Wieder so ein neudeutscher Begriff: Wellness. Das bedeutet mehr als Wohlgefühl oder Behaglichkeit. Sie ist aktiver, eine Eigenschaft, die uns das Auto bietet. So wie Temperament oder Straßenlage. Im VW Golf zum Beispiel fühlen wir uns an sich pudelwohl, aber in Sachen Wellness rangiert er nur im Mittelfeld. Der Umfang der Ausstattung spielt da eine Rolle – ein Wagen wie der Mercedes S 600, der uns massiert, DVDs abspielt und uns auf Knopfdruck in einen Konzertsaal versetzt, besitzt da naturgemäß Vorteile. Ebenso fördert gefühlte Qualität die Wellness. Hier geht es nicht nur um solide Verarbeitung und geringe Spaltmaße. Auch das Material muss dem Auge und dem Tastsinn schmeicheln. Feines Leder, kühles Metall und schöne Hölzer sind da bewährte Werkstoffe.

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Schließlich verschafft uns auch das Design und die Ausstrahlung des Ganzen eine innere Befriedigung. Das, was wir als Flair bezeichnen. Geschmackssache, sicher. Aber ob ausgefallen, gediegen, elegant oder ausgeflippt – etwas Besonderes sollte es sein, etwas, das unsere Glückshormone stimuliert. Was den Komforteindruck betrifft, trennt das oft die Spreu vom Weizen. Very well fühlen wir uns logischerweise im Audi A8 und im Mercedes S 600. Kunststück. Mehr überraschen kann da schon der Wellnesspegel im Uralt-Citroën: Eine DS mag für heutige Begriffe ausgestattet sein wie ein Armenhaus, ihr Interieur mögen Spucke und Gauloise-Asche zusammenhalten – aber Flair hat sie, die alte Dame. Im Überfluss sogar. Schon deshalb lassen wir uns lieber darin nieder als in ihrem Urenkel Citroën C5. Der ist besser ausgestattet und verarbeitet, aber in puncto Flair nur Durchschnitt. Dem X5 und dem 5er lässt sich anfühlen, dass BMW das Niveau hochwertiger Luxusautos erfolgreich übertragen hat, wenn auch die Serienausstattung nicht üppig ausfällt. Zumal gemessen am Preisniveau.

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Ganz anders der Dacia Duster: Wellness stellt sich hier hauptsächlich beim Gedanken an den günstigen Preis ein. Ansonsten verfügt er über den Charme einer Bahnhofsmission – das muss einen nicht stören, kann es aber. Auch bei den Vans geht Nutzwert vor, das spürt und sieht der Insasse. Immerhin lässt der Opel Meriva wenigstens im Design einen gewissen Pfiff erkennen, obgleich bei ihm sichtlich der Rotstift die Regie führt. Im VW Sharan paart sich betonte Nüchternheit mit guter Qualität. Luxus und Flair sind seine Sache nicht. Da unterscheidet er sich nicht vom Golf. Dessen Wellnessfaktor resultiert vor allem aus der gediegenen Verarbeitung und dem Material, das für seine Klasse wohltuend hochwertig wirkt. Hat Deutschlands Bestseller Flair? Wenn, dann ist es das eines guten Bekannten: Wir kennen ihn, wir schätzen ihn. Und wenn er auf einmal im Designerfummel daherkäme, wären wir irritiert.

Fazit

von

Wolfgang König
Schwieriges Kapitel, die Sache mit der Wellness. Aber sie ist maßgebend für den Komfort, wie der Audi A8 zeigt: Ein solches Qualitätsprodukt brauchen Sie gar nicht erst zu fahren, um sich wohl zu fühlen.
Wie wichtig dabei das besondere Flair ist, zeigt die DS: Kaum Luxus, und dennoch fühlen wir uns sehr well.