mindestens 21.750 Euro.
Motor ist gerade so ausreichend
Das ist viel Geld für ein Auto, das mit einem Dreizylinder-Saugmotor, der 68 PS leistet, alles andere als zeitgemäß motorisiert ist. Allerdings gilt der Antrieb ohne Turbolader und Ladeluftkühler als robust und langlebig. Wer also auf Durchzug und die damit verbundene Beschleunigung verzichten kann, hat hier in die Zukunft investiert.

Alles andere als eine Rakete: Mit dem 68 PS starken Dreizylinder-Saugmotor braucht der Picanto 14,6 Sekunden bis 100 km/h.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Um das kurz in Zahlen zu gießen: Für den Sprint aus dem Stand auf Landstraßentempo muss man sich nach AUTO BILD-Messungen 14,6 Sekunden Zeit nehmen. Auch bei spontanen Überholmanövern gilt es, vorausschauend zu fahren. Mindestens 14 Sekunden braucht es im vierten Gang von 60 auf Tempo 100, im fünften sind es gar 21,1 Sekunden. Wer im höchsten Gang ab 80 km/h anziehen will, braucht bis zur 120er-Marke 25,2 Sekunden.
Fahrzeugdaten
Modell | Kia Picanto 1.0 GDI |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Dreizylinder |
Einbaulage | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette |
Hubraum | 998 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 50 (68)/6000 |
Nm bei 1/min | 96/4000 |
Vmax | 162 km/h |
Getriebe | Fünfgang manuell |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsscheiben vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 195/45 R 16 V |
Reifentyp | Nexen N’blue HD Plus |
Radgröße | 6,5 x 16" |
Abgas CO2* | 134 g/km |
Verbrauch* | 5,9 l/100 km |
Tankinhalt | 35 l |
Kraftstoffsorte | Super |
Ottopartikelfilter | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 66 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | –/– |
Stützlast | – |
Kofferraumvolumen | 255–1010 l |
Länge/Breite/Höhe | 3605/1595–1880**/1485 mm |
Radstand | 2400 mm |
Grundpreis | 17.590 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 21.750 Euro |
Durchzugsstark ist der Picanto also wirklich nicht. Gibt man ihm auf gerader Strecke aber etwas Zeit, kann der Kleine – gut gedämmt und ohne akustisches Aufsehen – bis zu 162 km/h schnell werden.
Verbrauch dürfte niedriger sein
Bis dahin führt der Fahrer den Hebel der Handschaltung leichtgängig durch die Gassen. Das lässt flotte Gangwechsel im Stadtbetrieb zu und vermeidet den erhöhten Verschleiß, den Fahrer mit automatisiertem Schaltgetriebe (AMT) im Picanto befürchten müssen, weil hier die Elektronik die Schleifpunkte der Kupplung bestimmt. Das führt vor allem im Stadtverkehr, am Berg oder im Stau zu einer höheren Belastung.

Keine Meisterleistung: Auf 100 Kilometer genehmigte sich der Picanto 1.0 GDI im Testdurchschnitt 6,0 Liter.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Auch beim Verbrauch ist der Handschalter etwas günstiger. Nach unseren Messungen genehmigte sich der Dreizylinder im Drittelmix 6,0 Liter auf 100 Kilometer aus dem 35-Liter-Tank. Das ist keine Meisterleistung, bedeutet aber, dass der Fahrer erst nach 583 Kilometern wieder an die Zapfsäule muss.
Sitzkomfort vorne geht in Ordnung
Über die Distanz sitzt man in der GT-Line – und das darf durchaus als Vorteil gelten – in passablen Sportsitzen, die vernünftigen Seitenhalt bieten und auch auf längeren Strecken nicht für Ungemach sorgen. Lediglich bei großen Fahrern kann es aufgrund der recht kurzen Verstellschiene zu Abstandsproblemen zur Pedalerie kommen.

Einigermaßen bequem: Die manuell verstellbaren Sitze gehen mit ihrem sportlichen Touch für die Klasse in Ordnung.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Insgesamt ist das Raumangebot für alle Größen in Reihe eins passabel. Im Fond möchte man dagegen nicht allzu lange verweilen – hier geht es eng zu. Der Kofferraum bietet bei aufrechter Rückbanklehne klassenübliche 255 Liter Stauraum. Wird alles flach gelegt, entstehen 1010 Liter.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Positiv: Die umgelegte Rückbank bildet keine Stufe und ergibt eine nahezu ebene, leicht ansteigende Ladefläche. Mit insgesamt 427 Kilogramm Zuladung kann der Picanto ordentlich beladen werden. Auf Anhängelasten muss der Fahrer allerdings verzichten – sie sind für den Kleinwagen nicht vorgesehen. Das bedeutet auch: keine Stützlast, Fahrräder lassen sich also nicht auf einem Träger am Heck transportieren.
Fahrwerk ist eher straff abgestimmt
Erfreulich ist, dass das im Picanto verbaute Hartplastik sauber verarbeitet ist und kaum Störgeräusche entstehen, etwa beim Überfahren von Kopfsteinpflaster oder schlechten Straßen. Und das, obwohl das klassische Fahrwerk mit MacPherson-Federbeinen vorn und Verbundachse hinten den Zustand der Fahrbahn recht deutlich in den Innenraum weitergibt.

