Ergebnisse des Lackschicht-Messgeräte-Tests

Lackschicht-Messgeräte: Test

Diese Messgeräte entlarven Reparaturen am Lack

Für Kfz-Gutachter sind sie unverzichtbar, aber auch im Hobbybereich werden Lackschichtmessgeräte immer beliebter. AUTO BILD KLASSIK hat zehn Modelle getestet.
Glänzender Lack kann nicht nur Laien, sondern auch Profis blenden. Denn was sich unter der polierten, äußeren Schicht verbirgt, ist ohne Hilfsmittel nicht immer sofort ersichtlich. Lackschichtmessgeräte verraten es. Im Profibereich sind die Schichtstärkenmesser seit Jahrzehnten verbreitet, kein Kfz-Gutachter kommt ohne sie aus. Aber auch private Oldtimerfans greifen immer häufiger zu den Geräten, um beim Kauf von Klassikern nicht reinzufallen.

10 Lackschicht-Messegeräte im Test

AUTO BILD KLASSIK hat zehn Modelle in der Preisspanne von 129,95 Euro bis 909,16 Euro getestet. Allen Geräten gemeinsam ist deren Fähigkeit, sowohl auf eisenhaltigen, magnetischen Oberflächen (Fe) als auch auf nichtmagnetischen, metallischen Oberflächen (Nfe) Schichtstärken messen zu können. Die Geräte messen die Distanz zwischen der Oberfläche des Lacks und dem Trägermaterial, meist Stahlblech oder Aluminium. Die Anwendbarkeit auf magnetischen und nichtmagnetischen Metallen ist auch wichtig für jemand, der nur Stahlkarosserien messen möchte: Denn nur mit einem Nfe-tauglichen Gerät lassen sich zum Beispiel auch Stellen an einer Stahlkarosserie lokalisieren, die mit Zinn repariert wurden. Die gebräuchliche und von allen Messgeräten ausgegebene Maßeinheit ist Mikrometer (μm, sprich: "Mü"). Die Funktionsweise der Geräte ist sehr ähnlich: Obwohl die meisten bereits werksseitig kalibriert sind, empfiehlt sich vor Gebrauch eine Kalibrierung auf den mitgelieferten Metallplättchen. Das geht so: einschalten, flach auf den Messpunkt aufsetzen und zum Ausführen einer Messung einen Knopf drücken. Praktisch: Ein Gerät im Test liefert als einziges in diesem Testfeld neben dem Messwert selbst auch gleich dessen Interpretation mit. Das 150 Euro teure NexPTG Professional arbeitet mit einer App für iOS und Android und wird mit dem Smartphone gekoppelt, eine gute Idee für Einsteiger mit wenig Erfahrung. In Handhabung, Ausstattung und Preis überzeugt das Professional. Leider nicht bei der Präzision: Bei den Messungen auf den Testblechen stellten wi Abweichungen von bis zu 118 Prozent gegenüber unserem Referenzgerät fest. Beim überwiegenden Teil der Messungen zeigt das NexPTG deutlich geringere Schichtstärken an.
Lackschicht-Messgeräte Zum Angebot

Etari MD 666

Preis*:139,62 Euro

BGS 2197

Preis*:130,54 Euro

KS Tools 150.3010

Preis*: 139,92 Euro

Busching 100424

Preis*: 159,90 Euro

Phynix 10758

Preis*: 490,00 Euro

*Preis: Amazon-Preis am 02.09.2021

Bestes Gerät von Q-Nix dient als Referenz

Das Referenzgerät für die Messungen auf den Testblechen ist das 909,16 Euro teure Q-Nix 5500 mit Drei-Millimeter-Dualsonde des Herstellers Automation Dr. Nix. Es zeigt auf den Kontrollflächen mit definierten Schichtstärken die genauesten Messwerte an. Wie das Q-Nix 1500 ist es mit Sonden für einen Messbereich von bis zu 5000 μm erhältlich – eine sinnvolle Option für alle, die regelmäßig Lackschichten an Oldtimern messen, denn Schichtstärken von mehr als 800 μm sind bei Restaurierungen mit formgebenden Anpassungsarbeiten durchaus übliche Praxis.
Fazit von Lars Busemann: Jedes Lackschichtmessgerät ist besser als gar keines. Wichtig für Messungen an Oldtimern: Achten Sie auf
einen ausreichend großen Messbereich. Die sehr empfehlenswerten Geräte von Q-Nix können mit Sonden bis 5000 µm ausgestattet werden – Schichtstärken in dieser Größenordnung kommen bei Restaurierungen durchaus vor. Kauftipp: Oldtimertaugliche Geräte sollten Schichtdicken auf Fe und NFe bis 3000 µm präzise messen können.

