VW in der Krise: Ursachen und Auswege. Kommentar.
Warum VW in der Krise steckt, was ein Ausweg wäre

Bild: AUTO BILD/VW
Schock. VW muss sparen – und zwar auf die harte Tour. Wie konnte es dazu kommen, und was muss nun passieren? Eine Ursache liegt im schleppenden Verkauf von VWs E-Autos. Sicherlich trägt die Politik einen Teil der Schuld daran. Die kurzfristige Streichung der Umweltprämie im vergangenen Jahr traf die preissensiblen Kunden von VW hart. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der ID.3 und andere Modelle selbst mit Förderung nicht die Erwartungen der Kunden erfüllten.
Ähnlich sieht es in China aus, wo VW an der technikaffinen Zielgruppe vorbei entwickelt hat. Sie holen jetzt zwar auf, aber das Geld aus China fehlt in Wolfsburg. Anders als der chinesische Markt sind die Deutschen nicht heiß auf E-Autos. Strom müsste günstiger sein, die Ladeinfrastruktur besser und attraktiver. Rezession und weitere Unsicherheiten führen insgesamt zu einer Zurückhaltung auf dem deutschen Automarkt. Das bekommt VW auch bei den Verbrennern zu spüren.
VWs strategische Fehler reichen weit zurück
Doch die Ursachen für die Schieflage bei VW liegen nicht nur in der Politik und in der Gegenwart. Sie reichen weiter zurück. Bis 2019 stand VW finanziell sehr gut da, trotz Milliardenzahlungen wegen des Dieselskandals. Doch wichtige Investitionen in die Zukunft wurden offenbar nicht oder falsch getätigt.
Verspätete Software-Entwicklung kostet Milliarden
Der Schlüssel zum Erfolg in der Autoindustrie lag und liegt in der Software. Ob Verbrenner oder E-Auto, sie ist die Schnittstelle zwischen allen Komponenten. Sie ist verantwortlich für Effizienz und Erlebnis und damit die Schlüsseltechnologie einer neuen Fahrzeuggeneration: Autos, die um die Software herum gebaut werden. Bei VW stand weiterhin das Auto an erster Stelle. Anstatt auf erfahrene Akteure aus der Tech-Industrie zu setzen, verfolgte der gesamte Volkswagen-Konzern den zum Scheitern verurteilten Plan, mit der Eigenmarke Cariad und Zulieferern die Software selbst zu entwickeln. Milliarden wurden versenkt. Modelle, die jetzt dringend benötigt würden, kommen Jahre zu spät.
Fünf Milliarden Dollar für Rivian, während fünf Milliarden Euro gespart werden müssen
Jetzt soll eine Partnerschaft mit Rivian, einem ehemaligen Start-up aus den USA, die Wende bringen. Andere Autohersteller haben sich längst mit Tech-Giganten wie Google zusammengetan. Das Geld, das VW heute fehlt und dringend eingespart werden muss, resultiert nicht nur aus den schlechten Verkäufen von VWs E-Autos. Fünf Milliarden Euro sollen bis 2026 eingespart werden, während VW gleichzeitig in einem Zeitraum von drei Jahren insgesamt fünf Milliarden US-Dollar in Rivian investiert, darunter drei Milliarden US-Dollar in direkte Investitionen und zwei Milliarden US-Dollar in ein gemeinsames Joint Venture zur Entwicklung von Software und elektrischen Architekturen.
VW braucht jetzt eine neue Fahrzeugklasse für die Massen
Der VW Golf wird dieses Jahr 50. Er hatte damals als gesellschaftlich klassenloser Kompaktwagen VW aus der Krise geholfen. Das bräuchte VW jetzt wieder: die Erfindung einer neuen Fahrzeugklasse für die Massen auf einer revolutionären Technologie-Plattform – unkompliziert, elektrisch, auf Wunsch selbstfahrend und natürlich günstig. Klingt verrückt? Visionen müssen so ambitioniert sein! Doch der Heilsbringer scheint in weiter Ferne zu sein. Der lang ersehnte VW ID.2 für weniger als 25.000 Euro kommt erst Ende 2025. VW muss jetzt mit Tempo aus der Krise.
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