Lackschicht-Messgeräte

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
Etari MD 666
BGS 2197
KS Tools 150.3010
Busching 100424
Phynix 10758

Glänzender Lack kann nicht nur Laien, sondern auch Profis blenden. Denn was sich unter der polierten, äußeren Schicht verbirgt, ist ohne Hilfsmittel nicht immer sofort ersichtlich. Lackschichtmessgeräte verraten es. Im Profibereich sind die Schichtstärkenmesser seit Jahrzehnten verbreitet, kein Kfz-Gutachter kommt ohne sie aus. Aber auch private Oldtimerfans greifen immer häufiger zu den Geräten, um beim Kauf von Klassikern nicht reinzufallen. AUTO BILD hat zehn Lackschicht-Messgeräte getestet.

Sieger des AUTO BILD Lackschicht-Messgeräte-Tests: Q-Nix 5500

Q-Nix 5500
5500
Q-Nix
5500

1,1 (sehr gut)

  • leicht zu bedienen
  • sehr präzise Messergebnisse
  • gut ablesbar
  • wählbare Sonde
Preis 909,16 €

Das Q-Nix 5500 ist ein hervorragend verarbeitetes, über einen Knopf leicht zu bedienendes Profi-Gerät. Es zeigt auf den Testblechen sehr präzise Messergebnisse, ist zudem gut ablesbar – unser Referenzgerät. Seine wechselbare Sonde für einen Messbereich von bis zu 5000 μm erhältlich ist eine sinnvolle Option für alle, die regelmäßig Lackschichten an Oldtimern messen, denn Schichtstärken von mehr als 800 μm sind bei Restaurierungen mit formgebenden Anpassungsarbeiten durchaus übliche Praxis. Im Test erreichte das Q-Nix 5500 443 von 460 Punkten und damit die Note 1,1 (sehr gut).

Preis-Leistungs-Sieger Phynix Paintcheck Plus FN

Q-Nix 5500
Paintcheck Plus FN
Phynix
Paintcheck Plus FN

2,0 (gut)

  • intuitiv bedienbar
  • exakte Messergebnisse
  • sehr kompakt
  • haptisch angenehm
Preis 505,75 €

Das Phynix Paintcheck Plus FN liefert exakte Messergebnisse und ist intuitiv über einen Knopf bedienbar, zudem sehr kompakt. Solides Gehäuse in haptisch angenehmer Gummierung. Im Test erreichte das Phynix Paintcheck Plus FN 377 von 460 Punkten und damit die Note 2,0 (gut).

So hat AUTO BILD getestet

Wir wollten wissen: Welche Schichtstärken sind auf Karosserieoberflächen alter Autos typisch? Wie exakt arbeiten die Lackschichtmessgeräte? Unterstützt bei diesem Test haben uns Karosseriebaumeister Oliver Grubbe und Fahrzeuglackierer Željko Sturbek aus Hamburg. Um festzustellen, wie exakt die Geräte definierte Schichtstärken messen, haben wir mit allen Geräten die Schichtstärken spezieller Kontrollflächen aus Kunststoff gemessen. Diese lagen den Geräten von Q-Nix, Sauter, Phynix, BGS, KS-Tools, Busching und Etari in zehn Stärken von 48 bis 1006 μm bei. Von der definierten Schichtstärke abweichende Messwerte haben wir bewertet und farblich markiert.
Produkttest Lackschichtmessgeräte - WÜRTH 0715 53 790
Die Geräte geben Messwerte aus, diese richtig einzuordnen ist Sache des Anwenders.

Das Gerät Q-Nix 5500 hat bei den Messungen auf den Kontrollflächen die höchste Anzahl präziser Messwerte erzielt und dient deshalb als Referenzgerät für weitere Messungen auf eigens für diesen Test angefertigten Blechen. Wir haben nämlich nicht die Schichtstärken eines Oldies mit unbekanntem Lackaufbau gemessen, sondern den Fahrzeuglackierer Sturbek beauftragt, insgesamt 22 Bleche mit autotypischen Oberflächenbeschichtungen anzufertigen.

