Kindersitze: Fehler bei der Bedienung
Sieben häufige Fehler bei der Kindersicherung

Bild: Daniel Ewen
Feldstudien von Kfz-Versicherern, Kindersitzherstellern und auch von AUTO BILD zeigen es immer wieder: Ein großer Anteil aller Kinder, die im Kindersitz im Auto mitfahren, ist nicht ordnungsgemäß gesichert. Teilweise werden gleich mehrere schwere Fehler gleichzeitig gemacht – entweder beim Fixieren des Kindersitzes oder beim Anschnallen des Kindes. Auf die folgenden häufig gemachten Fehler sollten Sie unbedingt achten!
Fehler 1: Kind zu früh vorwärtsgerichtet transportiert
Für neue Kindersitze nach der europäischen Sicherheitsnorm (UN Reg. 129 – oder auch i-Size-Norm) gilt, dass Kinder in diesen Sitzen bis zum Alter von 15 Monaten und mindestens 76 cm Größe nicht in Fahrtrichtung transportiert werden dürfen. Unfallforscher empfehlen sogar, Kinder bis zum Alter von vier Jahren rückwärtsgerichtet zu befördern.
Der Grund dafür ist einfach: Bei einem Frontalaufprall schleudert der Kopf des Kindes im vorwärtsgerichteten Sitz mit 5-Punkt-Gurt nach vorn, der Nacken mit seiner noch schwach entwickelten Muskulatur wird dabei stark gestreckt, was eine hohe Verletzungsgefahr bedeutet. In der rückwärtsgerichteten Konfiguration wird der gesamte Körper einschließlich des Kopfes dagegen in die Schale des Sitzes hineingedrückt, und die Kraft verteilt sich auf eine viel größere Fläche.

