Die zweite Hälfte des ADAC Kindersitz-Tests 2021 ist da: 26 weitere Sitze für verschiedene Gewichts- und Größenklassen wurden von dem Automobilclub unter die Lupe genommen. In der Frühjahrsausgabe des Tests wurden bereits 26 Kindersitze getestet. Damals schnitten fünf Kindersitze mit der Note "mangelhaft" ab. Und auch in der zweiten Testhälfte fallen erneut fünf Kandidaten durch: Der Osann Oreo 360 II schafft die Schadstoff-Prüfung nicht und bekommt die Note "mangelhaft"; es wurde der schilddrüsen-schädigende Weichmacher DHP gefunden. Zusätzlich werden vier Kindersitze  mit der Note "ausreichend" bewertet.

ADAC-Test: Mitwachsende Kindersitze nicht empfehlenswert

Bei den mit "ausreichend" bewerteten Modellen, handelt es sich um sogenannte mitwachsende Kindersitze, die ab Geburt bis zum 12. Geburtstag genutzt werden dürfen. Es ist also nur ein Sitz für die gesamte Nutzungsdauer vorgesehen. Doch die Tester weisen darauf hin, dass diese Art Kindersitz immer ein Kompromiss sei, der sich letztlich auf Sicherheit und Bedienung auswirke. Der ADAC wie auch AUTO BILD empfehlen grundsätzlich die Nutzung von drei Kindersitzen: Einer Babyschale für das Neugeborene, anschließend ein passender, im Idealfall rückwärtsgerichteter Folgesitz sowie danach ein Gruppe-2/3-Kindersitz mit Rückenlehne. Denn je besser der Sitz auf das jeweilige Kindesalter zugeschnitten ist, desto besser sind Passform und Sicherheit.

Kindersitze aus dem Test

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
Graco SnugEssentials i-Size (bis 12 Monate)
74,97 EUR
ABC Design Aspen i-Size (bis 12 Jahre)
259,90 EUR
Axkid One+
849,00 EUR
Maxi-Cosi Marble
199,00 EUR
Maxi-Cosi Tinca
110,29 EUR
 

Bestes Ergebnis für Babyschale

Das beste Ergebnis im Kindersitz-Test gibt es für die Babyschale Mima iZi Go Modular i-Size + iZi Modular i-Size Base. Sie erhält Note "gut" (1,7), gehört mit einem Preis von 555 Euro aber auch zu den teuersten Sitzen im Test. Insgesamt schneiden in der zweiten Testphase 2021 von den getesteten Sitzen 14 Modelle mit "gut" und sieben weitere mit "befriedigend" ab. Wie schon in der ersten Testhälfte im Mai konnte sich kein Kindersitz die Bestnote "sehr gut" sichern. Damals schnitten 18 Kandidaten  mit der Note "gut" ab, drei weitere Modelle erhielten die Note "befriedigend". Einer der "mangelhaft" getesteten Sitze war der Kindersitz Chicco Kiros i-Size + Kiros i-Size Base. Er versagte beim Crashtest: Die Babyschale löste sich beim Frontalaufprall von der Basis, daher wurde die Babyschale auf abgewertet. Die übrigen vier mit "mangelhaft" bewerteten Sitze patzten bei den Schadstoff-Werten. Beim Besafe iZi Go Modular X1 i-Size (mit und ohne iZi Modular i-Size Base) und dem Swandoo Marie 2 fand der ADAC Naphtalin, dem eine krebserregende Wirkung nachgesagt wird. Beim Osann Oreo 360 wurde der Weichmacher DPHP gefunden, der sich ungünstig auf Schilddrüsenfunktion und Hormonhaushalt der Kinder auswirken soll. Osann (Tausch der schadstoffhaltigen Schulterpolster) und Swandoo (Tausch der belasteten Sitzbezüge) bieten eine Nachbesserung an.
Die besten Testergebnisse erreichten Babyschalen: Gleich vier Modelle konnten sich ein "gut" mit der Note 1,7 sichern: Babyzen Yoyo iZi Go Modular X1 i-Size by Besafe + iZi Modular i-Size base, Maxi-Cosi Tinca + Tinca Base, Peg Perego Primo Viaggio Lounge + i-Size base, Silver Cross Simplicity Plus + Simplifix Isofix base, Stokke iZi Go Modular X1 i-Size by Besafe + iZi Modular i-Size base. Mit "gut" (1,8) wurden auch die Sitze Cybex Solution S i-Fix und Joie i-Traver bewertet, die für Kinder ab ca. vier Jahren geeignet sind.

Sitzerhöhungen sind kaum geeignet

Sitzerhöhungen bieten weniger Schutz als ein "richtiger" Kindersitz.
Neben den klassischen Kindersitzen wurden beim Test im Mai auch Sitzerhöhungen unter die Lupe genommen. Die Sitzschalen mussten den gleichen Test absolvieren wie die anderen Testkandidaten. Das Ergebnis: allesamt mangelhaft. Kein Wunder, denn Seitenaufprallschutz und Kopfstütze sind hier nicht vorgesehen. Dennoch dürfen die Sitzerhöher für Kinder ab einem Gewicht von 22 Kilo oder einer Größe von 1,25 Metern genutzt werden (vor 2017 gekaufte Modelle bereits ab 15 Kilo). Dennoch sollten sie eher eine Notlösung darstellen, denn einen vollwertigen Kindersitz können sie nicht ersetzen.

So testet der ADAC Kindersitze

Die Kindersitze werden in den Testdisziplinen Sicherheit, Bedienung, Ergonomie, Schadstoffgehalt und Verarbeitung/Reinigung untersucht. Dabei setzt der Automobilclub teilweise strengere Kriterien an als der Gesetzgeber. Für den Sicherheitstest werden unter anderem ein Frontalaufprall (64 km/h) und ein Seitenaufprall (50 km/h) mit Dummys simuliert. Bei der Schadstoffprüfung werden vor allem die Sitzbezüge auf den Gehalt gesundheitsschädlicher Substanzen überprüft. (Mehr zum ADAC-Kindersitz-Test lesen Sie hier.)

Alle Ergebnisse im Überblick