Die Testergebnisse im Überblick

AUTO BILD KLASSIK hat zehn Modelle in der Preisspanne von 129,95 Euro bis 909,16 Euro getestet. Allen Geräten gemeinsam ist deren Fähigkeit, sowohl auf eisenhaltigen, magnetischen Oberflächen (Fe) als auch auf nichtmagnetischen, metallischen Oberflächen (Nfe) Schichtstärken messen zu können. Die Geräte messen die Distanz zwischen der Oberfläche des Lacks und dem Trägermaterial, meist Stahlblech oder Aluminium. Die Anwendbarkeit auf magnetischen und nichtmagnetischen Metallen ist auch wichtig für jemand, der nur Stahlkarosserien messen möchte: Denn nur mit einem Nfe-tauglichen Gerät lassen sich zum Beispiel auch Stellen an einer Stahlkarosserie lokalisieren, die mit Zinn repariert wurden.

Bildergalerie

Produkttest Lackschichtmessgeräte
Produkttest Lackschichtmessgeräte
Produkttest Lackschichtmessgeräte
Kamera
Ergebnisse des Lackschicht-Messgeräte-Tests

Die gebräuchliche und von allen Messgeräten ausgegebene Maßeinheit ist Mikrometer (μm, sprich: "Mü"). Die Funktionsweise der Geräte ist sehr ähnlich: Obwohl die meisten bereits werksseitig kalibriert sind, empfiehlt sich vor Gebrauch eine Kalibrierung auf den mitgelieferten Metallplättchen. Das geht so: einschalten, flach auf den Messpunkt aufsetzen und zum Ausführen einer Messung einen Knopf drücken. Praktisch: Ein Gerät im Test liefert als einziges in diesem Testfeld neben dem Messwert selbst auch gleich dessen Interpretation mit. Das 150 Euro teure NexPTG Professional arbeitet mit einer App für iOS und Android und wird mit dem Smartphone gekoppelt, eine gute Idee für Einsteiger mit wenig Erfahrung. In Handhabung, Ausstattung und Preis überzeugt das Professional. Leider nicht bei der Präzision: Bei den Messungen auf den Testblechen stellten wi Abweichungen von bis zu 118 Prozent gegenüber unserem Referenzgerät fest. Beim überwiegenden Teil der Messungen zeigt das NexPTG deutlich geringere Schichtstärken an. 

Fazit zum Lackschichten-Messgeräte-Test

Jedes Lackschichtmessgerät ist besser als gar keines. Wichtig für Messungen an Oldtimern: Achten Sie auf einen ausreichend großen Messbereich. Die sehr empfehlenswerten Geräte von Q-Nix können mit Sonden bis 5000 µm ausgestattet werden – Schichtstärken in dieser Größenordnung kommen bei Restaurierungen durchaus vor. Kauftipp: Oldtimertaugliche Geräte sollten Schichtdicken auf Fe und NFe bis 3000 µm präzise messen können.

Was bedeuten die Messwerte?

Man benötigt Erfahrung und Fachwissen zu Fahrzeuggenerationen und deren typischem Lackaufbau, um Messwerte zu Lackschichtstärken korrekt einzuordnen. Die Angaben unten können auch nur eine grobe Orientierungshilfe sein. Wichtige Regel: Die gemessenen Schichtstärken an einem Fahrzeug sollten nicht stark voneinander abweichen. Tritt zum Beispiel an einem rechten Radlauf hinten ein erheblich höherer Messwert auf als an der identischen Stelle auf der linken Fahrzeugseite, ist das ein Indiz für eine erfolgte Reparatur mit Neulackierung.
Die gemessene Gesamtschichtdicke ist die Summe aller Funktionsschichten; sie kann zum Beispiel bestehen aus einer Zinkphosphatschicht, Elektrotauchgrund, Spritzgrundierung, Spachtel, Spritzspachtel, Füller, Basis- und Klarlack oder Einschicht-Decklack. Werkslackierungen liegen meist zwischen 80 und 150 μm Schichtstärke, manuelle Nachlackierungen oberhalb von 200 μm. Selbst bei neuen Fahrzeugen kann es bereits im Werk zu Nachlackierungen und damit höheren Werten kommen. Das stellt jedoch keinen Mangel dar. Bei restaurierten Oldtimern können die Werte wegen Altlackschichten und Spachtel auch oberhalb von 800 μm liegen – das bedeutet keineswegs Pfusch!
80-150 μm: Originallack bei Wasserbasislackierungen mit Acryl-Klarlack
150-250 μm: Originallack bei alten Acryllacken oder Neulack nach Altlack-Entfernung
200-400 μm: Reparaturlackierung auf Altlackierung, dünne Spachtelschicht
300-800 μm: Neulackierung auf Spachtel oder Zinn oder/und mehrfacher Lackauftrag
über 800 μm: Spachtel-/Zinnschichten und Neulackierung
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