Kompanjas Renault im Detail
Umgebaut! Der Renault Trafic als Wohnmobil

Bild: Fabian Hoberg
- Fabian Hoberg
Es ist eine typische Start-up-Geschichte: Zwei Kumpels werkeln in der Garage an ihrem ersten Produkt. Sehen, dass es gut ist, und starten mit ihrer Idee richtig durch. Schon vor der Fertigstellung ist ihr erstes selbst konzipiertes Reisemobil verkauft.
So ist es auch bei Ulrich Diefenbach und Christoph Kneer. Die beiden Kumpels bauen 2015 in Bensberg bei Köln ihren ersten Wohnmobil-Prototyp, gründen ein Jahr später die eigene Firma und spezialisieren sich auf den Bau von Wohnmobilen. Allerdings keine von VW, Ford oder Mercedes, sondern von Renault. "Der Renault Trafic fährt sich gut, kostet weniger als andere Modelle, und es gibt einfach zu wenig Campingausbauer für die Marke", erklärt Ulrich Diefenbach die Wahl der Basis.
Bis dahin war es ein weiter Weg, aber einer, der vorgezeichnet schien. Der heute 35-Jährige entdeckt das Schreinern und Campen schon früh für sich. Als Teenager werkelt er mit seinem Vater stundenlang in der heimischen Garage mit Holz, schraubt nebenbei auch an Motorrollern. Handwerk und Technik begeistern ihn, ebenso die Werkstoffe Holz und Metall. Mit 18 Jahren erhält er als Weihnachtsgeschenk ein Schweißgerät. Damit repariert er seine Fahrzeuge und baut Regale und Tische für Gastronomien.

Inhaber Ulrich Diefenbach empfängt Kunden meist am Tresen
Bild: Fabian Hoberg
Nebenbei schraubt er an seinen gut abgehangenen Mazda 323 Kombi und Ford Escort. Als Ulrich Diefenbach sich entschließt, einen Kitesurf-Kurs zu absolvieren, benötigt er ein größeres Auto. Board, Segel und er selbst brauchen anständig Platz. 2008 kauft er sich einen Mercedes Vito, baut ihn zum Camper um. "Richtig edel war der zwar nicht, aber ich konnte darin gut schlafen", erinnert er sich.
Das mobile Zuhause gefällt ihm so sehr, dass er darin fast vier Jahre lang in den Sommermonaten als Surflehrer am Idrosee in Italien wohnt, den Bus immer wieder verändert und optimiert. Schon bei seinem zweiten Vito modifiziert er mehr, schneidet das Dach auf und setzt ein Aufstelldach eines T3 drauf. Mit dem Segen des TÜV. "Der Vito war günstiger zu haben als ein T3, dafür gab es aber gute gebrauchte Aufstelldächer vom T3", lacht er. Not macht erfinderisch.
Eine Küche an der Seitentür
Als der Vito langsam seinen Geist aufgibt, wählt Ulrich Diefenbach 2012 einen Transit. Mittlerweile studiert er Integrated Design an der Köln International School of Design (KISD) und konzipiert für ein Projekt ein neues Wohnmobil-Layout. Seinem Wohnmobil. "Meine Innovation bestand unter anderem darin, die Küche an die Seitentür zu legen, damit Camper von innen, aber vor allem von außen kochen können. So muss keiner immer ins Auto. Denn das nervt auf Dauer", erklärt Ulrich Diefenbach. Küchenzeile und Kühlschrank sind nicht hinter dem Fahrersitz eingebaut, sondern befinden sich in einem großen Holzkasten direkt an der Schiebetür.

Die Kocheinheit lässt sich im Heck oder an der Seitentür im Innenraum montieren, ausziehen und modular erweitern
Bild: Fabian Hoberg
Damit kochen Camper draußen und aufrecht stehend, und auch der 35-Liter-Kühlschrank ist bequem erreichbar. Dazu ändert er das Mobiliar, setzt das Bett ausreichend hoch, damit darunter Platz für Surfbrett oder anderes Equipment ist. Was man als Wasser- und Outdoorsportler eben braucht. Wichtig sind für ihn auch das schnelle Aufbauen beim Campen, verschiebbare Sitze und modulare Schränke für einen möglichst flexiblen Innenraum. Die Schränke liegen in der Flucht der Radkästen, um möglichst viel Breite zu behalten. Dieses Uni- Layout gilt noch heute.
2015 bauen die Kumpels ihren ersten Prototyp. 2016 nehmen sie sich vor, das letzte Mal als Besucher den Caravan Salon in Düsseldorf zu betreten. Ein Jahr später zählen sie schon zu den Ausstellern, dürfen auf dem Renault-Stand ihr Fahrzeug präsentieren. Der neue Firmenname Kompanja lehnt sich an das französische Wort Kompagnon, Begleiter, an. Wie passend. 2017 verlassen schon 17 Stück die kleine Werkstatt.
Im gleichen Jahr zieht die Firma in eine neue Halle in Brühl bei Köln. Dass nur wenig entfernt der deutsche Importeur von Renault sitzt, wissen sie nicht. "Wir haben nur eine größere Halle mit einem Büro gesucht und sind dann hier gelandet", erzählt Ulrich Diefenbach. Doch auch diese Halle wird schnell zu klein. 2018 folgt der Umzug in eine 1600 Quadratmeter große Halle mit über 3000 Quadratmeter großem Außengelände. Dort baut Kompanja mit seinen rund 20 Mitarbeitern mittlerweile etwa 120 Fahrzeuge pro Jahr.

