Kommentar: Ist Teslas FSD-Assistent überhaupt nötig?
Teslas Selbstfahr-Software – unnötig, sinnvoll oder gar sensationell?

In den Niederlanden dürfen Tesla-Fahrzeuge mit FSD-Assistent vom Menschen überwacht selber fahren. Ist das eine sinnvolle Innovation – oder haben andere Hersteller doch die Nase vorn beim autonomen Fahren? Ein Kommentar!
Bild: Hersteller
Seit 10. April 2026 ist das überwachte FSD-Fahren in den Niederlanden erlaubt – und seitdem läuft die Diskussion, ob das System sicher und nötig ist. Denn so spektakulär der erste AUTO BILD-Test des "Full Self-Driving (Supervised)" auch erscheint: Kritiker wenden ein, dass der Assistent auf dem fünfstufigen System zum autonomen Fahren nur Stufe 2 erreicht. Brauchen wir einen solchen, begrenzten Assistenten überhaupt?
Eine berechtigte Frage. Was bringt ein System denn, das die Verantwortung für die Fahrt bei der Person am Steuer belässt? Die das Auto während der Fahrt permanent überwachen muss und die Augen nicht von der Straße abwenden darf?

Das Auto lenkt selbst, die Hände bleiben in der Luft: AUTO BILD-Redakteur Matthias Brügge am Steuer eines Model Y mit FSD-Assistent.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Klar ist von vornherein: Wenn ein verschuldeter Unfall passiert, war's nicht der Assistent, sondern der Fahrer. So kommentiert die "Wirtschaftswoche" folglich kritisch: "So unbedeutend ist Teslas angebliche Selbstfahr-Software" (Bezahlartikel). Und bemängelt, andere Hersteller seien schon viel weiter beim automatisierten Fahren.
Teslas FSD-Assistent erreicht Level 2
Auf dem Weg zum autonomen Fahren haben BMW und Mercedes mittlerweile punktuell ein höheres Level erreicht: Bei einem Maximaltempo zwischen 60 und 95 km/h können Mercedes-Fahrzeuge (S-Klasse, EQS) wie auch BMW iX oder 7er teilautonom fahren – auf Level 3. Die Fähigkeit beschränkt sich aber auf eng umgrenzte Fahrsituationen – etwa im Stau auf der Autobahn.
Hält das System sein Versprechen?
Da sticht Tesla mit dem überwachten FSD-Fahren auf Level 2 hervor, bei der Fahrt von Haus zu Haus, durch das freie Fahren von A nach B – bis auf das Einparken. Es bietet dabei eine subjektiv spürbare Sicherheitsmarge, das zeigte der AUTO BILD-Check durch die Stadt und übers Land.
Der Tesla fährt auf ganz neuem Niveau gegenüber den "Hände frei"-Assistenten, die auf der Autobahn das teilautomatisierte Fahren zulassen. Die Haus-zu-Haus-Fahrt von Tesla mag auf dem Papier nur eine Evolution sein. Auf der Straße aber ist das überwachte FSD-Fahren eine Revolution.
Entspanntere Fahrt mit FSD
Die Testfahrt mit dem System fühlte sich aus Sicht des erfahrenen Autofahrers niemals unsicher an. Aus persönlicher Anschauung lässt sich sagen: Die Fahrt im FSD-Modus entspannt. Das Aufmerksamkeitsniveau ist, so könnte man die 120 im FSD-Modus gefahrenen Kilometer bewerten, so hoch wie beim aktiven Autofahren, aber relaxter. Man lässt das Auto einfach fahren.
Wenn das System alle Versprechen hält, verringert es auf autobahnähnlichen Straßen die Häufigkeit schwerer Unfälle um den Faktor 7 und weniger schwere Kollisionen um den gleichen Faktor. Selbst in komplexeren Fahrsituationen abseits der Schnellstraßen, also in der Stadt und auf dem Land, soll eine Reduzierung der Unfallhäufigkeit um den Faktor 5 drin sein. Gut, das muss das System erst noch beweisen.
Die angepeilte Verringerung der Zahl der Verkehrstoten um 80 Prozent ist erstrebenswert – ähnlich dem Volvo-Plan, dass kein Mensch mehr in einem Volvo sterben soll. Die Statistik wird es zeigen – garantiert. Vielversprechend ist das System auf jeden Fall.
Fazit
Fahren, ohne selbst zu fahren, ist das nötig und sicher? Eine Sache ist klar: Die digitale Kamera im Auto kennt keine müden Augen, das FSD-System revolutioniert das Auto, wie wir es kennen. Mich überzeugt der Ansatz von Tesla, erst das autonome Fahren Level 2 zu perfektionieren, bevor es zum nächsten Level geht.
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