Was bedeuten die Messwerte?

Die Geräte geben Messwerte aus, diese richtig einzuordnen ist Sache des Anwenders.

©Christoph Börries / AUTO BILD

Man benötigt Erfahrung und Fachwissen zu Fahrzeuggenerationen und deren typischem Lackaufbau, um Messwerte zu Lackschichtstärken korrekt einzuordnen. Die Angaben unten können auch nur eine grobe Orientierungshilfe sein. Wichtige Regel: Die gemessenen Schichtstärken an einem Fahrzeug sollten nicht stark voneinander abweichen. Tritt zum Beispiel an einem rechten Radlauf hinten ein erheblich höherer Messwert auf als an der identischen Stelle auf der linken Fahrzeugseite, ist das ein Indiz für eine erfolgte Reparatur mit Neulackierung. Die gemessene Gesamtschichtdicke ist die Summe aller Funktionsschichten; sie kann zum Beispiel bestehen aus einer Zinkphosphatschicht, Elektrotauchgrund, Spritzgrundierung, Spachtel, Spritzspachtel, Füller, Basis- und Klarlack oder Einschicht-Decklack. Werkslackierungen liegen meist zwischen 80 und 150 μm Schichtstärke, manuelle Nachlackierungen oberhalb von 200 μm. Selbst bei neuen Fahrzeugen kann es bereits im Werk zu Nachlackierungen und damit höheren Werten kommen. Das stellt jedoch keinen Mangel dar. Bei restaurierten Oldtimern können die Werte wegen Altlackschichten und Spachtel auch oberhalb von 800 μm liegen – das bedeutet keineswegs Pfusch!
80-150 μm: Originallack bei Wasserbasislackierungen mit Acryl-Klarlack
150-250 μm: Originallack bei alten Acryllacken oder Neulack nach Altlack-Entfernung
200-400 μm: Reparaturlackierung auf Altlackierung, dünne Spachtelschicht
300-800 μm: Neulackierung auf Spachtel oder Zinn oder/und mehrfacher Lackauftrag
über 800 μm: Spachtel-/Zinnschichten und Neulackierung

So hat AUTO BILD getestet

Wir wollten wissen: Welche Schichtstärken sind auf Karosserieoberflächen alter Autos typisch? Wie exakt arbeiten die Lackschichtmessgeräte? Unterstützt bei diesem Test haben uns Karosseriebaumeister Oliver Grubbe und Fahrzeuglackierer Željko Sturbek aus Hamburg. Um festzustellen, wie exakt die Geräte definierte Schichtstärken messen, haben wir mit allen Geräten die Schichtstärken spezieller Kontrollflächen aus Kunststoff gemessen. Diese lagen den Geräten von Q-Nix, Sauter, Phynix, BGS, KS-Tools, Busching und Etari in zehn Stärken von 48 bis 1006 μm bei. Von der definierten Schichtstärke abweichende Messwerte haben wir bewertet und farblich markiert. Das Gerät Q-Nix 5500 hat bei den Messungen auf den Kontrollflächen die höchste Anzahl präziser Messwerte erzielt und dient deshalb als Referenzgerät für weitere Messungen auf eigens für diesen Test angefertigten Blechen. Wir haben nämlich nicht die Schichtstärken eines Oldies mit unbekanntem Lackaufbau gemessen, sondern den Fahrzeuglackierer Sturbek beauftragt, insgesamt 22 Bleche mit autotypischen Oberflächenbeschichtungen anzufertigen.
Weitere Themen: Carports im Vergleich

Autor:

Fotos: Christoph Börries / AUTO BILD

Stichworte:

Autolack Lackschaden

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