So ein Kleinstwagen zählt zu den Autos, auf die wir uns als Tester stets freuen. Überrascht? Nun, hier dürfen wir noch selbst fahren.
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Natürlich hat auch der Kia Picanto alle Assistenten an Bord, die seit Juli 2024 EU-weit vorgeschrieben sind (Spurhalte- und Notbremsassistent, Verkehrszeichen- und Müdigkeitserkennung). Aber man hat nie das Gefühl, gefahren zu werden.

Facelift bringt aggressive Optik

Vor allem wegen der manuellen Fünfgangschaltung ist das hier noch eindeutig ein Auto, kein Tablet mit Rädern. Und: Das Vor-Facelift-Modell hat bei uns 2020 einen Vergleichstest gegen Renault Twingo und Mitsubishi Space Star gewonnen.
Kia Picanto 1.2
Facelift ganz wörtlich genommen: Mit der Modellpflege erhält der Kia Picanto eine deutlich aggressivere Optik an der Front.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Seit dem jüngsten Facelift trägt er die etwas finsteren, höhenbetonten Linien der großen Kia-SUV Sorento und EV9. Auf Kleinstwagenmaße geschrumpft, hat er etwas von einem Zwergmonster à la Gremlin oder Pokémon (Abkürzung für Pocket Monster) – ein starker Stilwandel, zeigte der erste Picanto von 2004 doch fast altbritische Rundungen. Der Kleine kommt stets mit fünf Türen, der Dreitürer entfiel bereits 2017.

Über 21.000 Euro für einen Kleinstwagen

Zum Testwagenpreis von 21.190 Euro hätten wir weniger Sparsamkeit erwartet: Lenkrad nur in der Höhe, nicht axial verstellbar, und nur der Fahrersitz ist höhenverstellbar. Allerdings lässt sich Letzterer auf SUV-artige 27 Zentimeter über dem Wagenboden hochhebeln (manuell, nicht elektrisch). Immerhin findet sich für viele Fahrer eine Sitzposition, die nicht den Orthopäden in die Tasche arbeitet.
Kia Picanto 1.2
Kleinstwagentypisch: Großen Fahrern passen die schmalen Sitze mit der kurzen Beinauflage nur bedingt – der Rest sitzt eigentlich ganz gut.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Hochgewachsene tun sich aber nicht leicht mit der koreanischen Kurzware: Für sie sind die Sitzflächen zu kurz und die Sitze insgesamt zu schmal. Die Großzügigkeit des verblichenen VW Up sollte man hier nicht erwarten. Hinten bietet der 3,60 Meter kurze Koreaner zwar oberflächlich betrachtet nicht viel Knieraum, aber Langbeinige können ihre Knie an der geschickt mit Einzügen gestalteten Vordersitzlehne vorbei einfädeln. Dann reicht der Platz.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder
Vierzylinder
Einbaulage
vorn quer
Ventile/Nockenwellen
4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb
Kette
Hubraum
1197 cm³
kW (PS) bei 1/min
58 (79)/6000
Nm bei 1/min
113/4200
Vmax
159 km/h
Getriebe
Fünfgang manuell
Antrieb
Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
195/45 R 16 V
Reifentyp
Nexen N blue HD plus
Radgröße
6,5 x 16"
Abgas CO2
127 g/km
Verbrauch*
5,6 l S/100 km
Tankinhalt
35 l
Kraftstoffsorte
Super
Partikelfilter
Serie
Vorbeifahrgeräusch
68 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
-
Stützlast
-
Kofferraumvolumen
255–1010 l 
Länge/Breite/Höhe
3605/1595–1880**/1485 mm
Radstand
2400 mm
Grundpreis
17.990 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
21.190 Euro
Passagiere der zweiten Reihe sitzen volle 38 Zentimeter über dem Fußboden, ihr Rücken wird von einer gut ausgeformten Lehne gestützt – unerwartet komfortabel. Mit doppeltem Laderaumboden (Serie bei allen außer der Basisausstattung) bietet der Kia einen fast ebenen Laderaum bei geplätteter Fondsitzbank.

Lenkung macht Picanto zum Gokart

Beim Fahren macht der Picanto durchaus Laune. Vor allem in der Stadt, wo uns der klassenüblich kleine Wendekreis das Leben erleichtert. Da Kia im Zuge des Facelifts die Lenkungsuntersetzung von 2,8 auf 2,47 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag reduziert hat – bei gut austarierter Handkraft –, entsteht der Eindruck gokartartiger Agilität. Das gilt gerade für unser Testexemplar, das vom größeren der beiden angebotenen Motoren befeuert wird, einem turbolosen 1,2-Liter-Benziner – immerhin mit vier Zylindern.
Kia Picanto 1.2
Durchaus spaßig: Die leichtgängige Lenkung braucht nur wenige Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag, erzeugt so Gokart-Feeling.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der Pedalweg der Kupplung ist derart kurz und widerstandslos, dass er Gewöhnung erfordert. Anfangs ist peinliches Abwürgen nicht ausgeschlossen. Auch der Rückwärtsgang, der mit Schwung und dem Überwinden eines Widerstands irgendwo hinten rechts gefunden werden will, braucht Gewöhnung. Ein Ring zum Ziehen wäre besser.
Geht es vorwärts, lassen sich die fünf Gänge recht widerstandslos durchschalten. Die Schaltwege sind nicht so kurz wie in einem Sportwagen, aber ordentlich geführt, mit definierten Rastungen am Ende der Schaltwege.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,9 s
0–100 km/h
13,9 s
0–130 km/h
24,6 s
Zwischenspurt
60–100 km/h (4. Gang)
16,7 s
80–120 km/h (5. Gang)
28,0 s
Leergewicht/Zuladung
1023/392 kg
Gewichtsverteilung v./h.
62/38 %
Wendekreis links/rechts
11,2/11,2 m
Sitzhöhe
550 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
38,0 m
aus 100 km/h warm
39,5 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
62 dB(A)
bei 100 km/h
72 dB(A)
bei 130 km/h
73 dB(A)
Verbauch
Sparverbrauch
4,4/100 km
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLT-Angabe)
5,6/100 km
(0 %)
Sportverbrauch
7,2/100 km
CO2 (Testverbrauch)
127 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
625 km
Das auf topfebener Piste aufkommende Gefühl von Gokart-Dynamik und Funktionslust erhält einen herben Dämpfer auf schlechten Straßen: Kurze Schläge kommen durch. Die an unserem Testexemplar montierten 16-Zoll-Räder mit flachem 45er-Querschnitt machen den Picanto dann doch zum Schlaglochsuchgerät.

