Künstliche Motorgeräusche für Elektroautos
Bald dürfen E-Autos grollen wie Sportwagen mit V8

Elektroautos fahren fast geräuschlos. Das könnte sich bald ändern: Die EU erlaubt demnächst Soundgeneratoren, die künstlich erzeugten Motorlärm an die Außenwelt abgeben!
Bild: Wolfgang Blaube / AUTO BILD
Elektroautos dürfen bald auf Wunsch künstliche Motorengeräusche erzeugen, die auch außerhalb des Fahrzeugs zu hören sind. Laut Medienberichten wird die EU in Kürze eine entsprechende Norm hierzu erlassen.
Das sogenannte "Exterior Sound Enhancing System" (ESES) besteht aus einem Soundgenerator, der über Lautsprecher ein spezifisches Geräusch erzeugt, das mit dem Auto in Verbindung gebracht werden kann.
Solche Sounds gibt es bereits, allerdings waren die bislang nur im Innenraum zu hören. So bildet der Soundgenerator im Hyundai Ioniq 6 N Schaltpausen wie beim Verbrenner akustisch nach. Zukünftig dürfen diese Klänge auch in die Umgebung abgegeben werden. Damit ist ihr Effekt vergleichbar mit dem des Soundgenerators Acoustic Vehicle Alerting System (AVAS), das Elektroautos seit 2019 an Bord haben müssen.
Unterschied zwischen ESES und AVAS
Eigentlich dient AVAS als Alarmgeber, um Fußgänger oder Radfahrer vor dem Herannahen eines ansonsten geräuschlosen Fahrzeugs zu warnen. Bei AVAS handelt es sich also um ein verpflichtendes Sicherheits-Feature.
ESES ist wiederum ein Marketing-Produkt, das auf Emotionen zielt. Als freiwilliges Feature können Hersteller es serienmäßig oder gegen Aufpreis anbieten. Ob ein Elektroauto-Fahrer es nutzt, ist seine persönliche Entscheidung. Die EU-Norm sieht vor, dass die Anlage in der Grundeinstellung ausgeschaltet ist und folglich mit jedem Motorstart neu aktiviert werden muss.
Die Hersteller vermarkten diese Funktion bereits: Bei Volkswagen heißt ESES "ID.Sound" und wird als "Soundtrack einer neuen Mobilität" beschrieben. Für BMW hat der weltberühmte Filmmusik-Komponist Hans Zimmer die "Iconic Sounds" kreiert. Audi nennt die akustische Aufwertung seiner E-Autos schlicht "e-sound", bei AMG heißt sie "electric sound", bei Porsche "Electric Sport Sound".
Maximal erlaubte Lautstärke unbekannt
Wie laut diese Geräusche im Betrieb werden dürfen, ist bisher nicht bekannt. Bei AVAS ist die Funktion in der EU nur bis zu einer Geschwindigkeit von 20 km/h vorgeschrieben. Bei höherem Tempo, so zeigen Untersuchungen, sind Abrollgeräusche der Reifen so hoch, dass menschliche Ohren ein herannahendes Fahrzeug ohnehin rechtzeitig registrieren können.
Fazit
Brauchen E-Autos lauten Sound? Wozu soll es gut sein, wohltuend leise Fortbewegung in eine Krawall-Karawane zu verwandeln, noch dazu zum Leidwesen der Nachbarschaft? Es bleibt nur zu hoffen, dass hier lediglich langjährige Verbrenner-Fans ihren Phantomschmerz lindern wollen – und sich das Phänomen über die Jahre von selbst löst.
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