Auch Genies können irren. "Wer bequem sitzt, schläft beim Fahren ein", pflegte Alec Issigonis, der Schöpfer des Ur-Mini, zu sagen. Und stattete seine Kreationen mit dünn gepolsterten Küchenstühlen aus. Heute wissen wir: Körpergerechte, komfortable Sitze fördern die Kondition und damit die Fahrsicherheit. Aber auch das Durchhaltevermögen der Mitfahrer. Optimal gelingt dies dem Mercedes. Als S 600 verfügt er über alle Errungenschaften der Sitztechnik, von der multiplen Verstellung bis hin zur Klimatisierung und Massage, vorn und hinten. Genial, weil superbequem. Am anderen Ende der Skala rangiert der Opel Meriva: Seine Vordersitze mögen die orthopädisch richtige Passform haben, aber sie sind auf Dauer knallhart. Im Fond stehen nur dürftig gepolsterte Miniatursitze bereit.
Große Autos haben naturgemäß Vorteile, denn sie können auch Korpulente und Großgewachsene bequem beherbergen, bieten mehr Verstellmöglichkeiten und erlauben eine entspanntere Sitzposition. Aber zumindest vorn würden wir nicht den Audi A8, sondern den BMW 5er und den X5 bevorzugen (beide mit den optionalen Komfortsitzen). Hinten hockt der 5er-Passagier zwar auf einer bequemen Bank, fühlt sich aber eingepfercht, zumal im Vergleich zum luftigen X5. Der Citroën C5 beweist, dass französische Sitze nicht pflaumenweich sein müssen – sehr angenehm, das Gestühl. Wie’s früher war, zeigt uns die alte DS: Wir versinken in lederbezogenen Sitzsäcken. Das fühlt sich erst mal luxuriös an, ist aber auf die Dauer dem Wohlbefinden nicht wirklich förderlich.

Beim Dacia Duster müssen in Sachen Sitzkomfort Abstriche gemacht werden

Dacia Duster 1.6 16V 4X4
Nicht gut, aber auch keine Folter: das Gestühl im Dacia Duster.
Bild: Sven Krieger
Im VW Golf erlebt der Passagier, dass gutes Sitzen keine Frage der Klasse und der Ausstattung sein muss: Vor allem vorn fühlen wir uns auf den Standardmöbeln ausgezeichnet. Sie sind behaglich und körpergerecht. Das gilt auch für den VW Sharan, dessen Komfortvorteile im Fond beschränken sich dagegen auf den Platz. Denn dort präsentieren sich den Passagieren nur zierliche Sitzchen. Sie thronen überdies selbst für Van-Verhältnisse ungewöhnlich hoch, sodass sich Erwachsene reichlich exponiert vorkommen. Der Dacia Duster macht schließlich klar, dass die billigeren Plätze eben nicht die besten sein können. Seine Sitzgarnitur ist zwar ausreichend bemessen, aber vorn nicht einmal in der Höhe verstellbar und hinten nur spärlich gepolstert – keine Folterstühle, aber eben auch kein wirklicher Genuss.

Fazit

von Wolfgang König
Nein, ein Rezept gibt es nicht. Gute Sitze zu bauen, das ist immer noch eine schwarze Kunst. Dass es Mercedes beim S 600 gelingt, kann nicht überraschen. Ebenso wenig, dass die verwandlungsfähigen Fondsitze der Vans kneifen. Angenehm verwöhnt haben die relativ schlichten Golf-Möbel.