Ob modern immer besser ist? Die Frage stellen wir uns oft. Auch jetzt wieder. Der Kia Sportage hat sich in nun schon fast 30 Jahren Bauzeit einen blitzsauberen Leumund erackert, sich ganz fest in die Mitte der kompakten SUVs gewühlt. Weil er ein rundum anständiger Kerl ist, mit bodenständigen Fahreigenschaften und schnörkellosem Auftritt seine Sache ebenso gut wie unauffällig erledigt.
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Jetzt steht eine neue Generation am Start und guckt so grimmig wie nie. Außerdem steckt eine Menge "neumodisches" Zeug im neuen Sportage 1.6 T-GDI. Das 48-Volt-Bordnetz mit Riemen-Starter-Generator zum Beispiel. Oder ein riesiges gewölbtes Display für Multimediafunktionen und mehr. Alles nur Bling-Bling oder echte Verbesserung?

So fährt er: betont sanft

Hoppla, hier hoppelt nichts. Dem Sportage haben die Koreaner ganz weiche Federn eingebaut, die adaptiven Stoßdämpfer lassen sich auch von kantigen Absätzen nicht ins Zittern bringen. Allenfalls die 235er-Reifen rollen spürbar über raue Untergründe. Mit sichtbarer Seitenneigung fegt der Kia um die Ecke – fies schaukelig wird es aber nie. Bei reichlich Schwung/Beladung und dicken Bodenwellen schlägt die Federung jedoch auch mal durch. Der 1.6er-Turbo-Motor mag es lässig, knurrt mechanisch hörbar vor sich hin. Satte Last? Hohe Drehzahl? Bitte nicht so oft, hier würgt er sich arg angestrengt die letzten Newtonmeterchen aus seinen vier Zylindern.
Kia Sportage
Subjektiv betulich, Antrieb auf Sparspaß konzipiert, solide Bremsleistung und starkes ESP.
Auch das Getriebe könnte noch einen feinen Schliff vertragen. Schnelle Wechsel sind spürbar, seichtes und fein dosierbares Anfahren liegt der Automatik nicht besonders, und bei zarteren Beschleunigungsmanövern sortiert die Automatik die Gänge so verhalten, dass der Sportage unnötig betulich wirkt. Kick-down-Befehle setzt er eher verschlafen um. Sonst: Bremse sowohl mit kalten Scheiben als auch mit reichlich temperiertem Material top, Ausweichverhalten dank rigoroser Stabilitätsprogrammierung tadellos, die nicht zu direkte Lenkung passt zu Gewicht und Liga. Und klar, die Traktion bleibt dank des variablen Allradantriebs auch auf nasser Straße fehlerfrei. Sauber!

Das bietet er: viel Raum

Sitzposition und Seitenführung der sehr sorgfältig vernähten Ledervordersitze stimmen (bis auf eine unerwartet kurze Fläche), im Fond gibt's viel Platz und eine bequeme Bank mit verstellbarer Lehnenneigung. Auf sämtlichen Plätzen halten es alle also bestens aus. Mit reichlich Assistenz führt der Kia durch den Alltag.
Kia Sportage
In Vollausstattung absolut modern. Sprachbedienung nicht überragend, Bedienung komplex.

Umfangreiche Assistenzsysteme, hakelige Bedienung

Wirklich herausragend zuvorkommend arbeitet der Totwinkelwarner. Über Kameras in den Außenspiegeln gibt er Bilder im Cockpit wieder – besser geht's nicht. Fahreranzeigen selbst lassen sich variabel gestalten, auch klassisches Uhrenlayout mit klaren Zeigern und großen Ziffern ist möglich. Weniger sinnvoll: Kia belegt eine der ganz wenigen Tastengruppen doppelt. So muss der Fahrer (per Touch!) umschalten, ob er den kleinen mechanischen Drehregler unterhalb des Hauptbildschirms als Temperaturkontrolle oder Lautstärkeanpassung nutzt. Ganz ehrlich, Kia, geht's noch umständlicher?

Bildergalerie

Kia Sportage
Kia Sportage
Kia Sportage
Kamera
Kia Sportage (2022): Bilder, Test, Verbrauch, Preis

Hoher Preis und üppiger Verbrauch

Die harte Zusammenfassung vorweg: Der schicke Testwagen bringt Allradantrieb und Automatik zwar ebenso serienmäßig mit wie die Lederausstattung und auch sonst reichlich Komfort. Wer aber noch 19-Zoll-Leichtmetallräder, alle Assistenzsysteme (1390 Euro extra) und das große Paket für Navigation und Smartphone-Anbindung ordert, landet bei mehr als 48.000 Euro! Dazu kommt: Trotz 48-Volt-Bordnetz ist der Verbrauch üppig (wir haben 9,2 Liter Super ermittelt). Wer weniger Luxus will: Den 1.6 T-GDI gibt es ab Ausstattungslinie Edition 7 immerhin schon für 27.790 Euro. Sieben Jahre Garantie packt Kia eh immer drauf.

Fazit

Von Bedienschrullen und dem gelegentlich vorlauten Vierzylinder abgesehen, ein richtig rundes Auto. Vor allem der Fahrkomfort gefällt uns. Dazu kommt: In Sachen Multimedia ist der Sportage voll auf Zack. AUTO BILD-Testnote: 2-

Von

Dennis Heinemann