Bis zur Endmontage sind die Fahrzeuge abgeklebt
Bild: Fabian Hoberg
Christoph Kneer verlässt 2020 das Unternehmen. Als Basis werden mittlerweile ausschließlich neue Renault Trafic III genutzt. Die Möbel lässt Kompanja mittlerweile von einer professionellen Schreinerei in Köln fertigen, Schweißarbeiten erledigt eine Schlosserei in der Nähe, die Dächer kommen von SCA. Die Mitarbeiter benötigen für die Montage von sechs Autos parallel etwa zwölf Arbeitstage, die Lieferzeit liegt bei rund neun Monaten.
Recyceltes Material und nachhaltige Fertigung
Camper merken schnell, dass die Kompanja-Fahrzeuge in der Praxis entwickelt wurden und immer weiter verbessert werden. Helles Holz wie Bambus und angenehme, natürliche Stoffe geben ein freundliches Raumgefühl, mehr Wohnzimmer als Warteraum. Der Boden, den es in drei unterschiedlichen Farben gibt, besteht zu großen Teilen aus recyceltem Material ohne Weichmacher, und das verwendete Holz stammt aus nachhaltiger Produktion. Dazu stehen verschiedene Materialien und Farben zur Auswahl.
Einzelne Module wie die Kochplatte oder der Spülkasten lassen sich ruckzuck mit einem Handgriff von der Seite an die Heckküche versetzen. Praktisch: Beim Kompanja müssen Camper nicht die Rückbank zum Bett umklappen, sondern ziehen einen hoch gelegenen Lattenrost aus. Der liegt auf den umgeklappten Lehnen der Rücksitze auf. Ein guter Schlafplatz liegt unter dem Dach: Dort ist auch ein Lattenrost verarbeitet und eine Matratze mit einer Fläche von 128 mal 195 Zentimetern.

Das Bett ist hoch eingebaut, darunter entsteht viel Stauraum
Bild: Fabian Hoberg
Alles wird per Hand bedient, ganz gleich, ob Aufstelldach, Sitze oder Esstisch. Nach dem Motto: Was nicht an Bord ist, kann auch nicht kaputtgehen. Dazu gefällt die Flexibilität: Die Möbel lassen sich ohne Werkzeug einfach entfernen, sodass je nach Modul zwei bis sieben Personen Platz finden. Selbst für den großen Heckauszug müssen nur vier Schrauben gelöst werden, und er lässt sich von einer Person entfernen.
Für den Umbau nutzt Kompanja nur Neufahrzeuge. Der Ausbau ist frei konfigurierbar. Alles, was Kompanja einbaut, ist bei bestehenden Kompanja-Fahrzeugen nachrüstbar, wie Gaskocher oder E-Induktionsplatten, PV-Anlage für Strom, Markise oder eine verstaubare Trockentoilette.
Kompanja ist der Community- Gedanke wichtig. Neben einer offenen und intensiven Beratung zählt für Gründer Ulrich Diefenbach auch eine jährliche Hausmesse, gemeinsames Camping – vergangenes Jahr mit 60 Fahrzeugen – und Problemlösung rund ums Fahrzeug dazu. „Der Kon-takt reißt nach dem Kauf eines Autos nicht ab, sondern intensiviert sich innerhalb unserer Community. Das unterscheidet uns von großen Herstellern“, sagt Ulrich Diefenbach. Allein für die Übergabe mit Erklärung aller Details plant die Manufaktur bis zu 2,5 Stunden ein.

Mit den drehbaren und verschiebbaren Vordersitzen wird der Innenraum schnell größer
Bild: Fabian Hoberg
Der Einstiegspreis für einen Kompanja Basis-Camper mit Renault Trafic III L1H1 beträgt 58.800 Euro. Die meisten Kunden wählen einen leistungsstärkeren Motor und einen Ausbau in gehobener Ausstattung und investieren rund 80.000 Euro. Für eine Vollausstattung kratzt auch ein Renault-Kompanja mit 170 PS und PV-Anlage an der 100.000-Euro-Grenze.
Bisher hat Kompanja in den vergangenen Jahren etwa 550 Fahrzeuge ausgeliefert, weitere 100 sind für die nächsten Monate fest eingeplant. Ulrich Diefenbach fährt natürlich selbst einen Kompanja, im Alltag sowie bei Reisen mit der Familie und Kitesurf-Equipment. Wenn es die Zeit zulässt – rund acht Jahre nach dem Start in der kleinen Garage bei Köln.
Service-Links