Unfallforscher plädieren dafür, Kinder bis zum Alter von vier Jahren rückwärtsgerichtet zu befördern.
Bild: AUTO BILD
Trotzdem fahren laut einer aktuellen YouGov-Umfrage rund 70 Prozent der Kleinkinder vor dem vollendeten zweiten Lebensjahr vorwärtsgerichtet im Auto mit – vielfach selbst dann, wenn die Eltern einen Kindersitz besitzen, der für rückwärtsgerichteten Transport geeignet wäre. Die Gründe dafür können verschieden sein: Viele Eltern mögen es nicht, keinen direkten Blickkontakt zu ihrem Kind zu haben. Außerdem ist die Beinfreiheit für das Kind in der rückwärtsgerichteten Position oft eingeschränkt. Und schließlich wird gerade Kleinkindern schnell schlecht, wenn sie entgegen der Fahrtrichtung sitzen.
Um Eltern trotzdem eine vorwärtsgerichtete Alternative anbieten zu können, die den höchsten Sicherheitsstandards entspricht, hat die Firma Cybex den Kindersitz Anoris für Kinder bis zu einer Größe von 125 cm (ca. bis zum siebten Lebensjahr) entwickelt, der mit einem Ganzkörper-Airbag ausgestattet ist. Laut Cybex ist das Schutzniveau des Anoris vergleichbar zu rückwärtsgerichteten Kindersitzen.
Fehler 2: Sitz nicht richtig fixiert
Bei Kindersitzen mit Isofixverbindung kann das zum Beispiel schnell passieren, wenn die Befestigungspunkte im Auto schlecht zu erreichen sind. Hinzu kommt mitunter Nachlässigkeit bei der Montage – vor allem, wenn nur eine kurze Strecke zurückgelegt werden muss.
Beim richtigen Einrasten der Verbindung muss ein Klicken zu hören sein. Wichtig: Immer die Kontrollanzeige beachten, sofern vorhanden (grünes Feld oder Leuchte bei richtiger Verbindung), und zusätzlich kontrollieren, dass sich der Sitz rechts und links nicht nach vorn ziehen lässt. Und: Sofern vorgesehen, den Stützfuß des Kindersitzes auf die richtige Höhe einstellen, beziehungsweise den zusätzlichen Haltegurt (Top-Tether) verwenden und straffziehen.
Bei Kindersitzen, die mit dem Fahrzeuggurt fixiert werden, ist der häufigste Fehler, dass der Gurt zwar richtig durch die Gurtführungen des Sitzes gezogen, anschließend aber nicht mehr angezogen wird. Dieser Fehler wird schnell entdeckt, wenn man zur Kontrolle seitlich am Sitz zieht – er gibt dann noch nach und lässt sich bewegen. Abhilfe: Die Gurtführung laut Bedienungsanleitung genau anlegen, auf straffen Gurtverlauf achten und den Gurt anschließend noch einmal stramm anziehen.
Fehler 3: Hosenträgergurte nicht straff genug
Babyschalen und Kindersitze für Kleinkinder verfügen über ein integriertes Gurtsystem (Hosenträgergurte). Diese Gurte müssen so angezogen werden, dass sie eng am Körper des Kindes anliegen.
Viele Eltern sind hierbei zu vorsichtig, aus Sorge, den Gurt zu stramm zu ziehen. Dabei wird allerdings übersehen, dass das Kind bei einem Unfall besser geschützt ist, wenn es ganz eng an die Schale des Sitzes gehalten wird. Jede Beschleunigung in das Gurtsystem hinein kann zu vermeidbaren Verletzungen führen.
Fehler 4: Winterkleidung unter dem Gurt
Auch dicke Winterjacken können dazu führen, dass der Abstand zwischen Gurt und Körper des Kindes zu groß ist (man spricht hierbei von Gurtlose). Besser: Das Kind ohne Jacke im Sitz anschnallen und anschließend eine Decke zum Wärmen darüberlegen.
Fehler 5: Gurt liegt falsch am Körper an
Dieser Fehler betrifft Kindersitze, bei denen das Kind mit dem Fahrzeuggurt angeschnallt wird. Verläuft der Gurt dabei nicht richtig am Körper, kann es zu schweren Verletzungen kommen. Der Gurt muss von der Brust über die Schulter des Kindes verlaufen, er darf nicht am Hals anliegen und auch nicht seitlich am Oberarm.

Kindersitz mit guter Gurtführung – der Gurt bleibt über der Schulter.
Bild: Daniel Ewen
Fehlerquellen können eine falsche Gurtführung sein, ein falsch eingestellter oder ein zu großer Kindersitz. Der untere Gurt soll quer über die Beckenknochen verlaufen, er darf nicht über dem empfindlichen Bauchbereich liegen.
Fehler 6: zu wenig Platz zum vorderen Sitz
Damit der Kopf des Kindes bei einem Unfall nicht gegen die harte Rücklehne des Fahrer- oder Beifahrersitzes schleudern kann, sollte bei vorwärtsgerichteten Kindersitzen zwischen Kopf des Kindes und Rücklehne 55 Zentimeter Platz sein. Im Zweifel muss der Beifahrer auf etwas Platz verzichten und seinen Sitz weiter nach vorn ziehen.
Fehler 7: Beifahrer-Airbag nicht deaktiviert
Auch das wird oft vergessen: Wird ein Kind in einer Babyschale oder einem Reboarder rückwärtsgerichtet auf dem Beifahrersitz angeschnallt, muss der Beifahrer-Airbag deaktiviert werden. Ein auslösender Airbag würde eine ernsthafte Gefahr für das Kind darstellen. Lässt sich der Airbag nicht deaktivieren, darf der Kindersitz nicht auf dem Beifahrersitz installiert werden.
Bei einem vorwärtsgerichteten Kindersitz bleibt der Airbag hingegen aktiviert, der Beifahrersitz sollte dann möglichst weit nach hinten gezogen werden. Grundsätzlich reisen Kinder auf den hinteren Sitzen sicherer.
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