Komfort ist nicht die Stärke des Kia

Hier erscheint uns auch die Vorderachse etwas unterdämpft: Zu viel Bewegung nach oben wie unten, und gröbere Bodenwellen schlagen durch. Da ist noch Luft – nein, eigentlich nicht, denn die Federwege sind naturgemäß kurz. Im Ausweichtest zeigt sich der Kleine aber sehr fahrsicher, bei etwas Seitenneigung.
Kia Picanto 1.2
Zu knackig: Größere Bodenwellen schlagen durch, die kleinen Reifen mit 45er-Querschnitt machen den Picato zum Schlagloch-Suchgerät.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der Saugmotor will gedreht werden und dreht auch schön nach oben heraus. Ab 5000/min wird er dröhnig und ab 150 km/h laut. Die Windgeräusche, die der Kia produziert, halten sich erstaunlicherweise im Rahmen, aber umso mehr sind mechanische und Reifengeräusche zu vernehmen – da fehlt Dämmung. Und man hat den Eindruck, dass er bei Gegenwind oder leichten Autobahnsteigungen sein Höchsttempo von 159 km/h leichter im vierten Gang erreicht.
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* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.
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Man kann durchaus mal ein längeres Autobahnstück unter die Räder nehmen, ohne mit Gehör- und Rückenschäden rechnen zu müssen. Mit Flensburg-Punkten so schnell auch nicht, denn eine kamerabasierte Tempolimiterkennung ist Serie – samt Übernahme, die manuell bestätigt werden will. Dieser Koreaner ist trotz kleiner Ausstattungs- und Komfortlücken durchaus ein Vollwertzwerg.
Den kleinen 1,0-Liter-Dreizylinder mit noch weniger Leistung möchte man sich auf der Autobahn eher nicht zumuten, ebenso wenig die Automatikversion mit dem temperamentfressenden automatisierten Schaltgetriebe.

Wertung

Wertung
Karosserie
Stets fünftürig. Raumgefühl und Platzangebot besser, als die Abmessungen erwarten lassen.
3/5 Punkten
Antrieb
Wenig Elastizität, der Vierzylindersauger braucht Drehzahlen. 0-100 km/h in 13,9 s. Immerhin 159 km/h.
3/5 Punkten
Fahrdynamik
Sicher liegend, stabiler Geradeauslauf. Gelungene Lenkung. Bremswege dürften gern kürzer sein.
3/5 Punkten
Connected Car
Cloudbasiertes Online-Navi (8 Zoll, braucht stets Netz). Zeigt Wetter, POI, Parkmöglichkeiten.
3,5/5 Punkten
Umwelt
Klein, maßvolles Gewicht. Integrierter Startergenerator, sonst keine besondere Umwelttechnik.
3/5 Punkten
Komfort
Einstieg angenehm, kleine Sitze, Federungs- und Geräuschkomfort mäßig – kleinstwagenüblich.
3/5 Punkten
Kosten
Nicht billig, aber viel Ausstattung – und ein Restwertkönig. Das dürfte er bleiben, da lange Garantie!
3,5/5 Punkten
AUTO BILD-Testnote
3+
Letztlich ist das Autofahren wie früher: ehrlich, direkt, mit echtem Handbremshebel und rätselfreier Bedienung. Der Preis passt gerade noch zum Gebotenen, billig ist dieser Koreaner jedenfalls nicht. Zumindest aber dürfte er den Wert lange halten: Sieben Jahre Garantie, und das Konkurrenzfeld ist ausgedünnt. Das ist der Stoff, aus dem Restwertkönige gestrickt sind.

Bildergalerie

Kia Picanto 1.2
Kia Picanto 1.2
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Kia Picanto FL im ersten Test

Fazit

Einerseits macht der gokartähnliche Picanto Spaß, andererseits ist er ein dünnblechiger Kleinstwagen für 21.000 Euro. Das ist nicht einmal dem Hersteller anzulasten: Wohlmeinende EU-Vorschriften haben auch solche Zwerge verteuert. Immerhin ist der Picanto bereits in der Basis ganz gut ausgestattet.
AUTO BILD-Testnote: 3+