Der Picanto lässt seine Passagiere nie im Unklaren über den Fahrbahnzustand. Die Lenkung hingegen könnte kommunikativer sein.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die Lenkung ist nicht besonders kommunikativ, lässt den Fahrer nicht in jeder Kurve einen direkten Draht zum Fahrzeug aufbauen, führt den Wagen aber dennoch bei guter Traktion präzise ums Eck. Erstaunlich ist der große Wendekreis von elf Metern – für einen Kleinwagen üppig. Ähnlich wie der Bremsweg von 38 Metern, den wir mit warmen Scheiben auch nach mehreren Bremsungen ohne Fading gemessen haben.
Messwerte
Modell | Kia Picanto 1.0 GDI |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 4,3 s |
0–80 km/h | 9,2 s |
0–100 km/h | 14,6 s |
0–120 km/h | 21,5 s |
0–130 km/h | 27,6 s |
Elastizität | |
60–100 km/h (4./5. Gang) | 14,0/21,1 s |
80–120 km/h (5. Gang) | 25,2 s |
Leergewicht/Zuladung | 1033/427 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 1,63157894736842 % |
Wendekreis links/rechts | 11,1/11,2 m |
Sitzhöhe | 550 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 38,8 m |
aus 100 km/h warm | 38,0 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 62 dB(A) |
bei 100 km/h | 68 dB(A) |
bei 130 km/h | 72 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 5,1 l S/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 6,0 l S/100 km (+2 %) |
Sportverbrauch | 7,5 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 142 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 583 km |
Fad ist hingegen der Klang der Audioanlage, die im Picanto aus sechs Lautsprechern tönt. Wie es klingt, kann der Fahrer immerhin noch über einen manuellen Drehregler am acht Zoll großen Zentralbildschirm beeinflussen. Zugegeben: Die Grafik wirkt nach heutigen Maßstäben etwas aus der Zeit gefallen. Allerdings war Kia nie dafür bekannt, besonders hip oder innovativ zu sein.
Preisliste startet bei 17.590 Euro
Immerhin lässt sich das Smartphone kabellos mit dem System verbinden, sodass Android Auto oder Apple CarPlay genutzt werden können. Da fällt es kaum ins Gewicht, dass das serienmäßige Navigationssystem kein Satellitenbild bietet. Hinzu kommen Live-Dienste für Wetter und Parken – Letzteres erweist sich vor allem in der Stadt als nützlich.

Übersichtlich und intuitiv bedienbarer: Arbeitsplatz mit manuellen Bedienelementen. Als GT-Line kostet der Picanto 1.0 GDI 21.750 Euro.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Wer auf die sportliche Attitüde der GT-Line sowie auf zahlreiche Assistenzsysteme wie Frontkollisionswarner mit Abbiegefunktion, aktiven Totwinkelassistenten, Querverkehrswarner hinten mit Notbremsfunktion und sechs Airbags verzichtet, zahlt statt 21.750 Euro lediglich 17.590 Euro.
Wertung Kia Picanto 1.0 GDI
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Passables Raumangebot, gute Verarbeitung, keine Anhängelast, recht übersichtlich, Hartplastik im Innenraum, hohe Ladekante. | 3 / 5 |
Antrieb | Fahrleistung ausreichend, durchzugsschwach, gut schaltbares Fünfganggetriebe, Verbrauch ist passabel. | 3 / 5 |
Fahrdynamik | Ordentliche Traktion, großer Wendekreis (11 m), Bremsleistung nicht toll, aber gutes Pedalgefühl. | 3 / 5 |
Connected Car | Zentraldisplay mit Navi sowie Apple CarPlay und Android Auto Serie, Spracheingabe für diese Klasse gut. | 3,5 / 5 |
Umwelt | Kleiner geht es kaum noch, sehr geringes Leergewicht, Saugmotor ohne Hybridsystem, CO2-Ausstoß im Durchschnitt. | 2,5 / 5 |
Komfort | Nichts für große Fahrer, gute Sitze für die Klasse, einfaches Fahrwerk, gute Ausstattung. | 3 / 5 |
Kosten | Als GT-Line teuer, niedrige Versicherungsklassen, jährliche Wartung vorgesehen, 7 Jahre Garantie. | 3,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 2,6 |
Alle Picanto erfreuen mit sieben Jahren Garantie, zwölfjähriger Garantie gegen Durchrostung, niedrigen Versicherungsklassen und akzeptabler Kfz-Steuer von 101 Euro im Jahr. Das klingt bezahlbar.
Fazit
Die Regel "Kleines Auto, kleiner Preis" gilt schon lange nicht mehr. Auch der Kia Picanto ist gemessen an seiner Größe und seinem betagten Antrieb alles andere als ein Schnäppchen. Was er aber bietet, sind Zuverlässigkeit und eine lange Garantie. In Summe könnte das eine stabile Freundschaft werden. AUTO BILD-Testnote: 2,6
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